Crash nach Brexit-Referendum?: Soros warnt vor „Schwarzem Freitag“ am Devisenmarkt

Crash nach Brexit-Referendum?: Soros warnt vor „Schwarzem Freitag“ am Devisenmarkt

, aktualisiert 21. Juni 2016, 12:45 Uhr
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Der milliardenschwere Investor warnt vor Verwerfungen an den Märkten.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Spannung vor dem Brexit-Votum steigt. Investor George Soros, der selber einmal das Pfund in die Knie zwang, warnt vor einem Crash am Devisenmarkt. Er malt ebenso schwarz wie ein bekannter US-Ökonom.

LondonJe näher das Brexit-Votum rückt, desto lauter werden die Stimmen prominenter Geldmanager. Zuletzt warnte Paul Achleitner, Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank, vor einem ökonomischen Desaster für Großbritannien. Die Briten entscheiden am Donnerstag in einem Referendum, ob sie in der EU bleiben oder austreten wollen. Laut Umfragen ist der Ausgang offen, ein Kopf-an-Kopf-Rennen wahrscheinlich.

Jetzt meldet sich der prominente US-Investor George Soros zu Wort. Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union würde einen massiven Sturz des britischen Pfunds auslösen. Ein „Schwarzer Freitag“ - ein Kurssturz an den Börsen - wäre die Folge, schrieb er in einem Gastbeitrag für die Londoner Zeitung „The Guardian“. „Zu viele glauben, dass ein Votum zum EU-Austritt keine Folgen auf ihre persönliche Finanzlage haben wird. Das ist Wunschdenken.“

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Viele Briten würden „die wahren Kosten“ eines Brexits schwer unterschätzen, betont Soros. Ein EU-Austritt hätte auch „sofortige und dramatische Auswirkungen auf Finanzmärkte, Investitionen, auf Preise und Jobs“.

Der milliardenschwere Investor Soros malt schwarz. Das Pfund könnte im Falle eines Brexit mehr als 20 Prozent fallen. Die Verwerfungen an den Märkten würden größer und zerstörerischer ausfallen, als am „Schwarzen Mittwoch“, dem 16. September 1992. An diesem Tag wettete Soros im großen Stil gegen das britische Pfund, das daraufhin um gut 15 Prozent einbrach.

Die britische Notenbank reagierte damals mit einer deutlichen Zinssenkung. das sei laut Soros diesmal nicht mehr möglich. Der Leitzins in Großbritannien liegt derzeit bei 0,5 Prozent. Und auch US-Ökonom Nouriel Roubini warnt via Twitter: „Das Vereinigte Königreich hat derzeit ein riesiges doppeltes Währungskonto und ein finanzielles Defizit - es riskiert einen scharfen Einbruch der Währung und einen plötzlichen Rückzug des Kapitals“.

Abseits solcher mahnender Worte ist das Pfund derzeit gefragt. Am Devisenmarkt spekulierten Investoren nach zuletzt positiven Umfrage- und Buchmacher-Voraussagen auf ein "Ja" der Briten zur Europäischen Union. Das Pfund setzte seinen Höhenflug fort und markierte zeitweise mit 1,4748 Dollar den höchsten Stand seit sieben Wochen. Der Euro gewann 0,2 Prozent auf 1,1337 US-Dollar.

Experten warnten aber vor zu viel Optimismus. „Die Weichen stehen im Moment für einen Verbleib in der EU, aber es ist noch zu früh, um sich zu positionieren“, sagte Währungsexperte Manuel Oliveri von der französischen Bank Credit Agricole. Commerzbank-Analystin Esther Maria Reichelt betonte, sie halte eine Fortsetzung der Pfund-Rally angesichts einer nach wie vor hohen Unsicherheit für nicht angemessen.


Quelle:  Handelsblatt Online
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