Cebit-Start: Computer im windschnittigen Gehäuse

Cebit-Start: Computer im windschnittigen Gehäuse

, aktualisiert 20. März 2017, 08:09 Uhr
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Auf der Computermesse lässt Intel Drohnen abheben.

von Christof Kerkmann und Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

In Hannover startet die Cebit. Intel lässt auf der Computermesse Drohnen abheben. Der Chiphersteller positioniert sich mit der neuen Technologie für Firmenkunden. Denn noch ist das Geschäft mit den Drohnen überschaubar.

Hannover, MünchenDas Summen klingt im Nieselregen etwas gedämpft. Doch den Flug stört das nicht: Die Drohne zieht in einem Halbkreis in einem ersten Testlauf am gestrigen Sonntag um den Turm und kehrt sicher zum Startpunkt zurück, wo sie genau vor den Füßen des Piloten auf dem Boden aufsetzt. Dieses Gerät ist dafür gebaut, eine Ölplattform auf hoher See zu inspizieren – mieses Märzwetter macht da nichts.

Es ist eine Premiere, die sich auf dem Messegelände in Hannover abspielt: An diesem Montag steigen zum Auftakt der Cebit erstmals in großem Stil Drohnen in den Himmel. Auf einer Wiese vor Halle zwei will der Chipriese Intel beweisen, dass die unbemannten Fluggeräte mehr sind als Spielzeuge. Nebenan in Halle 17 lassen etliche andere Firmen ihre Flieger abheben. „Drohnen sind heute schon vielerorts im Einsatz“, sagte Intels Deutschlandchef Christian Lamprechter dem Handelsblatt. „Es weiß nur kaum jemand.“

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Es hat seinen Grund, dass der weltgrößte Chiphersteller auf einmal mit Drohnen wirbt, statt wie früher neue Prozessoren herauszustellen. Die digitale Revolution erlaubt die Entwicklung leistungsfähiger und gleichzeitig bezahlbarer Fluggeräte. Die meisten Komponenten, die beim Bau zum Einsatz kommen, sind dank des Smartphone-Booms der vergangenen Jahre bezahlbare Massenware. Drohnen sind Computer in einer windschnittigen Hülle.

Intel hofft deswegen auf gute Geschäfte. Denn die Flieger benötigen Prozessoren, um eigenständig navigieren zu können. Und sie erzeugen große Datenmengen, die in Rechenzentren verarbeitet werden, wo oft Chips des Konzerns zum Einsatz kommen. Bei einem einzigen Flug über eine Fabrik oder Solaranlage entstehen Fotos, die die Festplatte eines neuen PCs füllen. Um sich zu rüsten, hat der Konzern mehrere Hersteller unbemannter Fluggeräte übernommen, die Münchener Firma Ascending Technologies etwa.

Welche Szenarien möglich sind, ist auf der Cebit zu sehen. So nutzten bereits Ölförderer in der Nordsee Drohnen, um Schäden an Plattformen zu erkennen. Bislang seien Techniker routinemäßig eingeflogen, um die Anlagen auf hoher See unter die Lupe zu nehmen. Jetzt würden sie nur noch anreisen, wenn wirklich Bedarf bestehe, erläuterte Lamprechter. Das spare viel Geld. Auch Solaranlagen oder Brücken lassen sich aus der Luft inspizieren.

Noch ist das Geschäft mit den Drohnen überschaubar. Weltweit werden Firmen und Konsumenten dieses Jahr gut sechs Milliarden Dollar für die Fluggeräte ausgeben; das entspricht nur etwa einem Zehntel des Umsatzes von Intel. Doch das Plus gegenüber dem Vorjahr beträgt den Marktforschern von Gartner zufolge gut ein Drittel. Aus der Nische könnte also bald ein Massenmarkt werden.

Und an dem will Intel unbedingt teilhaben. „Wir wollen keine neue Schlüsseltechnologie verpassen“, betonte Lamprechter. Der Konzern zieht damit eine Lehre aus der Vergangenheit. Denn das Milliardengeschäft mit Smartphones und Tablets ist an dem Konzern aus dem Silicon Valley vorbeigegangen, alle Versuche einer Aufholjagd sind mehr oder weniger gescheitert. Noch immer verdient Intel sein Geld größtenteils mit Prozessoren für PCs, Notebooks und Netzwerkrechner, dem seit Jahrzehnten angestammten Geschäft. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Computers. Wenn die Prognosen von Gartner zutreffen, dann werden die Drohnenhersteller 2020 bereits gut elf Milliarden Dollar Umsatz verzeichnen, also fast doppelt so viel wie im laufenden Jahr. Parallel dazu müssen die Mobilfunknetze und die Rechenzentren aufgerüstet werden.

Die allermeisten der modernen Fluggeräte gehen derzeit in den Spielzeuggeschäften über die Ladentheke. Doch viel mehr Geld ist mit den Profidrohnen zu verdienen. Obgleich die Stückzahlen wesentlich niedriger sind, stehen sie für den größten Teil der Erlöse der Anbieter. Zum Vergleich: Konsumenten haben vergangenes Jahr im Schnitt 835 Dollar für eine Drohne ausgegeben. Ein Industriegerät schlug dagegen mit gut 25.000 Dollar zu Buche.

„In fast jeder Industrie kaufen die Firmen jetzt Drohnen, um sie zu testen und einzusetzen“, heißt es bei Gartner. Am häufigsten würden sie für Inspektionsflüge genutzt, etwa an Pipelines, Windrädern, Sonnenkollektoren oder Stromleitungen. Zu den bekanntesten Herstellern von Profidrohnen gehören Yamaha, Sense-Fly und Kespry. Konsumenten kaufen häufig DJI, Parrot oder Zerotech.

Die Technik, die in den Drohnen eingesetzt wird, ist mit der des autonomen Fahrens vergleichbar. Das ist für Intel wichtig, denn der Konzern lebt davon, dieselben Chips in möglichst vielen Anwendungen zu verwenden. Daher steht auf dem Stand von Intel auch ein futuristischer BMW i8. Im Autogeschäft tut sich Intel seit Jahren schwer, hofft mit dem nun anstehenden Techniksprung aber auf seine Chance. „Es geht uns auch darum, unsere Kundenbasis zu verbreitern“, meinte Deutschland-Chef Lamprechter.

Der Ausrichter der Cebit, die Deutsche Messe AG, ist begeistert von Intels Freiluftshow. „Auf der Cebit 2017 geht es mehr denn je darum, die Digitalisierung erlebbar und anfassbar in Szene zu setzen“, so Messevorstand Oliver Frese. In der Tat: Seit sich die Ausstellung auf Geschäftskunden konzentriert, dominieren abstrakte Themen wie Cloud-Computing.

Die Drohnen, über die in der Presse zuletzt am meisten geschrieben wurde, fehlen auf der Intel-Schau allerdings: Für die Paketbeförderung durch die Lüfte sehen Experten in den nächsten Jahren kaum eine Chance. Gartner-Analyst Gerald van Hoy schätzt, dass 2020 nicht einmal jede hundertste Drohne von Logistikfirmen betrieben wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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