Christine Lagarde in Frankfurt: IWF-Chefin preist Merkel und Draghi

Christine Lagarde in Frankfurt: IWF-Chefin preist Merkel und Draghi

, aktualisiert 05. April 2016, 14:29 Uhr
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Lob für Angela Merkel und Mario Draghi.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Bei einer Rede in Frankfurt lobt die Chefin des Internationalen Währungsfonds die deutsche Rolle in der Flüchtlingskrise. Christine Lagarde sieht gestiegene Risiken für die Weltwirtschaft und fordert zum Handeln auf.

FrankfurtFür Christine Lagarde ist ihr Auftritt in Frankfurt kein Heimspiel. Sie leitet den Internationalen Währungsfonds (IWF), der Deutschland etwa wegen seiner Sparpolitik oft kritisiert hat. Auch beim Thema Griechenland fliegen immer wieder die Fetzen zwischen dem Fonds und der deutschen Regierung, wenn es um einen möglichen Schuldenschnitt für das Land geht.

Dennoch ist Lagarde bei ihrer Rede an der Universität in Frankfurt voll des Lobes für Kanzlerin Merkel. Grund ist die Rolle Deutschlands in der Flüchtlingspolitik. „Ich möchte Bundeskanzlerin Merkel und den Deutschen meine Hochachtung aussprechen dafür, dass sie bei dieser schwierigen Herausforderung die Führungsrolle übernommen haben“, sagt Lagarde. Sie habe den Respekt, den die Welt Deutschland für seinen „zutiefst humanistischen Ansatz in der Flüchtlingskrise entgegenbringt, aus erster Hand erfahren“. Das werde in die Geschichte eingehen.

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Die Flüchtlingskrise ist aus Sicht von Lagarde einer von mehreren Risikofaktoren für die Weltwirtschaft. Das Wachstum in den entwickelten Volkswirtschaften und in den Schwellenländern sei schwach und die Weltwirtschaft sehr anfällig für Risiken. Um sich dagegen zu wappnen fordert Lagarde die Politik zum Handeln auf. Sonst bestehe die Gefahr über Jahre in einer Phase mit schwachem Wachstum gefangen zu bleiben. Dies könnte weitere Frustration über die politische Klasse schüren.

Der IWF hatte zuletzt seine Konjunkturprognose für die Weltwirtschaft gesenkt. Eine neue Prognose soll bei der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank Mitte April in Washington vorgestellt werden.

„Politische und andere grenzüberschreitende Risiken verschärfen die Lage ihrerseits – und schüren Ungewissheit und Angst“, warnt die IWF-Chefin. Dazu zählten der Terrorismus, die leise Bedrohung durch weltweite Epidemien und Konflikte. Um die Wirtschaft gegen die Risiken besser zu wappnen, fordert Lagarde einen Dreiklang aus Strukturreformen, einer wachstumsfreundlicheren Fiskalpolitik und geldpolitischen Impulsen.


„Wir sehen Negativzinsen rein positiv“

Bei Strukturreformen habe jedes Land unterschiedliche Probleme, die angegangen werden müssten. Die Länder im Euroraum könnten beispielsweise für eine Politik sorgen, die Ausbildung und Arbeitschancen besser aufeinander abstimmt.

In puncto Fiskalpolitik gehe es nicht unbedingt um höhere Ausgaben, sondern vor allem um eine wachstumsfreundliche Verwendung der vorhanden Mittel, so Lagarde. So habe Indien beispielsweise seine Ausgaben für teure Energiesubventionen reduziert und investiere damit mehr in soziale Infrastruktur. Japan etwa investiere mehr in Kinderbetreuung und Deutschland verstärke seine öffentlichen Investitionen.

Zum Schluss hatte Lagarde auch wieder eine Botschaft dabei, die in Deutschland provoziert. Denn nicht nur Angela Merkel bekam von ihr großes Lob ausgesprochen – auch EZB-Chef Mario Draghi. Dessen in Deutschland besonders umstrittene Geldpolitik habe das Vertrauen und die Finanzlage in der Eurozone gestärkt.

Dabei hob Lagarde auch die von vielen Banken hart kritisierten Negativzinsen hervor. „Wir sehen die kürzlich erfolgte Einführung negativer Zinsen durch die EZB und die Bank of Japan – allerdings nicht ohne Nebenwirkungen, die Wachsamkeit erfordern – unter den gegenwärtigen Umständen als rein positiv,“ sagte sie.  

Quelle:  Handelsblatt Online
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