Commerzbank: Die Spekulanten sind wieder da

Commerzbank: Die Spekulanten sind wieder da

, aktualisiert 06. Oktober 2016, 12:44 Uhr
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Spekulanten setzen darauf, dass der Aktienkurs der Bank fällt.

von Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Zum ersten Mal seit drei Jahren setzt ein Hedgefonds wieder auf einen Kursverfall der Commerzbank-Aktie. Der Angreifer ist ein alter Bekannter. Wird seine Wette aufgehen?

FrankfurtFür die Commerzbank-Aktie ging es in diesem Jahr vor allem in eine Richtung: bergab. Seit Jahresauftakt haben die Papiere um rund 39 Prozent nachgegeben. Und dabei dürfte es nicht bleiben, wenn es nach dem britischen Hedgefonds Marshall Wace geht. Er wettet darauf, dass der Commerzbank-Kurs weiter fällt – und hat dazu sogenannte Short-Positionen auf 0,63 Prozent der Aktien des Instituts aufgebaut. Das geht aus dem Bundesanzeiger hervor. Die Bank wollte den Vorgang nicht kommentieren.

Durch Leerverkäufe von Aktien profitieren Hedgefonds wie Marshall Wace von der schwachen Kursentwicklung bei einzelnen Titeln. In den vergangenen Wochen hatten Marshall Wace und weitere Hedgefonds auf diese Weise auch die Deutsche Bank attackiert. Auch der britische Star-Investor George Soros zählte zumindest zeitweise zu den Angreifern. Deutsche-Bank-Chef John Cryan hatte Spekulanten für den rasanten Absturz des Börsenkurses in den vergangenen Wochen und Monaten verantwortlich gemacht. Ziel der Attacken sei es, das Vertrauen in das Institut zu schwächen.

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Das rief Sigmar Gabriel auf den Plan: „Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wütend sein soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt“, sagte der SPD-Chef und Vizekanzler am Sonntag.

Tatsächlich gehört die Deutsche Bank zu den großen Spielern im Geschäft mit den Hedgefonds. Analystenschätzen, dass die Bank in ihrem sogenannten „Prime Brokerage“-Bereich rund 33 Milliarden Euro an Hedgefonds-Vermögen betreut. Die Bankstellt den Fonds Liquidität zur Verfügung, wickelt ihre Geschäfte ab – und hilft ihnen auch dabei, auf Kursverluste anderer Unternehmen zu wetten.


Umbau kostet die Commerzbank viel Geld

Nun attackiert Marshall Wace auch die Commerzbank, die gerade in einem großen Umbauprozess steckt. Vorstandschef Martin Zielke will das Institut verkleinern und profitabler machen. So hat die Bank angekündigt, bis 2020 rund 9.600 Jobs abzubauen, aus der verlustreichen Schiffsfinanzierung auszusteigen und den Rest an gewerblichen Immobilienkrediten abzuwickeln.

Bevor die Umstrukturierung aber Früchte tragen kann, kostet sie erst einmal Geld: Arbeitsplätze können erst wegfallen, wenn die zur Prozessautomatisierung erforderlichen IT-Systeme stehen. Auch der Ausstieg aus der Schiffsfinanzierung, der 2020 abgeschlossen sein soll, wird der Commerzbank bis dahin schätzungsweise eine Milliarde Euro Verlust bringen. Allein für 2016 allein rechnet Finanzvorstand Stephan Engels in der Sparte mit einem Minus von 400 Millionen Euro.

Commerzbank-Aktionäre können deshalb wohl frühestens im Jahr 2019 mit einer Dividende rechnen. „Für die Jahre 2017 und 2018, in denen wir den größten Teil des Umbauprozesses erwarten, sehe ich zurzeit keine Dividendenzahlung“, sagte Vorstandschef Martin Zielke am vergangenen Dienstag vor Analysten in London. Nach der Bekanntgabe von Zielkes Strategie gab der Aktienkurs kräftig nach – auch deshalb, weil die Aussicht auf eine Dividende wegfiel. 2018 fallen Restrukturierungskosten von rund 1,1 Milliarden Euro an, die der Umbau der Bank verursacht.

Schon in der Finanzkrise hatten Hedgefonds versucht, die Aktienkurse großer Banken zudrücken. Damals untersagten die USA und Großbritannien sogar Wetten auf Kursverluste von Finanzwerten. Ein ähnliches Verbot verhängte damals auch die Finanzaufsicht Bafin. Überlegungen, das Verbot wiederzubeleben, soll es diesmal aber nicht geben, heißt es in Finanzkreisen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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