CEO Basecamp auf der Cebit: Im Sog der Zeitenwende

CEO Basecamp auf der Cebit: Im Sog der Zeitenwende

, aktualisiert 20. März 2017, 19:07 Uhr
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Erstes Podium zum Thema Pioniergeist im Zeitalter des Kunden mit (v.l.n.r).: Miguel Milano, President EMEA, Salesforce, Handelsblatt-Redakteurin Ina Karabasz und Dirk Hoke, CEO und Mitglied des Konzernvorstandes, Airbus Defence and Space.

von Jessica Schwarzer und Johannes StegerQuelle:Handelsblatt Online

Beim CEO Basecamp auf der Cebit diskutierten Entscheider und Experten über die Chancen der Digitalisierung. Viele deutsche Unternehmen haben diese bereits ergriffen – und sind bereit, unbequeme Wege zu beschreiten.

HannoverDas große Problem mit der Digitalisierung? Unsere Bequemlichkeit. David Bosshart, Chef des Schweizer Gottlieb Duttweiler Instituts, findet deutliche Worte: Weil der gute Zustand der deutschen Konjunktur bequem mache, werde der Zwang zum Umdenken nicht erkannt. Fast alle Branchen seien träge geworden. Stimmen die Vorwürfe des Schweizer Trendforschers?

Um über den Zustand und die Chancen der Digitalisierung zu sprechen, hatte das Handelsblatt CEOs und Experten gemeinsam mit Salesforce in das CEO Basecamp auf die Cebit in Hannover eingeladen. Dabei zeigte sich: Der Wandlungsdruck ist enorm – allerdings manchmal auch an ganz unerwarteter Stelle. Und so eröffnete Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe die Veranstaltung mit den Worten: „Wir müssen groß denken, die Chancen erkennen und begreifen.“

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Dass viele Unternehmen dies bereits tun und für ihre Überzeugung unbequeme Wege beschreiten, zeigt das Beispiel Volkswagen. So sprach VW-Vorstand Karlheinz Blessing über den Stand der Transformation in seinem Konzern. Volkswagen wurde lange als „Blechbieger“ bezeichnet. Das Image habe sich jedoch drastisch geändert, betonte Blessing, der bei VW die Bereiche Personal und IT verantwortet: „Die Digitalisierung gehört fest zum Unternehmen.“ Nicht immer sei das so gewesen, räumte er ein.

Früher einmal sei die Cebit in Wolfsburg nur wahrgenommen worden, weil die Hotelzimmer im Umkreis knapp wurden. Doch das ist lange her. Mittlerweile ist der Konzern mit großer Selbstverständlichkeit auf der weltgrößten Technologiemesse vertreten. Mindestens die 10. 000 Mitarbeiter im Bereich IT interessiert brennend, welche Zukunftsentwürfe die Cebit zeigt.

Blessing forderte ein Umdenken der Industrie, eine schonungslose Analyse der Stärken und Schwächen sei zwingend: Disruptiere dich selbst, bevor es andere tun. Blessing schilderte, wie sich das Umfeld massiv verändert hat: Klassische Wettbewerber, aber auch völlig neue Player eroberten mit Macht die Schlüsselthemen der Zukunft. Autonomes Fahren und der Elektroantrieb seien die Eckpunkte einer neuen Epoche der Mobilität. Anbieter wie Tesla oder Google könnten ganz neu starten, ohne sich über die soziale Auswirkung der technologischen Revolution Gedanken machen zu müssen.


Digitaler Wandel als soziale Transformation

Einigkeit herrschte darin: Es sei der Kunde, der im Mittelpunkt der neuen Marktordnung stehen müsse. Auch Dirk Hoke, CEO von Airbus Defence and Space, sagte: „Wir bewegen uns in eine kundenzentrierte Wirtschaft.“ Wie die aussehen soll? Es gehe schon jetzt darum, sich mehr darauf zu konzentrieren, was der Kunde wirklich wolle, bevor ein Produkt überhaupt entworfen werde. Folgende Frage müsse immer am Anfang stehen: „Welche Probleme der Kunden gilt es zu lösen?“ Airbus nutzt zum Beispiel Virtual-Reality-Brillen, um den Kunden Kabinenstrukturen zu demonstrieren. Erst danach wird entschieden.

Die digitale Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren transformiere alles, meinte auch Miguel Milano, President EMEA bei Salesforce: „Es gibt dem Kunden völlig neue Wahlmöglichkeiten und Interaktionswege.“ Es brauche das ständige Abgleichen mit dem Kunden. Unternehmen müssten auch deshalb ihre Denkweise ändern, darin waren sich alle Experten einig.

Doch nicht überall führt Digitalisierung zur Euphorie – viele fühlten sich abgehängt, das befördere das Aufkommen von nationalistischen und protektionistischen Bestrebungen: „Es ist unsere Pflicht, die Menschen mitzunehmen“, meinte dann auch VW-Vorstand Blessing.

Die Experten sind sich einig: Es geht darum, den digitalen Wandel als soziale Transformation zu begreifen und dabei den Gemeinsinn im Blick zu behalten. Dirk Hoke von Airbus ist davon überzeugt, dass man den Menschen klarmachen müsse, dass auch in der digitalisierten Zukunft immer noch Platz für sie sei.

Um der Angst zu begegnen, müsse sich auch die Technologie verändern. Der Schweizer Philosoph und Trendforscher Bosshart stellte fest: „Wir bauen Technologie für Technologie-Freaks.“ Man müsse aber viel radikaler vom Menschen aus denken und Technologie menschengerecht erschaffen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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