Clintons E-Mail-Affäre: Trump holt in Umfragen leicht auf

Clintons E-Mail-Affäre: Trump holt in Umfragen leicht auf

, aktualisiert 31. Oktober 2016, 17:10 Uhr
Bild vergrößern

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin steht seit Tagen unter Druck - wegen einer Aussage des FBI-Chefs zu möglicherweise belastenden E-Mails.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Aufregung im politischen Amerika ist wegen des Aufflammens der E-Mail-Affäre von Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton groß. Die Umfragewerte zeigen, dass ihr Rivale davon aber nur etwas zu profitieren scheint.

WashingtonEine Woche vor der Präsidentschaftswahl in den USA ist das Rennen um das Weiße Haus nicht wirklich entschieden – der Umfragevorsprung der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton schmilzt leicht. Grund: Die politischen Nachrichten in den USA kennen im Wahlkampf fast kein anderes Thema mehr als die E-Mail-Affäre Clintons. Die Demokratin verliert wegen der Schlagzeilen zumindest in einigen Umfragen etwas an Boden auf den republikanischen Herausforderer Donald Trump.

Neueste Meinungsumfragen vom Montag sehen Hillary Clinton nun nur noch mit ein bis zwei Prozentpunkten in Front. Trump konnte auch in einigen wichtigen Bundesstaaten wie Florida aufholen, beziehungsweise seine Führung ausbauen, wie etwa in Ohio. Clinton führt jedoch noch immer deutlich, wenn es um die Zählung der Wahlmänner geht. Um dies zu verändern, müsste Trump einen weiteren wichtigen Swing State drehen, etwa Pennsylvania oder North Carolina.

Anzeige

Statistiken zu frühen Wahlabstimmungen in North Carolina, Nevada und Florida zeigen aber, dass sich wohl keine demokratischen Unterstützer wegen der E-Mail-Berichte davon abbringen ließen, bereits ihre Stimme abzugeben, so Michael McDonald von der University of Florida. „Ich sehe keinen negativen Effekt“, so McDonald.

Bereits am Samstag hatten mehr als 90 Prozent der wahrscheinlich zur Wahl gehenden Amerikaner davon gehört, dass FBI-Direktor James Comey Ende vergangener Woche in einem Brief an Mitglieder des US-Kongresses berichtet, dass in einem Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Kongressabgeordneten Anthony Wiener neue E-Mails mit „sachdienlichen“ Informationen Hillary Clinton aufgetaucht zu seien. Die Bundespolizei FBI hatte im Juli eigentlich ein Verfahren gegen Clinton für beendet erklärt, wonach es kein strafbares Vergehen der Ex-Außenministerin beim Umgang mit dienstlichen E-Mails gegeben hatte.

Trump muss vor allen Dingen in 13 heftig zwischen Demokraten und Republikanern umkämpften Staaten punkten, um als Sieger aus der Wahl hervorgehen zu können. Eine am Montag veröffentlichte Umfrage des Senders CBS zeigt am Montag jedoch, dass nur wenige der bislang auf Clinton festgelegten Wähler in diesen Staaten wegen der neuen, alten Affäre eventuell nicht für sie stimmen könnten. Unter den Unterstützern der Demokraten sagten fünf Prozent, dass die Wahrscheinlichkeit abgenommen habe, für Clinton zu stimmen. Doch 13 Prozent sagten sogar, jetzt noch entschlossener darin zu sein, für Clinton zu stimmen.


Unklar, was in den E-Mails steht – und von wem sie sind

Der Vorsprung Clintons in einigen umkämpften Staaten ist gering, doch sie kann etwa auf einen soliden Vorsprung in Pennsylvania schauen. Der Staat im Osten des Landes ist für einen möglichen Wahlsieg Trumps entscheidend. Doch auch nach der bislang wenig konkretisierten FBI-Veröffentlichung liegt Clinton laut CBS dort acht Prozentpunkte vorn. Eine aktuelle Umfrage von NBC und Wall Street Journal zeigt, dass Clinton in Florida einen Prozentpunkt in Front liegt, während eine Umfrage des Forschungsinstituts Siena Trump in Florida vier Punkte vorne sieht.

In einer Umfrage für die „Washington Post“ und den Sender „ABC News“ gaben 60 Prozent der Befragten an, Clinton nicht zu mögen - gegenüber 58 für Trump. Das ist ein neuer Höhepunkt der Unbeliebtheit für Clinton. Doch laut CBS sagen 74 Prozent aller Wähler in den umkämpften Staaten, die noch nicht per Briefwahl abgestimmt haben, dass gar nichts mehr ihre Meinung ändern könne, für wen sie stimmten.

Der 70-Jährige Trump kämpft mit den härtesten aller Bandagen, um aus der E-Mail-Affäre politisches Kapital zu schlagen. Auf den Kundgebungen der vergangenen drei Tage stellte er Hillary Clinton ins Zentrum seiner Wahlkampfreden. Sie sei kriminell, korrupt, gewissenlos, Teil eines manipulierten politischen Systems und das seit 30 Jahren. Argumente, die er seit Monaten auflegt – jetzt plötzlich scheint er damit an Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Clintons Wahlkampflager versuchte am Montag weiter, das Verhalten von FBI-Chef James Comey zu diskreditieren. Mehrere frühere Justizminister und aktuelle Mitarbeiter des Ministeriums erklärten, Comey habe mit dem Absenden seines Briefes an mehrere Parlamentsabgeordnete zumindest ungeschriebene Regeln, wenn nicht sogar das Gesetz verletzt.

Wer was wann geschrieben hat ist noch immer völlig unklar. Auch die Anzahl der betreffenden E-Mails, die wohl über den gemeinsam von Clinton-Beraterin Huma Abedin und ihrem fremdgehenden Ehemann Anthony Weiner genutzten Computer gelaufen sind, ist noch immer nicht bekannt. Am Anfang streuten Clinton-Treue die Information, es handele sich lediglich um drei E-Mails. Inzwischen geht man von Tausenden aus. Ob die alle neue sind, oder ob es sich um Schriftsätze handelt, die in anderen Tranchen der E-Mail-Affäre bereits untersucht wurden - vermutlich wissen es nicht einmal Clinton und Abedin selbst.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%