Commerzbank-Pläne: Abschied von ETFs und Zertifikaten

Commerzbank-Pläne: Abschied von ETFs und Zertifikaten

, aktualisiert 06. Oktober 2016, 13:00 Uhr
von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Der ehemalige Marktführer im Handel mit Zertifikaten kündigt drastische Kürzungspläne an, die auch das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds betreffen. Beide Geschäftsbereiche haben völlig unterschiedliche Probleme.

FrankfurtDie Commerzbank streicht ihr Investmentbanking zusammen: Opfer sind das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) und Zertifikaten. Das erklärte Vorstandschef Martin Zielke in London auf einer Investorenkonferenz. Dafür soll erst eine rechtlich eigenständige Einheit gebildet werden, die dann „mittelfristig“ verkauft oder auch an die Börse gebracht werden soll. Wann genau das passieren soll, sagte Zielke laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung nicht. „Wir werden dafür einen besseren Eigentümer finden“, sagte er. Das sei eher keine Bank.

Die Änderungen dürften die Bank deren Berechnungen zufolge in den kommenden vier Jahren zwar 400 Millionen Euro Ertrag kosten, zugleich aber 500 Millionen Euro Nettokapital freisetzen, das bisher in der Investmentbank gebunden sein. Die Bilanzrisiken würden sich um sechs Milliarden Euro reduzieren, wegen der verschärften Regulierung würden diese Risiken in den nächsten Jahren auf acht Milliarden Euro steigen.

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Das Geschäft mit ETFs und Zertifikaten entwickelt sich unterschiedlich: Der Handel mit Indexfonds wächst, immer mehr private Anleger und auch institutionelle Anleger entscheiden sich für die einfachen und sehr günstigen Produkte. Größe spielt in dem Markt eine entscheidende Rolle, die die Commerzbank mit ihrer Tochter Comstage als Nummer vier der Branche aber noch nicht erreicht hat. Den Markt dominieren Blackrock, die mit ihrem Anbieter iShares knapp die Hälfte des Marktes ausmacht. Die Deutsche Bank ist mit db-xtrackers zuletzt stark gewachsen und steht auf Platz zwei.

Der Markt ist hart umkämpft, die laufenden Jahresgebühren für Indexfonds bewegen sich tendenziell nach unten. Das liegt an den erwarteten sinkenden Wertpapiererträgen, den kräftig gefallenen Anleiherenditen und am wachsenden Kostendruck bei den Großinvestoren. Ihnen gelingt es teilweise erfolgreich, die Fondsanbieter bei den geforderten Gebühren unter Druck zu setzen.

Denn auch wenn die Produkte bei Privatanlegern an Beliebtheit gewinnen: Der Markt wird von Investments der Versicherungen und Pensionskassen dominiert. Für die Vermögensverwalter fallen kaum Kosten für Fondsmanager und Analysen an. Sie folgen im Depot blind der Struktur einer vorgegebenen Messlatte wie dem Dax. Der Aufwand ist recht gering. Deshalb sind auch die Gebühren für die Anleger niedrig.


Zertifikatemarkt vor Einschnitten

Ein scharfer Preiswettbewerb hat bereits eingesetzt. Marktführer Blackrock beispielsweise senkte vor zwei Jahren seine Gebühren für Produkte auf populäre Indexfonds noch einmal deutlich. Laut einer Studie der Fondsexperten von S&P Dow Jones Indices dürften die Gebühren für Fonds weiter sinken. Bei den Indexprodukten könnten einige Anbieter sie sogar auf null drücken. Mit einem solchen Preismodell könnte um Marktanteile gekämpft werden, die Marktmacht würde eine noch größere Rolle spielen.

Ganz anders die Situation bei den Zertifikaten. Der Markt wächst nicht mehr. Im Gegenteil: Lag das Volumen Ende 2007 noch bei 139 Milliarden Euro, hat es sich mit derzeit 67,9 Milliarden Euro mehr als halbiert. Die Commerzbank hat ihre Führungsrolle, die sie im Jahr 2013 mit einem Marktanteil von mehr als 15 Prozent von der Deutschen Bank übernommen hat, mittlerweile wieder abgegeben. Die Bank mit dem gelben Logo liegt beim ausstehenden Volumen von gut vier Milliarden und einem Marktanteil von 7,26 Prozent nur noch auf Rang sieben. Marktführer ist mittlerweile die DZ Bank.

Und der Zertifikatemarkt steht aufgrund von Regulierungen vor weiteren Einschnitten - etwa durch ein mögliches Verbot von Bonitätsanleihen. Denn erstmals machte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) von ihrem neuen Recht Gebrauch, ein Verfahren einzuleiten, um bestimmte Anlageprodukte zu verbieten. Dadurch sollen Anleger geschützt werden.

Bei Bonitätsanleihen handelt es sich nicht um klassische Anleihen, sondern um Zertifikate, mit denen Anleger auf die Bonität von Firmen spekulieren. Kreditrisiken von Unternehmen entscheiden also über Verzinsung und Rückzahlung. Möglicherweise – so die Befürchtung der Branche – nimmt die Bafin weitere Produktgruppen ins Visier.

Was aber sowohl die ETF- als auch die Zertifikatebranche gemeinsam haben: Übernahmen sind üblich und haben keine große Auswirkungen auf die am Markt gehandelten Produkte. Blackrock stieg mit dem Kauf von iShares bei den börsengehandelten Indexfonds zum Marktführer auf. Und BNP Paribas übernahm zuletzt das Zertifikategeschäft der Royal Bank of Scotland.

Quelle:  Handelsblatt Online
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