Chinesen stechen Marriott aus: Stäbchen im Sheraton

Chinesen stechen Marriott aus: Stäbchen im Sheraton

, aktualisiert 18. März 2016, 15:43 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Anbang ist der Gewinner im Bieterrennen um Starwood. Der Betreiber der Sheraton Hotels wird damit chinesisch. Die Pekinger Finanzgruppe setzt mit dem Deal ihren rasanten Aufstieg fort. Wer hinter Anbang steckt.

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Anbang erhält für 13 Milliarden Dollar den Zuschlag.

New York/PekingIm Bieterrennen um den Betreiber der Sheraton Hotels hat eine Investorengruppe den US-Konkurrenten Marriott ausgestochen. Die Hotelgesellschaft Starwood teilte am Freitag mit, sie nehme die verbesserte Offerte der Interessentengruppe um den chinesischen Versicherer Anbang an.

Sie hatten ihr Bar-Angebot zuletzt um zwei auf 78 Dollar pro ausstehender Aktie aufgestockt. Die Offerte ist damit 13,16 Milliarden Dollar schwer. Marriott hatte nur 12,2 Milliarden Dollar geboten.

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Zu der von Anbang geführten Investorengruppe gehören die privaten Beteiligungsfonds JC Flowers und Primavera. Die Starwood-Aktie legte nach Bekanntwerden des Zuschlags für Anbang um mehr als fünf Prozent zu.

Die Anbang-Gruppe fällt in der chinesischen Wirtschaft auf. Der Finanzdienstleister ist noch relativ jung, in privaten Händen und macht aus seinem Ehrgeiz keinen Hehl. Auf der Einkaufsliste der Anbang Insurance Group standen in den vergangenen Jahren Versicherer in Belgien, den Niederlanden, den USA und Nordkorea sowie Hotels – das altehrwürdige Waldorf Astoria in New York und die US-Kette Strategic Hotels & Resorts. Das Ziel ist also ganz klar globales Wachstum.

Man wolle zu den zehn erfolgreichsten Finanzgruppen der Welt gehören, verkündet Anbang auf seiner Website. Damit schlägt die Gruppe einen für China ungewöhnlichen Weg ein, konzentrierten sich die größeren und älteren Unternehmen dort doch bisher stets auf den Heimatmarkt. Inzwischen haben die Regulierungsbehörden ihre Vorgaben gelockert und damit den chinesischen Finanzdienstleistern die Chance gegeben, produktiver und wettbewerbsfähiger zu werden – auch international.

Der Aufstieg von Anbang wird dem Vorstandsvorsitzenden Wu Xiaohui zugeschrieben, der Medienberichten zufolge seine Karriere mit einer Autovermietung startete, bevor er 2004 Anbang gründete. Er zeigt sich nur selten in der Öffentlichkeit und spricht nicht gern mit Journalisten.

Alles begann mit einer einzigen Niederlassung in Peking. Der größte Anteilseigner von Anbang war mit 20 Prozent der staatliche Automobilhersteller Shanghai Automotive Industries (SAIC). Im folgenden Jahr übernahm der staatliche Ölkonzern Sinopec ebenfalls einen Anteil von 20 Prozent.

Seitdem hat das Unternehmen gewaltig expandiert und betreut heute mit rund 30000 Mitarbeitern etwa 35 Millionen Kunden. Anbang ist aktiv im Geschäft mit Lebensversicherungen, Bankdienstleistungen, Vermögensverwaltung und Vermittlungsdienstleistungen. Das dürfte die in China regierende Kommunistische Partei mit Freuden sehen, hat sie doch die chinesischen Unternehmen ermutigt, im Ausland aktiver zu werden und die Abhängigkeit vom Heimatmarkt zu reduzieren.

Die chinesische Wirtschaftspresse vergleicht Wu schon mit Warren Buffett. Hintergrund ist die Strategie des legendären amerikanischen Milliardärs, die Geldflüsse aus dem Versicherungsgeschäft für den Einstieg in andere Branchen zu nutzen. Womöglich ist es aber nicht nur eine clevere Strategie, die Wu so weit gebracht hat.


