Deutsche Bank fällt aus Top 5 der globalen Investmentbanken

Coalition-Ranking: Deutsche Bank fällt aus Top 5 der globalen Investmentbanken

, aktualisiert 23. September 2016, 08:54 Uhr
Bild vergrößern

Vorstandschef John Cryan hat mit vielen Problemen zu kämpfen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Deutsche Bank gehört nicht mehr zu den fünf größten Investmentbanken der Welt. Nach einer Branchenauswertung verlor das Geldhaus vor allem im Rohstoff- und Devisenhandel. Die Bank selbst zeigte sich wenig überrascht.

Die Deutsche Bank zählt neuesten Erhebungen zufolge nicht mehr zu den Top 5 der weltgrößten Investmentbanken. Nach Daten des Branchendienstes Coalition vom Freitag rutschte das Institut im internationalen Ranking zum Ende des ersten Halbjahres 2016 auf Platz 6 ab, nach Platz 3 vor Jahresfrist.

Damit kommen in der für die Branche wichtigen Rangliste nun erstmals seit mindestens sechs Jahren alle Banken auf den Plätzen 1 bis 5 aus den USA. Branchenführer gemessen en den Einnahmen ist weiterhin JPMorgan, gefolgt von Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und Morgan Stanley. Hinter der Deutschen Bank folgen Barclays, Credit Suisse, UBS, HSBC, BNP Paribas und Societe Generale.

Anzeige

Die Daten beinhalten die Erträge der Bank aus Marktaktivitäten wie Aktien- und Anleihehandel, aber auch klassische Investmentbanking-Tätigkeiten wie das Beraten von Kunden und die Unterstützung bei Finanzierungsfragen.

Die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben wegen ihres Umbaus zuletzt bewusst auf Geschäft verzichtet, sodass das Abrutschen auf den sechsten Platz nicht überraschend kommt. Die aktuellen Daten zeigen, dass das Geldhaus am meisten im Währungs- und Rohstoffhandel sowie bei Anleihegeschäft verloren hat. Die Deutsche Bank sagte der „Financial Times“, dass das Rankingergebnis die Strategie des Geldhauses widerspiegele. Die Bank bleibe dennoch die größte Investmentbank außerhalb der USA. Credit Suisse, die andere große europäische Investmentbank ist vom siebten auf den achten Platz gefallen. Das schweizerische Geldhaus befindet sich ebenfalls in einem grundlegenden Umbau.

Das sagen Experten zur drohenden US-Strafe für die Deutsche Bank

  • Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts

    "Die Deutsche Bank wird diese Strafe nicht ohne Kapitalerhöhung bezahlen können. Das Eigenkapital von derzeit gut 60 Milliarden Euro sollte nicht weiter sinken. Das würde das Vertrauen in die Solidität weiter erschüttern. Die Gewinne der Bank sind derzeit so niedrig, dass sie kaum ausreichen werden, die Lücke zu füllen. Jetzt rächt sich, dass Bankenaufsicht und Bankenregulierer in den letzten Jahren nicht auf eine stärkere Erhöhung des Eigenkapitals der Deutschen Bank gedrängt haben."

  • Jan Duschek, Bankenexperte der Gewerkschaft Verdi

    "Jetzt kommt es mit Blick auf die Bank und die Beschäftigten darauf an, dass die Rechtsstreitigkeiten und damit verbundenen Unsicherheiten schnell gelöst werden. Wir erwarten, dass man einen angemessenen Kompromiss finden wird."

  • Einer der größten zehn Investoren der Deutschen Bank

    "Ich rechne damit, dass die Deutsche Bank am Ende vier bis 5,5 Milliarden Dollar bezahlen muss - das ist etwas mehr als bisher erwartet. Da wir im US-Wahlkampf sind, kann die Summe aber auch höher ausfallen - etwa sechs oder sieben Milliarden Dollar. Auch der Streit der EU mit Apple und Google kann durchaus dazu führen, dass die Summe höher ausfällt als vergleichbare Strafzahlungen von US-Banken.

    Alles über sieben Milliarden Dollar wäre für die Deutsche Bank sehr gefährdend. Die Deutsche Bank müsste sich dann Gedanken machen, ob sie im normalen Geschäft noch mehr Risiken abbauen kann. Wenn alle Stricke reißen, müsste die Deutschen Bank ihre Kronjuwelen verkaufen - die Vermögensverwaltung - oder eine Kapitalerhöhung in Angriff nehmen. Die Deutsche Bank muss die Probleme in jedem Fall aus eigener Kraft bewältigen. Ich bin ziemlich sicher, dass es keine Staatshilfen geben wird.

    Die deutsche Politik sollte sich nicht in die Verhandlungen über die Höhe der Strafe einmischen. Frankreich hat einst Öl ins Feuer gegossen, als es bei einer Milliarden-Strafe für BNP Paribas in den USA intervenierte. Das hat nichts gebracht, sondern die ganze Sache nur noch verschärft."

