Cloud-Konfiguration: Wechsel mit Tücken

Cloud-Konfiguration: Wechsel mit Tücken

, aktualisiert 23. November 2016, 12:15 Uhr
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Das Bestellen von Lizenzen reicht nicht aus.

von Jakob StrullerQuelle:Handelsblatt Online

Per Mausklick in die Wolke? Wer sich nicht gründlich vorbereitet, riskiert eine Bruchlandung. Worauf Nutzer und Unternehmen achten sollten, um kostenintensive Fallen zu vermeiden.

KölnFertighäuser bringt Xaver A. Haas an den Mann. Sein Verkaufsmotto: „Reinkommen, entdecken, wohlfühlen.“ Der Geschäftsführer des niederbayerischen Hausproduzenten Haas weiß auch: Nur wenn seine über 100 Vertriebsmitarbeiter im Außendienst reibungslos arbeiten können, brummt das Geschäft.

Entdecken und wohlfühlen gilt auch für sie: „Wie wollen meine Verkäufer arbeiten? Das war die wichtigste Frage, als wir auf ein cloudbasiertes Kundenbeziehungsmanagement umgestiegen sind“, sagt Haas – und hörte erst mal seinen Leuten zu. Anfang 2015 bildete er ein Team, um konkrete Erwartungen an eine solche CRM-Lösung zu formulieren. „Wir wollten ein System integrieren, mit dem Vertreter richtig Lust haben zu arbeiten.“ Die Wahl fiel auf den US-Anbieter Salesforce, nach wenigen Wochen war die Software betriebsbereit.

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Cloud-Lösungen: Schnelle Implementierung von Vorteil

Damit Cloud-Lösungen schnell und effizient in Unternehmensprozesse eingegliedert werden können, ist eine systematische Vorbereitung nötig. „Ob die Einführung reibungslos klappt, entscheidet sich vor der eigentlichen Bestellung des Cloud-Produkts“, sagt Thomas Gebhardt, IT-Strategieberater aus Stuttgart. „Nur wenn die wichtigen Fragen geklärt sind, klappt der schnelle Einstieg.“

Im Tempo liegt der Reiz der Cloud-Lösungen: Denn rasche Implementierung und hohe Flexibilität gehören zu den wichtigsten Zielen von Unternehmen, wenn sie in diese Technik einsteigen. Das ergab der jüngste „Cloud-Monitor“, den der Branchenverband Bitkom mit KPMG erhebt. Weil der Aufbau eigener Anlagen wegfällt und die Software standardisiert ist, seien Cloud-Lösungen schneller startklar als stationäre Konkurrenzprodukte, so das Versprechen der Anbieter.

Grundsätzlich stimmt das auch. Ein virtueller Server ist binnen Minuten aufgesetzt, Softwarelizenzen sind per Mausklick rasch bestellt. Aber der Server muss eben auch richtig konfiguriert sein, die Software muss bedient werden. „Je stärker eine bestimmte Lösung in die bisherige Infrastruktur integriert werden muss, desto mehr Vorbereitung ist nötig“, sagt Gebhardt.

Ist ein Datenaustausch mit dem bestehenden System nötig, so erfordert dies Zeit. „Die meisten Unternehmen wollen ihre Programme ja nicht getrennt voneinander nutzen“, sagt Ulf Schitkowsky, zuständig für Cloud-Computing beim IT-Dienstleister Computacenter. Die Adressdaten aus der Kundendatenbank sollen etwa automatisch im Textverarbeitungsprogramm verfügbar sein. Benutzerkonten der Mitarbeiter und Rechteverwaltungen sollen für verschiedene Anwendungen übergreifend gesteuert werden. Dafür sind Schnittstellen nötig. „Das kann anspruchsvoll sein“, sagt Schitkowsky. Mit dem Bestellen von Lizenzen sei es selten getan.


Kostenfalle Zuständigkeiten

Ähnliche Herausforderungen warten bei Infrastructure-as-a-Service-Lösungen (IAAS), also etwa der Nutzung von Mietservern. „Bevor ich eine virtuelle Maschine bestelle, stellen sich Fragen: Welche Rechenleistung, wie viel Arbeitsspeicher, welche Virtualisierungsumgebung?“, sagt Schitkowsky. Wer Server zubuchen will, um Lastspitzen auszugleichen, sollte sich vorbereiten. „Serverkonfigurationen lassen sich quasi als Vorlage speichern.“ Haben die IT-Verantwortlichen im Vorfeld die Anforderungen des hauseigenen Systems hinterlegt, kann eine Fachabteilung bei Bedarf selbst unkompliziert weitere Serverkapazität abrufen – mit den richtigen Einstellungen.

IT-Fachleuten kommt in diesen Prozessen eine veränderte Rolle zu: Sie müssen immer weniger die Technik selbst betreuen. Dass der Server läuft, garantiert ja der Cloud-Anbieter. Stattdessen werden sie zum Vermittler zwischen den Bedürfnissen der Fachabteilungen, den Möglichkeiten des Marktes und den Anforderungen neuer Systeme.

Die Frage der Zuständigkeit wird dabei immer wichtiger. Einer Studie der Beratung Crisp zufolge häufen sich Missverständnisse darüber, welche Leistungen ein Cloud-Anbieter abdeckt und welche Aufgaben beim Kunden liegen. „Es gibt viel Verwirrung darüber, wer wofür zuständig ist“, sagt Berater Gebhardt. Eine Kostenfalle: Denn die Konfiguration von Servern sowie Back-ups und Monitoring sind bei standardisierten Cloud-Angeboten häufig nicht eingeschlossen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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