Comdirect-Chef Arno Walter: „Die Weltgeschichte wird uns in Atem halten“

Comdirect-Chef Arno Walter: „Die Weltgeschichte wird uns in Atem halten“

, aktualisiert 31. Januar 2017, 19:21 Uhr
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Arno Walter, Vorstandschef der Comdirect: „Die Weltgeschichte wird uns weiter in Atem halten.

von Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Der Comdirect-Chef erklärt, wieso das Geschäft bei der Direktbank brummt, Aktionäre aber trotzdem mit weniger Dividende rechnen müssen – und warum er an den Siegeszug der Roboter-Finanzberater glaubt.

Seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr stellt Comdirect-Chef Arno Walter in Sichtweite des Commerzbank-Turms vor. Während die Muttergesellschaft mitten im Umbau steckt, laufen die Geschäfte bei der Direktbank-Tochter Comdirect ordentlich.

Herr Walter, die Comdirect konnte ihren Gewinn nach Steuern im vergangenen Jahr auf rund 93 Millionen Euro steigern. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Definitiv! In dem für Banken schwierigen Umfeld haben wir ein ordentliches Ergebnis geschafft, sind weiter gewachsen und konnten schon im ersten Jahr unserer neuen Strategie erste Erfolge sehen. Damit bin ich sehr glücklich.

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Trotzdem haben die niedrigen Zinsen auch der Comdirect zugesetzt: Der Zinsüberschuss ging zurück. Und mit Provisionen bei Wertpapiergeschäften haben Sie auch weniger Geld verdient.
Dass das schwierige Zinsumfeld auch uns treffen würde, hatten wir erwartet. Der Zinsüberschuss dürfte auch 2017 nicht wachsen. Dass der Provisionsüberschuss zurückging, beschäftigt mich da schon mehr. Die Kunden entscheiden selbst, wie viel sie bei uns handeln, und das hängt natürlich auch mit der Volatilität am Markt zusammen. Aber klar beschäftigen wir uns intensiv damit, wie wir noch mehr Kunden dazugewinnen und ihnen den Handel erleichtern können. An den Provisionsüberschüssen müssen wir arbeiten.

Bedeutet dass, dass sich Comdirect-Kunden auf höhere Gebühren einstellen müssen?
Im Moment wachsen wir profitabel, aber natürlich muss ich mir die Frage stellen: Was von dem, was ich heute kostenlos anbiete, kann auch morgen noch kostenlos bleiben?

Heißt das, dass das Girokonto bei Ihnen bald Geld kostet?
Nein, wir halten an der kostenlosen Kontoführung fest. Aber die ein- oder andere Zusatzleistung muss man sich anschauen. Ich denke da immer an die Automobilindustrie: Mit jedem Modellwechsel wird die Liste der kostenpflichtigen Extras länger. Auch wir bieten dem Kunden schrittweise immer mehr an, etwa eine Multibanking-Funktion oder eine Smartpay-App. Wir sollten uns überlegen, ob sich damit nicht auch Geld verdienen lässt.


„Innovationen brauchen in Deutschland ein bisschen länger”

Wo wir gerade von Zusatzleistungen reden: Sie wollen noch im ersten Halbjahr einen Robo-Advisor anbieten, also einen digitalen Vermögensverwalter. Hand aufs Herz: Ist das Thema nicht schon wieder durch?
Im Gegenteil. Bei solchen Innovationen brauchen wir in Deutschland einfach ein bisschen länger. Ich glaube, dass sich die digitale Vermögensverwaltung am Ende durchsetzen wird. Das ist wie mit den Direktbanken. Da sagten die Leute damals auch: Das kann nicht funktionieren, wer macht schon seine Bankgeschäfte per Telefon oder gar per Fax? Zweiundzwanzig Jahre später sind wir von der Comdirect immer noch da.

Die Comdirect hat den Onlinebroker Onvista erworben. Was kostet Sie das?
Darüber haben wir mit dem Verkäufer Stillschweigen vereinbart. Aber der Preis ist adäquat für beide Seiten. Wir wollen mit Onvista unser Wachstum im Brokergeschäft beschleunigen und Onvista.de, eines der führenden Finanzportale in Deutschland, weiter stärken .

Haben Sie die Dividende deshalb gekürzt? Statt 40 Cent wollen Sie nur 25 Cent je Aktie an die Aktionäre ausschütten.
Die Onvista-Transaktion alleine war nicht ausschlaggebend. Wir wollen uns grundsätlich für weiteres organisches Wachstum in der Zukunft aufstellen und handlungsfähig bleiben, wenn sich etwa Gelegenheit für weitere Zukäufe bietet. Zugleich erwartet die Aufsicht von uns eine vernünftige Kapitalausstattung.

Das neue Jahr begann ziemlich turbulent. US-Präsident Donald Trump sorgt fast täglich für Schlagzeilen, Großbritannien will den Brexit beantragen, in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland wird 2017 gewählt. Freut Sie der Trubel als Onlinebroker, weil dann mehr gehandelt wird?
Früher dachte man, wenn viel los ist, würde auch automatisch viel gehandelt. Im vergangenen Sommer haben wir festgestellt, dass es dieses Mal so nicht gestimmt hat. So haben nach dem Brexit-Referendum die Kunden so stark gehandelt wie selten zuvor. Das war der tradingstärkste Tag 2016. Danach lief der Markt seitwärts, die Trader hielten sich zurück. Beim Türkei-Putsch-Versuch hingegen  blieb die große Reaktion der Märkte aus, dabei hatten wir uns schon auf einen Ansturm eingestellt.

Und wie wird es dieses Jahr?
Die Weltgeschichte wird uns weiter in Atem halten. Aber das darf kein Grund sein, gar nicht in Wertpapiere zu investieren. Langfristig machen nur diejenigen Verluste, die nicht in Wertpapiere investiert haben.

Herr Walter, vielen Dank für das Interview.

Quelle:  Handelsblatt Online
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