Credit Suisse: Was wusste Tidjane Thiam?

Credit Suisse: Was wusste Tidjane Thiam?

, aktualisiert 05. April 2016, 11:10 Uhr
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Ließ er sich zu spät über Verluste informieren?

Quelle:Handelsblatt Online

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam wurde erst im Januar über drastische Verluste im Handelsgeschäft seiner Bank informiert. Jetzt muss sich der Konzernchef Kritik an den Risikokontrollen gefallen lassen.

ZürichFür den Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam läuft es derzeit alles andere als gut. Seit seinem Amtsantritt im Juli 2015 hat die Bank an der Börse fast die Hälfte an Wert verloren - seit Jahresbeginn hat sich die Aktie so schlecht entwickelt wie keine andere große europäischen Bank.

Jetzt kommen auf Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam weitere Probleme zu. Der Chef muss sich Kritik an den Risikokontrollen bei seiner Bank gefallen lassen. Firmeninsider, aber auch Anleger und Analysten fragen sich, wie es möglich war, dass Konzernchef Tidjane Thiam und Finanzchef David Mathers von Verlusten im Handel mit illiquiden Anleihen überrascht wurden. Diese Verluste sind dabei alles andere als unwichtig: Sie könnten die Bank im ersten Quartal 2016 in die roten Zahlen reißen.

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„Gibt das Anlass zu Besorgnis? Ja, das tut es“, sagte Vontobel-Analyst Andreas Venditti.

Die Turbulenzen an den Anleihenmärkten erwischten Credit Suisse auf dem falschen Fuß. Abschreibungen auf notleidende Kredite und andere Bereiche des Anleihengeschäfts brockten der zweitgrößten Schweizer Bank im Schlussquartal 2015 und zu Beginn des laufenden Jahres Verluste von rund einer Milliarde Dollar ein. Thiam verordnete der Bank einen schärferen Sparkurs und stellte in Aussicht, weitere Teile seiner Bank zu verkaufen. Trotz einer sechs Milliarden Franken schweren Kapitalerhöhung weist die Credit Suisse eine deutlich schwächere Bilanz auf als Konkurrenten wie die UBS.

Thiam hatte im März gesagt, er selbst, Finanzchef Mathers und viele andere in der Bank seien über den Umfang der illiquideCredit-Suin Anlagen bis im Januar im Dunkeln gelassen worden. Es seien aber keine Handelslimits verletzt oder Transaktionen verheimlicht worden. Unterlagen, der Nachrichtenagentur Reuters, deuten ebenfalls darauf hin, dass Thiam nicht voll im Bild war: „Ich frage mich, wie groß unsere Bestände in einer Reihe von Geschäften sind“, erklärte er am 25. Januar gegenüber Handelschef Tim O`Hara. „Du und ich müssen uns von Fall zu Fall über die angemessene Höhe der Bestände unterhalten.“

Insider zeigten sich allerdings skeptisch, dass dem Top-Management wichtige Einzelheiten der Handelspositionen nicht bewusst gewesen sein könnten. „Es ist schwer vorstellbar, dass niemand darüber Bescheid wusste“. erklärte ein früherer Credit-Suisse-Banker.

Ein Credit-Suisse-Sprecher wollte sich im Detail nicht dazu äußern, wer zu welchem Zeit was wusste. Er bekräftigte aber, dass Thiam vom Ausmaß der Positionen erst im Januar erfuhr und dann Gegenmaßnahmen ergriff. Thiam und O`Hara lehnten eine Stellungnahme ab.

Der seit Juli amtierende Thiam ist mit dem Versprechen angetreten, das riskante Investmentbanking zurückzufahren, hat dabei aber noch einen weiten Weg vor sich. Mit seinen Bemühungen hat er die Aktionäre bisher jedenfalls nicht überzeugt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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