Commerzbank – ein Kommentar: Alarmstufe Gelb

Commerzbank – ein Kommentar: Alarmstufe Gelb

, aktualisiert 02. August 2017, 10:00 Uhr
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Das Schild einer Commerzbank-Filiale vor der Zentrale der Bank: Operativ läuft es bei Deutschlands drittgrößtem Geldhaus mehr schlecht als recht.

von Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Dass der Stellenabbau der Commerzbank ein negatives Ergebnis bescheren würde, war erwartet worden. Ein anderes Problem wiegt schwerer: Die Bank verdient schlicht zu wenig Geld. Und die Erklärung dafür überzeugt nicht.

Das tut weh: Im ersten Halbjahr machte die Commerzbank einen Verlust von 406 Millionen Euro. Dass Deutschlands zweitgrößte Privatbank in die roten Zahlen rutschen würde, hat niemanden überrascht. Schließlich trennt sie sich von tausenden Mitarbeitern – und das kostet nun mal jede Menge Geld. Doch ein Blick unter die Haube zeigt: Auch operativ läuft es mehr schlecht als recht. Die Bank verdient schlicht zu wenig. Das sollte ihren Aktionären zu denken geben: Alarmstufe Gelb.

Zwar kann Commerzbank-Chef Martin Zielke durchaus Erfolge vorweisen. So kommt die Bank mit ihrem Stellenabbau schneller voran als geplant. Zugleich konnte die Bank ihre harte Kernkapitalquote – eine Messlatte für die finanzielle Stärke – auf 13 Prozent steigern. Aber beim laufenden Geschäft verdienten die Gelben weniger. Mit 515 Millionen Euro lag das operative Ergebnis ganze 18,6 Prozent niedriger als im Vorjahr. Die Bank erklärt das vor allem mit „verhaltenen Märkten“. Aber der Blick in die Segmente zeigt, dass das nur ein Teil der Erklärung ist.

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So konnte die Privatkundensparte, die als großer Hoffnungsträger beim Konzernumbau gilt, zwar ihre Kundenzahl kräftig steigern. Dennoch sanken die Erträge. Unterm Strich stand hier im ersten Halbjahr ein operatives Ergebnis von 336 Millionen Euro. Das sind satte 41 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum. Die Bank erklärt das mit Investitionen in künftiges Wachstum, die sich im Schnitt erst nach 18 Monaten bezahlt machen sollen – ein Wechsel auf die Zukunft. Was aber, wenn die neuen Kunden das Begrüßungsgeld abgreifen, aber doch kein Geschäft mit der Bank machen?

Aber auch im Firmenkundengeschäft lief das Geschäft mau. Mit rund einer halben Milliarde Euro lag das operative Ergebnis im ersten Halbjahr 16,3 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Das liegt aber nicht nur an der Flaute an den Kapitalmärkten – sondern auch am Umbau. Dass die Bank etwa das Geschäft mit Finanzinstituten zurückfährt, nagt an den Erträgen.

Auch wenn die Bank mit ihrem Stellenabbau vorankommt, ist sie noch längst nicht am Ziel. Am Mittwoch bat Finanzchef Stephan Engels die Investoren einmal mehr um Geduld. Aber so lange wollen manche Aktionäre nicht warten: Die Aktie führte die Verliererliste im Dax an.
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Quelle:  Handelsblatt Online
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