Chronik Vaude: Die Firma für draußen

Chronik Vaude: Die Firma für draußen

, aktualisiert 11. Januar 2017, 20:35 Uhr
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Albrecht von Dewitz gründet die Firma Vaude, die Bergsportausrüstung vertreibt und eigene Rucksäcke produziert, im Jahr 1974.

von Martin-W. BuchenauQuelle:Handelsblatt Online

Der Bergsportler Albrecht von Dewitz gründet 1974 ein Unternehmen, um Ausrüstung zu vertreiben und Rucksäcke zu produzieren. Aus der Namensabkürzung vD macht er den Firmennamen Vaude – heute Vorreiter in Nachhaltigkeit.

  • Der Niedersachse Albrecht von Dewitz macht Anfang der 1970er-Jahre mit seiner Frau, einer gebürtigen Bremerin, Urlaub im Oberschwäbischen. Beide finden Gefallen an der Gegend. Daraufhin zieht das Paar vom hohen Norden an den Bodensee. Zumal Albrecht von Dewitz seinen damaligen Arbeitgeber – einen Bergsteigerausrüster – nicht von seiner Meinung überzeugen kann. Denn er ist der Ansicht, dass die einsetzende Outdoor-Bewegung einen interessanten Massenmarkt eröffnen. Von Dewitz fängt 1974 damit an, Bekleidung und Ausrüstung für sportlich-naturbegeisterte Freizeitgestalter zu entwerfen und gründet den Outdoor-Ausrüster Vaude.
  • Der Firmenname steht lautmalerisch für die Initialen „v“ und „D“ (von Dewitz). Das war auch schon zu Schulzeiten der Spitzname des Gründers, den er dann zu seinem Firmennamen machte. Erster Sitz des Ein-Mann-Unternehmens wird die umgebaute Scheune des damaligen Hopfenbauers Paule Martin in Obereisenbach bei Tettnang.
  • Seinen Sitz baut von Dewitz dann 1980 in Obereisenbach bei Tettnang aus, wo bis heute „Made in Germany“-Produkte hergestellt werden. Inzwischen nimmt der Firmensitz die Hälfte der bebauten Fläche des Ortes ein, den die Einheimischen humorvoll „Vaude-City“ nennen.
  • Im Jahr 1992 steigt Vaude in die Produktion von Bekleidung und Zubehör für Radfahrer ein.
  • 1994 erfolgt der Start des Ecolog-Recycling-Networks: Erstmals lässt sich funktionelle Hightech-Bekleidung zu 100 Prozent wiederverwerten.
  • Als erster Sportartikelhersteller beginnt Vaude im Jahr 2001 nach dem strengen Umweltstandard Bluesign zu produzieren. Dabei werden unter anderem besonders umweltbelastende Substanzen von Anfang an aus dem Fertigungsprozess ausgeschlossen. Seither wächst der Anteil der Bluesign-Produkte stetig. Antje von Dewitz baut im selben Jahr das betriebseigene Kinderhaus, das die Mitarbeiter bei der Vereinbarung von Beruf und Familie unterstützt, auf.
  • Offizieller Partner und Sponsor des Deutschen Alpenvereins (DAV) wird das Unternehmen 2002.
  • Nach Stationen bei Vaude, in gemeinnützigen Organisationen, im Journalismus und nach ihrer Doktorarbeit am Lehrstuhl für Gründertum der Uni Hohenheim über das Thema „Leistungsstarke


    Arbeitsverhältnisse in mittelständischen Unternehmen“ steigt Antje von Dewitz 2005 endgültig im Familienunternehmen ein.
  • Im Jahr 2006 übernimmt Vaude die Klettermarke Edelrid (Edelmann + Ridder GmbH & Co. KG, Firmensitz: Isny/Allgäu), die heute als Schwestermarke zum Unternehmen zählt. Im gleichen Jahr übernimmt Vaude den Betrieb des örtlichen Familien-Freibades am Firmensitz in Obereisenbach, um eine Schließung zu verhindern.
  • Das Unternehmen führt ab 2008 eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie mit eigener Abteilung ein. Als erstes europäisches Outdoor-Unternehmen wird Vaude offizielles Mitglied bei Bluesign, um in aller Konsequenz für eine umweltfreundliche Produktion einzutreten. Ebenfalls als erstes europäisches Outdoor-Unternehmen lässt Vaude sein Umweltmanagement nach EMAS und ISO 14001 zertifizieren.


