Comdirect-Chef Arno Walter: „Vielen Kunden können wir leider nur noch Nullzinsen anbieten“

Comdirect-Chef Arno Walter: „Vielen Kunden können wir leider nur noch Nullzinsen anbieten“

, aktualisiert 02. November 2016, 17:49 Uhr
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Die Geschäfte der Commerzbank-Tochter laufen schlechter als im Vorjahr. Schuld sind die niedrigen Zinsen.

von Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Der Commerzbank-Tochter Comdirect machen die niedrigen Zinsen zu schaffen. Bankchef Arno Walter erklärt, wo die Direktbank trotzdem wachsen will – und warum sie ihrer Mutter dabei keine Konkurrenz macht.

FrankfurtArno Walter hat in die 22. Etage eines Frankfurter Hochhauses geladen, um die Quartalszahlen der Comdirect vorzustellen. Banking ist für den Chef der Commerzbank-Direktbanktochter eine  Herzensangelegenheit – deshalb hat er nicht nur ein Konto im eigenen Haus, sondern auch welche bei der Konkurrenz. „Meine Schufa-Auskunft würde ausgedruckt wahrscheinlich bis auf den Boden reichen“, sagt der Comdirect-Chef im Gespräch mit Journalisten. Walter will wissen, was die Konkurrenz so treibt.

In seinem eigenen Haus liefen die Geschäfte zuletzt schlechter als im Vorjahr: Die niedrigen Zinsen und die Flaute an den Aktienmärkten haben die Onlinebank belastet. Der Überschuss ging um 30 Prozent zurück. Im Interview erklärt der Bankchef, woran das liegt – und wieso die Comdirect ihrem Mutterhaus keine Konkurrenz macht.

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Herr Walter, die Comdirect hat im dritten Quartal deutlich weniger verdient als im Vorjahr. Woran liegt das?
Das erklärt sich durch die schwierigen Rahmenbedingungen. Gerade beim Zinsüberschuss haben wir eine weitere Verschlechterung gesehen. Mittlerweile leihen sich Banken gegenseitig zu minus 0,3 Prozent Zinsen. Außerdem lief unser Wertpapiergeschäft im letzten Jahr außerordentlich gut, 2015 war ein Rekord-Trading-Jahr. Das werden wir diesmal nicht wiederholen können. Aber wenn Sie die Ergebnisse über einen längeren Zeitraum betrachten, sind wir dieses Jahr gut unterwegs.

Werden Sie diese negativen Zinsen an die Kunden der Comdirect weitergeben?
Das haben wir nicht vor. Vielen Kunden können wir leider nur noch Nullzinsen anbieten. Deshalb sprechen wir mit unseren Kunden intensiv über mögliche Alternativen, die Rendite versprechen, etwa bei der Wertpapieranlage. Aber aktuell werden wir an unserem kostenlosen Konto festhalten.

Ihr Mutterkonzern, die Commerzbank, hat unlängst eine neue Strategie vorgestellt. Commerzbank-Chef Martin Zielke will die Bank digitaler und innovativer machen – macht er damit nicht auch der Comdirect Konkurrenz?
Ich glaube, unsere Rolle ist und bleibt klar: Bei der Digitalisierung und dem Wertpapiergeschäft mischen wir mit der Comdirect ganz vorne mit. Das gilt auch für Themen wie der digitalen Vermögensverwaltung, bei denen wir mit den Commerzbank-Kollegen in engem Austausch stehen. Unsere Kunden haben sich klar für eine Direktbank entschieden, wir machen uns also keine Konkurrenz.

Herr Zielke will das Privatkundengeschäft massiv ausbauen. Bis 2020 sollen zwei Millionen neuer Kunden zur Commerzbank kommen. Wie viele davon können Sie beisteuern?
Das müssen wir in den kommenden Wochen klären, die Strategie ist ja noch neu. Wir wollen als Comdirect auch weiter unseren Beitrag dazu leisten, so wie wir das in der Vergangenheit auch getan haben.

Das heißt, Herr Zielke hat ein Wachstumsziel für den Konzern ausgerufen, das er noch gar nicht mit Ihnen besprochen hat?
Die Planungsgespräche laufen noch. Aber klar ist, Comdirect  ist ja selbst eine Wachstumsfirma.

Die Comdirect mischt auch im Geschäft mit spekulativen Differenzkontrakten, sogenannten CFDs mit. Einige Anleger haben damit viel Geld verloren, etwa beim plötzlichen Sturz des Schweizer Frankens. Die Finanzaufsicht Bafin will diese Produkte deshalb stärker regulieren. Wie sehen Sie das?

Dass die Bafin sich solche und andere Produkte ansieht und den Markt prüft, ist doch genau ihre Rolle. Die große Frage lautet: Wird es dort zu Einschränkungen kommen? Das schauen wir uns intensiv an. Bei der Comdirect haben wir das CFD-Geschäft aber stets mit der höchstmöglichen Aufklärung betrieben um sicherzustellen, dass das nur die Kunden machen, zu denen es auch passt. Deswegen fühle ich mich da gut aufgestellt, falls es zu Änderungen kommt.

Herr Walter, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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