Commerzbank: Absturz mit Ansage

Commerzbank: Absturz mit Ansage

, aktualisiert 03. Mai 2016, 13:49 Uhr
Bild vergrößern

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die Quartalszahlen der Commerzbank sind enttäuschend schwach ausgefallen, das gilt vor allem für ihren einstigen Gewinnmotor, die Mittelstandsbank. Doch eigentlich hätten die Investoren gewarnt sein müssen. Eine Analyse.

FrankfurtFür den neuen Commerzbank-Chef Martin Zielke hätte der Start ins neue Amt leichter ausfallen können: An seinem zweiten Tag in der neuen Position musste er seinen Finanzchef gleich schlechte Botschaften verkünden lassen: Denn der Jahresstart der Commerzbank ist alles andere als glänzend verlaufen. Der Gewinn hat sich in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. Die Aktie ging daraufhin auf Tauchstation und verlor zeitweise mehr als acht Prozent an Wert. Von den wenigen Lichtblicken wie der stabilen Kapitaldecke oder dem Umstand, dass die Bank wieder Geld für eine Dividende zurücklegte, ließen sich die wenigsten Anleger trösten.
Eigentlich hätten die Anleger gewarnt sein müssen. Schließlich hatte der scheidende Commerzbank-Chef Martin Blessing auf der Hauptversammlung relativ unverblümt angedeutet, dass sich der Quartalsgewinn halbieren würde.

Doch die Zusammensetzung des Gewinneinbruchs fiel dann wohl doch überraschend aus. Vor allem die Mittelstandsbank, einst stolzes Flaggschiff des Commerzbank-Konzerns, findet kein Mittel gegen die Folgen der niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank. Der operative Gewinn brach um 40 Prozent ein - und auch die Kosten sind in der Sparte stärker gestiegen, als irgendwo sonst. Getoppt wurde das nur noch vom Kapitalmarktgeschäft, das zwei Drittel weniger als im Vorjahr verdiente.

Anzeige


Reform des Mittelstandsgeschäfts

Im ersten Quartal verdiente die Mittelstandssparte der Commerzbank mit 209 Millionen Euro kaum noch mehr als die Privatkundensparte mit 191 Millionen Euro, die einst das Sorgenkind der Bank war. Dabei profitiert das Mittelstandsgeschäft nach wie vor davon, dass so wenig Unternehmen pleite gehen. Das sind keine guten Vorboten für die Zukunft.
Eine Lösung für die schwächelnde Mittelstandsbank dürfte auf der Prioritätenliste von Zielke daher ziemlich weit oben stehen. Viele Analysten hoffen, dass Zielke bei der Gesamtbank das gelingt, was ihm bereits als Privatkundenvorstand glückte: eine erfolgreiche Restrukturierung.

Doch das wird mühsam. Auch Zielke kann nicht über Wasser laufen: Er hat das Privatkundengeschäft zwar erfolgreich restrukturiert, doch auch Zielkes altes Ressort hat sich dem negativen Trend nicht wirklich entziehen können. Zwar steigerte die Sparte im ersten Quartal ihren Gewinn, doch das verdankte sie in erster Linie einem Sondereffekt durch außerordentliche Dividendeneinnahmen.

Eine Reform des Mittelstandsgeschäfts wird ungleich schwerer: Anders als im Privatkundengeschäft gibt es kein Boom-Produkt wie private Immobilienkredite. Und die Einlagen von Unternehmenskunden kann die Bank anders als die Ersparnisse von Privatkunden nicht nutzen, um langfristige Kredite zu vergeben.

Kein Wunder, dass die Bank auch am Dienstag noch einmal bekräftigte, dass ein Milliardengewinn, wie sie ihn im Vorjahr erzielt hatte, kaum noch realistisch ist. Zielke will noch in diesem Jahr neue Finanzziele für die Bank nennen, das hat der Finanzchef Stephan Engels heute angedeutet. Man darf annehmen, dass diese Ziele noch einmal bescheidener ausfallen werden, als das, was sich die Bank vor vier Jahren einmal vorgenommen hat.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%