Die Tochter übernimmt die Geschäftsführung

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  • Antje von Dewitz, die Tochter des Unternehmensgründers Albrecht, übernimmt 2009 die Geschäftsführung. Unter Führung der studierten Kulturwirtin sowie promovierten Ökonomin forciert das Unternehmen sein Nachhaltigkeitskonzept und garantiert den Kunden unter dem Label „Green Shape“ umweltfreundliche und ressourcenschonende Produkte.
  • 2010 lässt Vaude seine Produktionsstätten am Standort Obereisenbach und in Vietnam nach Bluesign zertifizieren. Zudem tritt das Unternehmen der Fair Wear Foundation bei und unterstreicht damit seine CSR-Zielsetzungen für faire Arbeitsbedingungen und Transparenz.
  • Im Jahr 2011 besiegeln WWF Deutschland und Vaude ihre Kooperation für den Umweltschutz. Vaude unterstützt die Organisation und arbeitet bei Umweltschutzthemen mit den Experten zusammen.
  • 2012 unterzeichnet Vaude den Deutschen Nachhaltigkeitskodex im Bundeskanzleramt in Berlin. Die Firmenzentrale und alle dort hergestellten Produkte sind klimaneutral. Zudem kooperiert Vaude mit Fairwertung und entsorgt gebrauchte textile Produkte zugunsten gemeinnütziger Einrichtungen.
  • Vaude ist Gründungsmitglied des „Bündnisses für nachhaltige Textilien“, das die Bundesregierung im Oktober 2014 ins Leben ruft. Ziel dieses Bündnisses von Bundesregierung, Textil- und Bekleidungs-Industrie, Handel, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft ist es, anerkannte Umwelt- und Sozial-Standards in der gesamten Wertschöpfungskette der Textilproduktion weltweit umzusetzen. Vaude veröffentlicht seinen Nachhaltigkeitsbericht erstmals nach dem internationalen GRI-Standard (Global Reporting Initiative) und legt damit seine ökonomische, ökologische und soziale Leistung anhand vergleichbarer Kennzahlen offen.
  • Als erstes Unternehmen der Outdoor-Branche veröffentlicht das Unternehmen 2015 eine auditierte Gemeinwohl-Bilanz, die neben ökonomischen vor allem auch ökologische und soziale Faktoren bewertet. Vaude ist damit ein Pionierunternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ), die sich für ein Umdenken in der Wirtschaft zugunsten des Gemeinwohls einsetzt. Vaude erhält den Leader-Status der Fair Wear Foundation (FWF) für sein hohes Engagement für faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie weltweit. 96 Prozent der gesamten Produktion stellt das Unternehmen in Betrieben her, die nach den Vorgaben der FWF kontrolliert wurden.
  • Neben vielen anderen Auszeichnungen erhält Vaude den „Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2015“. Eine begehrte Auszeichnung, die von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung und unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel vergeben wird. Vaude weiht das komplett umgebaute Firmengebäude am Standort Tettnang ein, das den Mitarbeitern gesunde, zukunftsweisende Arbeitsplätze, eine Bio-Kantine und eine 10 Meter hohe Kletterwand bietet. Gemeinsam mit der E-Commerce-Plattform eBay startet das Unternehmen den „Vaude Second Use Shop“ (www.ebay.de/vaude) in Deutschland, in dem private Verkäufer gebrauchte Vaude-Artikel weiterverkaufen können. Damit wird der Lebenszyklus der Produkte verlängert und vermieden, dass noch nutzbare Qualitäts-Produkte im Müll landen.
  • 2016 gewinnt Vaude den Wirtschafts- und Umweltpreis GreenTec Award für den nachhaltigen Umbau der Firmenzentrale. Vaude wird vom Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) mit dem DNWE Preis für Unternehmensethik ausgezeichnet. In der Kategorie „Nachhaltiges Management“ erhält Vaude den Ecosport Awards in Paris, der von den französischen Verbänden der Sportartikelhersteller unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Sport sowie des Ministeriums für Nachhaltigkeit verliehen wird.
Quelle:  Handelsblatt Online
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