  • Ingo Frommen, LBBW

    "Wenn die Strafe am Ende fünf Milliarden Euro oder mehr beträgt, wird die Deutsche Bank nicht um eine Kapitalerhöhung herumkommen. Investoren wollen nicht, dass die Kapitalquote der Bank zu nah an den Mindestanforderungen der Regulierer liegt."

  • Christian Koch, DZ Bank

    "Wir erwarten, dass das mögliche Verhandlungsergebnis deutlich unterhalb des ersten Vergleichsvorschlags liegen wird. Eine Strafzahlung von rund 2,5 Milliarden Dollar würden wir als akzeptables Ergebnis einstufen. Eine Strafzahlung oberhalb der bestehenden Rückstellungen würde die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung unseres Erachtens erhöhen."

  • Markus Huber, Brokerhaus City of London

    "Das Justizministerium hat die Deutsche Bank dazu auserkoren, ihren Teil beim Stopfen des enormen US-Haushaltsdefizits beizutragen."

  • Neil Wilson, Brokerhaus ETX Capital

    "Angesichts der prekären Finanzlage einiger europäischer Banken, von denen die Deutsche eine des risikobehaftetsten und systemrelevantesten ist, ist dies verstörend und wirkt kurzsichtig und unnötig strafend." Selbst ein Drittel der angedrohten Strafe von 14 Milliarden Dollar wäre eine schwere Last für eine Firma mit einem Börsenwert von rund 18 Milliarden Euro. "Gigantische Forderungen unterminieren Banken, drohen einige der am meisten globalisierten, systemrelevanten Institute zu destabilisieren, just als ein Cocktail neuer Regulierungen und ultra-niedriger Zinsen die Ertragskraft zerstören. Es gibt Spekulationen um eine neue Ära der 'Auge-um-Auge'-Handelskriege. Die Deutsche Bank könnte der Prügelknabe für den Angriff der EU-Kommission auf Apple sein."

Nachdem in der vergangenen Woche bekannt geworden war, dass das US-Justizministerium eine zweistelligen Milliardenstrafe von der Deutschen Bank fordert, steht das Geldhaus noch weiter unter Beobachtung. Der Aktienkurs nährte sich zuletzt wieder dem Allzeittief an, auch die Sorgen aus der Politik werden größer. Finanzpolitiker der Sozialdemokraten sollen sich in einer internen Sitzung mit der Finanzlage der größten Bank des Landes beschäftigt haben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag.

Nach Angaben von Teilnehmern zeigten sich die SPD-Abgeordneten besorgt über die angedrohte Höhe der Strafe von 14 Milliarden Euro, da sich die Rückstellungen des Instituts für alle laufenden Rechtsstreitigkeit lediglich auf etwa 5,5 Milliarden Euro summieren. Zudem äußerten sie sich kritisch über die vorzeitige Veröffentlichung des angedrohten Strafmaßes.

Drohende US-Strafe Die Deutsche Bank hat sich verkalkuliert – mal wieder

Im Streit mit US-Behörden um verbriefte Immobilienkredite muss die Deutsche Bank vermutlich viel mehr zahlen als erwartet. Das ist ein neuer und besonders kräftiger Rückschlag für ihren Chef John Cryan.

John Cryan Quelle: dpa

Die Sorgen von Investoren um die Finanzausstattung der Bank haben längst auch Berlin erreicht. Bei dem Treffen der SPD-Arbeitsgruppe wurden staatliche Hilfen für den in Frankfurt ansässigen Finanzkonzern nicht diskutiert. Die SPD-Finanzpolitiker hoffen, dass ein Vergleich der Deutschen Bank mit dem US-Justizministerium zu einer geringeren Strafe führen wird. Berlin erwartet bei den Vergleichsverhandlungen ein “faires Ergebnis”, erklärte Friederike von Tiesenhausen, die Sprecherin des Bundesfinanzministeriums, am vergangenen Freitag.

Die Deutsche Bank hatte vor einer Woche bestätigt, dass das US-Justizministerium in den Verhandlungen über einen Vergleich im Hypothekenstreit eine Strafzahlung von 14 Milliarden Dollar einfordert. Dabei werden dem Institut unzulässige Geschäftspraktiken auf dem Immobilienmarkt vorgeworfen. Die Deutsche Bank erwartet nach eigenen Angaben ein Verhandlungsergebnis, das im Bereich ihrer Wettbewerber liegt, die sich mit dem US-Justizministerium bereits auf deutlich niedrigere Beträge geeinigt haben.

Herber Gewinneinbruch Die Deutsche Bank hat ein Strategieproblem

Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan hält am Investmentbanking fest und denkt offenbar noch über eine Verschärfung des Sparkurses nach. Der Erfolg dieses Kurses ist allerdings zweifelhaft. 

John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Quelle: dpa
Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%