Wie Anbang die Einkaufstouren finanzieren kann

Gerüchten zufolge sollen auch familiäre Verbindungen und die Unterstützung einflussreicher Persönlichkeiten im Vorstand von Anbang hilfreich gewesen sein.

Wu ist nach chinesischen Medienberichten mit Zhuo Ran verheiratet, der Enkelin des Mao-Nachfolgers Deng Xiaoping. Allerdings berichtete das Wirtschaftsmagazin „Caixin“ im vergangenen Jahr, das Paar habe sich getrennt. Zu den Mitgliedern der Vorstands von Anbang zählen Zhu Yunlai, der Sohn des früheren Ministerpräsidenten Zhu Rongji und heute ein erfolgreicher Bank-Manager, sowie Yong Longtu, der als Chefunterhändler die Mitgliedschaft Chinas in der Welthandelsorganisation (WTO) aushandelte.

Vielleicht steht hinter Anbang aber gar nicht Wu. Das berichtete die Wochenzeitung „Nanfang Zhoumo“ im vergangenen Jahr. In Wahrheit treffe Chen Xiaolu die Entscheidungen, hieß es, der Sohn des verstorbenen Chen Yi, eines Mitbegründers der kommunistischen Regierung 1949. Dem widersprach Chen allerdings und sagte der „Caixin“, er halte keine Anteile an der Anbang-Gruppe, sondern sei lediglich als Berater engagiert. Er sei zwar schon seit 15 Jahren ein Geschäftspartner von Wu, mische sich jedoch nicht ins Operative ein. Er habe Wu empfohlen, in den USA zu investieren, weil die chinesische Wirtschaft langsamer wachse, während die amerikanische sich gerade erhole.

Diesem Rat folgte Wu jetzt offenkundig mit dem Starwood-Kauf. Um die Einkaufstouren finanzieren zu können, sammelte die Gruppe 2014 rund acht Milliarden Dollar von Investoren ein. Damit reduzierte sich der Anteil des Gründungsinvestors SAIC auf weniger als ein Prozent. Das Grundkapital wuchs um das Fünffache auf 9,5 Milliarden Dollar und ist damit höher als das aller anderen Versicherer in China, auch wenn das Unternehmen nicht zu den zehn größten Sachversicherern zählt und auch nicht zu den 30 größten Lebensversicherern.

Die chinesische Presse betrachtet Anbang inzwischen auch gar nicht mehr als Versicherungskonzern, sondern angesichts der Zukäufe eher als einen Investmentfonds, der auch Versicherungen vertreibt. Das rasante Wachstum lässt außerdem chinesische Finanzmarktexperten die Frage stellen, wie nachhaltig und stabil diese Entwicklung ist.

In einer seiner seltenen öffentlichen Äußerungen betonte Wu im Dezember die Verantwortung des Konzerns für die einfachen Versicherungsnehmer. Das Geld aus den Versicherungsprämien müsse bestmöglich investiert werden, sagte er einem Bericht der Zeitung „China Business Journal“ zufolge. Aufgabe der Versicherer sei es, die kleinen Investoren zu schützen.

Die weltweite Expansion verlief für Anbang bisher nicht immer reibungslos. So zahlte die Gruppe im vergangenen Jahr einen symbolischen Euro für den niederländischen Versicherer Vivat und kündigte an, 1,35 Milliarden Euro zu investieren. Der Vorstandsvorsitzende von Vivat gab kurz danach seinen Posten ab, Berichten zufolge wegen Unstimmigkeiten mit Anbang über seine zukünftige Rolle im Unternehmen.

Der geplante Kauf der südkoreanischen Woori Bank kam nicht zustande, immerhin ein Geschäft im Umgang von 2,7 Milliarden Dollar. Der Regierung war es nicht gelungen, wie gesetzlich vorgeschrieben zwei Bieter für die Bank zu finden. Den Versuch, die portugiesische Novo Banco zu übernehmen, brach Anbang 2015 ab. Weder die chinesische Seite noch die portugiesische Regierung nannten einen Grund für das Scheitern der Verhandlungen über eine Übernahme im Wert von fünf Milliarden Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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