Clinton und Sanders: Gemeinsam gegen Trump

Clinton und Sanders: Gemeinsam gegen Trump

, aktualisiert 13. Juli 2016, 01:09 Uhr
Bild vergrößern

Von Rivalen zum Traumpaar? Bernie Sanders und Hillary Clinton erklärten sich am Dienstag für "gemeinsam stärker".

von Moritz KochQuelle:Handelsblatt Online

Nun also doch: Bernie Sanders verbündet sich mit Hillary Clinton, um Donald Trump zu stoppen. Nur: Werden ihm seine Anhänger folgen?

WashingtonHillary Clinton hat lange auf diese Sätze warten müssen: „Secretary Clinton hat den demokratischen Vorwahlprozess gewonnen, und ich gratuliere ihr dazu“, sagt der weißhaarige Mann neben ihr. „Sie wird der demokratische Präsidentschaftskandidat sein, und ich habe vor, alles mir Mögliche zu tun, um sicherzustellen, dass sie der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird.“

Bernie Sanders hat es also getan. Bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt in New Hampshire hat er Clinton am Dienstag zur Wahl empfohlen. Spät, aber gerade noch rechtzeitig, um die Gefahr zu bannen, dass der in eineinhalb Wochen beginnende Nominierungsparteitag der Demokraten von Flügelkämpfen überschattet wird. Sanders hat Clinton dafür einiges abgerungen: Sie ist weit nach links gerückt, um dem Sozialisten entgegenzukommen.

Anzeige

Auch sie verspricht nun, den Einfluss der Großspender auf die Politik zu beschneiden, den Mindestlohn auf 15 Dollar anzuheben und kostenlose Bachelor-Studiengänge an staatlichen Universitäten einzurichten. Zudem gelobt sie, keine „schlechten Freihandelsverträge“ zu schließen, womit sie inzwischen auch den Pazifikpakt TPP meint – vor nicht allzu langer Zeit hatte sie diesen als „Goldstandard“ angepriesen.

Sanders kann für sich in Anspruch nehmen, die demokratische Partei, der er noch nicht einmal seit einem Jahr angehört, neu ausgerichtet zu haben. Dennoch war es nicht leicht für ihn, seine Niederlage zu akzeptieren. Er fühlte sich als moralischer Sieger des Vorwahlkampfs. Seine Außenseiter-Kampagne sah er als Beginn einer „politischen Revolution“, die Amerika grundlegend verändern sollte.

Sanders hat alle überrascht, die Parteiführung der Demokraten, die Medien, vielleicht sogar sich selbst. Der 74-jährige Senator aus Vermont hat sich in ein Idol der linken Jugend verwandelt. Klassenkampf ist cool geworden.

Doch nun beugt sich Sanders dem Establishment, unterwirft sich der Machtmaschine der Clintons. Warum? Die schlichte Antwort lautet: Donald Trump. Die Sorge vor einem Triumph des Rechtspopulisten treibt Sanders in Clintons Arme. „Wir schließen uns zusammen, um eine Zukunft zu schaffen, an die wir glauben können“, jubelt Clinton und zitiert dabei aus Sanders Repertoire.


Kampf um Jungwähler

Wie wichtig die Wahlempfehlung für sie ist, lässt sich an Umfragen ablesen. Clinton schwächelt vor allem dort, wo Sanders stark war: bei weißen Jungwählern. Gerade einmal 26 Prozent von ihnen haben eine positive Meinung von ihr.

Die Frage ist, wie viele „Sandernistas“ dem Wahlaufruf ihres Anführers folgen. Trump umwirbt sie, er präsentiert sich als letzter verbliebener Eliten-Schreck. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass linke Jungwähler ins rechte Lager überlaufen, ist gering. Bessere Chancen hat Jill Stein, die Kandidatin der Green Party, einer Splitterpartei vom linken Rand.

Stein hatte Sanders schon in den vergangenen Wochen Avancen gemacht, ihm sogar eine gemeinsame Kandidatur angeboten. Nun sieht sie ihre Chance gekommen, enttäuschte Sanders-Wähler auf ihre Seite zu ziehen.

„Hillary Clinton hat Jahrzehnte damit verbracht, den Anliegen der Wall Street, des Kriegs und der Walmart-Wirtschaft zu dienen“, erklärt sie. Die „ununterbrochenen Bestrebungen“ der demokratischen Partei, Sanders „zu minimalisieren, kaltzustellen und zu sabotieren“, zeigten unmissverständlich, dass es „keine revolutionäre Kampagne in einer konterrevolutionären Partei“ geben könne.

Die Grünen haben keine Siegeschance, doch dass sie Wahlen entscheiden können, haben sie schon bewiesen: Im Jahr 2000 verhalf die Kandidatur des linken Verbraucherschützers Ralph Nader George W. Bush zum Triumph über den Demokraten Al Gore.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%