Chinesischer Konzern: BaFin untersucht Deutsche-Bank-Großaktionär HNA

Chinesischer Konzern: BaFin untersucht Deutsche-Bank-Großaktionär HNA

, aktualisiert 05. Dezember 2017, 11:21 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Hat der chinesische Konzern falsche Stimmrechtsangaben beim Einkauf bei der Deutschen Bank gemacht? Die Finanzaufsicht BaFin soll derzeit die Vorgänge vom Frühjahr untersuchen. HNA hat bereits Ärger in der Schweiz.

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Die HNA Group soll im Mittelpunkt von Ermittlungen der Finanzaufsicht BaFin stehen.

Die Finanzaufsicht Bafin nimmt den Deutsche-Bank-Großaktionär HNA unter die Lupe. Die Behörde untersucht, ob der chinesische Mischkonzern korrekte Stimmrechtsangaben gemacht hat als er sich in diesem Frühjahr schrittweise bei Deutschlands größtem Geldhaus einkaufte.

Zu einem entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte ein HNA-Sprecher am Dienstag: „Die Stimmrechtsmitteilungen von HNA in Bezug auf die Deutsche Bank waren und sind korrekt. Darüber hinaus äußern wir uns grundsätzlich nicht zu unserem Austausch mit den Aufsichtsbehörden.“ Die Bafin wollte sich nicht äußern.

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HNA hält nach letztem Stand knapp unter 10 Prozent der Anteile an der Deutschen Bank und ist damit der größte Anteilseigner des Instituts. Die Chinesen sind nicht unumstritten: Angesichts zahlreicher Deals in der jüngeren Vergangenheit wurde vermehrt die Frage gestellt, wie sich der vor allem in der Touristik und der Luftfahrt engagierte Konzern eigentlich finanziert und wer die Fäden in der Hand hält.

Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank

  • Name

    Die künftige Gesellschaft soll noch vor dem Gang aufs Parkett in DWS umbenannt werden. Die Abkürzung geht auf die 1956 gegründete Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen zurück, an der die Deutsche Bank anfangs zusammen mit anderen Instituten beteiligt war. Bislang verwendete das Institut die Marke DSW nur für das Privatkundengeschäft.

  • Rechtsform

    Mit dem Börsengang wird aus der bisherigen Deutsche-Bank-Sparte eine rechtlich selbstständige GmbH & Co. KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien). Durch diese Rechtsform sichert die Deutsche Bank ihren Einfluss, unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen der Aktionäre.

  • Geschäftsmodell

    Die rund 3800 Mitarbeiter der Deutsche Asset Management - davon rund 900 Analysten und Fondsmanager - verwalten in ihren insgesamt rund 600 verschiedenen Fonds Kundengelder im Volumen von knapp 700 Milliarden Euro.

    Der weit überwiegende Teil der Anlagesumme kommt von Kunden aus Deutschland und dem übrigen Europa, immerhin ein Drittel fließt aus Amerika und der Region Asien-Pazifik zu.

  • Marktstellung

    Die Deutsche Asset Management gehört in die Oberliga der global tätigen Vermögensverwalter: Im Privatkundengeschäft ist sie in Deutschland die Nummer eins, in Europa auf dem vierten Platz.

    Im Passivgeschäft mit börsengehandelten Fonds (ETFs) liegt sie in Europa auf Platz zwei, weltweit auf Rang sechs.

    Im Geschäft mit Versicherungen belegt der Börsenaspirant global Rang zwei, im Geschäft mit Immobilienfonds Rang elf.

  • Konkurrenzsituation weltweit

    Die Deutsche Asset Management kommt nicht an Branchenriesen wie die UBS heran. Die Schweizer sind mit einem verwalteten Vermögen von mehr als zwei Billionen Dollar die größte im Asset Management aktive Bank.

    Im Vergleich zum US-Fondsgiganten Blackrock - mit einem verwalteten Vermögen von mehr als fünf Billionen Euro - wirken aber auch die Eidgenossen fast schon wie die zweite Liga.

  • Konkurrenzsituation in Deutschland

    In Deutschland liegt die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank ganz vorne und verweist Konkurrenten wie Union Investment - den Fondsdienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken (320 Milliarden Euro Kundenvermögen), die Deka - den Fondsanbieter der Sparkassen (260 Milliarden Euro) und selbst Allianz Global Investors, den Assetmanager des Versicherungsriesen Allianz (494 Milliarden Euro) auf die Plätze.

Auf den Plan gerufen hat die Bafin eine Nachricht aus der Schweiz: Die dortige Behörde zur Überwachung von Übernahmen hatte vor wenigen Tagen öffentlich gemacht, dass nach ihrer Erkenntnis HNA bei der Übernahme des Flugzeugcaterers Gategroup teilweise „unwahre bzw. unvollständige Angaben“ zu den Eigentumsverhältnissen gemacht hatte.

Bereits im Juli war bekannt geworden, dass auch die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) erwägen, HNA mittels eines Inhaberkontrollverfahrens genauer zu untersuchen. Mit einem solchen Verfahren wollen Aufseher herausfinden, ob Eigentümer verlässlich sind, woher ihre finanziellen Mittel stammen und welche strategischen Ziele hinter einem Investment stecken.

Bei der Bafin-Prüfung geht es nicht um ein Inhaberkontrollverfahren, sondern um Wertpapieraufsicht. Sollte die Behörde HNA unrichtige Angaben nachweisen, könnte entweder ein Bußgeld verhängt oder HNA die Ausübung der betroffenen Stimmrechte untersagt werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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