Credit Suisse: Aktionäre ebnen Weg für eine erneute Kapitalerhöhung

Credit Suisse: Aktionäre ebnen Weg für eine erneute Kapitalerhöhung

, aktualisiert 18. Mai 2017, 13:31 Uhr
von Ozan DemircanQuelle:Handelsblatt Online

Die Credit Suisse ist mit ihren Sparprogramm auf Kurs. Über eine Kapitalerhöhung darf die Bank nun vier Milliarden Franken an frischem Kapital aufnehmen. Doch die Schweizer wollten eigentlich anders an neues Geld kommen.

ZürichÜber ein Jahr lang hielt sich das Mantra, das Urs Rohner und Tidjane Thiam auf nahezu jeder Konferenz wiederholten. Der Verwaltungsratspräsident sowie der Vorstandschef der Schweizer Großbank Credit Suisse gaben bei jeder Gelegenheit klar zu erkennen, dass das heimische Schweizer Geschäft des Konzerns, die sogenannte Universalbank, vom Rest des Konzerns abgetrennt und an die Börse gebracht werden solle.

So wollte die Bank über die neuen Aktionäre der Universalbank an frisches Kapital kommen, um den Umbau der Großbank voranzutreiben. Die Schweizer Universalbank sei „in jedem Fall ein sehr attraktives Asset, in das zu investieren es sich lohnt“, versprach Rohner in einem Zeitungsinterview vom vergangenen Sommer.

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Am Donnerstag war davon nichts mehr zu hören. Rohner stand auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Rednerpult und bat seine alten Aktionäre darum, einer vier Milliarden Franken großen Kapitalerhöhung zuzustimmen. Dadurch wird das Eigenkapital erhöht. Börsennotierte Unternehmen nutzen dieses Vehikel vor allem, um anschließend größere Investitionen zu tätigen und dabei ihre Kapitalbasis zu erhalten. Bei Credit Suisse ist dies besonders wichtig, weil sie als besonders große Bank genügend Sicherungsmechanismen für den Krisenfall benötigt.

99,35 Prozent der Eigner sprachen sich bei der Abstimmung in Zürich für die Stärkung der Bilanz aus. Bei der vorherigen Aussprache kam unter Aktionären jedoch Kritik auf. „Ich bin wieder skeptisch, ob die Kapitalerhöhung nicht zur Subvention der Boni benutzt wird“, bemerkte ein Kleinaktionär am Rednerpult. Die Führungsspitze der Bank hatte sich zuletzt ein 25 Prozent höheres Entschädigungspaket sichern wollen, obwohl die Bank binnen zwei Jahren 5,7 Milliarden Franken Reinverlust eingefahren hatte. Davon sollten 52,5 Millionen Franken als kurz- und langfristige Boni ausgeschüttet werden.

Das Management um CEO Thiam leiste hervorragende Arbeit und könne für die teuren Lasten der Vergangenheit nicht zur Verantwortung gezogen werden, hatte es damals geheißen. Erst auf Druck der Aktionäre, der CS-Führung die Entlastung zu verweigern, gab Präsident Rohner bekannt, „freiwillig“ auf 40 Prozent ihrer variablen Boni zu verzichten. Die Neue Zürcher Zeitung sprach anschließend von einer „maßlosen Boni-Kultur“.

Die Bank befindet sich nach mehreren Rechtsstreitigkeiten und im Hinblick auf strengere Anforderungen der Regulierungsbehörden vor großen Herausforderungen. Das Geldhaus muss krisenfester werden, dafür braucht es mehr Geld. Vor rund eineinhalb Jahren hatte der frühere Versicherungsmanager Thiam den Kapitalmarkt daher bereits einmal angezapft und dabei sechs Milliarden Franken eingesammelt.

Im Juli vergangenen Jahres wandte sich Thiam persönlich mit folgenden Worten an Kunden und Investoren: „Die Bank hat kein Problem mit ihrem Eigenkapital.“ Die Wahrheit lautet allerdings: Die Bank hat ein Problem mit der Kernkapitalquote, einem Stärkemaß für die Robustheit einer Großbank im Krisenfall. Der Wert ist nicht so hoch wie bei der Konkurrenz, was erklärt, dass die Bank innerhalb von weniger als zwei Jahren zwei Mal um eine Kapitalerhöhung bittet. Die erneute Erhöhung, an der 27 Banken beteiligt sind, soll vom 23. Mai bis zum 7. Juni über die Bühne gehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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