Cultural Fit vs Zufriedenheit: Was wir aus Googles Sexismus-Fall lernen können

Cultural Fit vs Zufriedenheit: Was wir aus Googles Sexismus-Fall lernen können

, aktualisiert 11. September 2017, 15:11 Uhr
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Die Passgenauigkeit von Bewerbern und Unternehmen wird immer wichtiger.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Können Mitarbeiter im Job zufrieden sein, obwohl sie nicht zum Unternehmen passen? Das sexistische Pamphlet des Google-Mitarbeiters zeigt, warum Werte bei der Mitarbeiter-Auswahl mehr zählen als Fachkenntnisse und Geld.

DüsseldorfVor ziemlich genau vier Wochen ist ein Google-Entwickler, der in einem „internen Manifest“ die Meinung vertrat, Frauen seien biologisch weniger für Erfolg in der Tech-Industrie geeignet, fristlos gefeuert worden. Wegen des Vorfalls, der nicht nur für heftige Debatten innerhalb des Konzerns, sondern auch weltweit für Aufruhr sorgte, unterbrach Google-Chef Sundar Pichai sogar seinen Urlaub.

Der Mitarbeiter hatte die Google-Führung in eine schwierige Situation gebracht, denn er beklagte auch, dass es in einer ideologisierten Unternehmenskultur nicht möglich sei, eine abweichende Meinung offen zu vertreten. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, rechtzeitig abzuklopfen, ob Unternehmen und Mitarbeiter auch kulturell gut zusammen passen. Am besten natürlich noch bevor der Arbeitsvertrag unterschrieben ist. Denn auch wenn ein Kandidat auf dem Papier quasi perfekt erscheint, kann er nicht zum Unternehmen passen und seine Einstellung zu bestimmten Themen oder Arbeitsweisen macht die Zusammenarbeit im schlimmsten Fall unmöglich.

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Experten sprechen hier vom sogenannten Cultural Fit, der - grob gesagt - die Übereinstimmung des Bewerbers mit den im Unternehmen gelebten Wertvorstellungen beschreibt. Oder anders ausgedrückt: bei der Dating-App Tinder hätten Mitarbeiter und Unternehmen ein perfektes Match, was die Wahrscheinlichkeit für eine ziemlich gute Arbeitsbeziehung erhöht. Das gilt natürlich für beide Seiten. Denn auch wenn gute Bezahlung, ein sicherer Job, angenehme Arbeitszeiten und ein Tischkicker im Flur bei der Wahl des Arbeitgebers eine wichtige Rolle spielen, legen auch die Mitarbeiter in Deutschland auf die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen großen Wert.

Die Online-Jobplattform Stepstone hat jetzt allerdings herausgefunden, dass rund 43 Prozent der Fachkräfte der Meinung sind, nicht zur Kultur ihres Unternehmens zu passen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, für die mehr als 25.000 Fach- und Führungskräfte und rund 4.000 Recruiter zum Thema Unternehmenskultur befragt wurden.

Können Mitarbeiter in ihrem Job zufrieden sein, obwohl sie nicht zum Unternehmen passen? Die Stepstone-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass dies eher selten der Fall ist: Unter den Mitarbeitern, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren können, sind 59 Prozent mit ihrem Job zufrieden. Dagegen können sich nur neun Prozent aller Fachkräfte, die mit ihrer Stelle unzufrieden sind, trotzdem mit ihrem Arbeitgeber identifizieren.

„Die Beurteilung des Cultural Fit zwischen Bewerber und Arbeitgeber gehört zu den größten Herausforderungen der Personalgewinnung. Recruiter sollten bei der Auswahl neuer Mitarbeiter gezielt deren Werte und Einstellungen mit denen des Unternehmens vergleichen. Nur so können nicht nur die besten, sondern auch die passenden Talente gewonnen werden“, sagt Sebastian Dettmers, Geschäftsführer bei Stepstone.

Eine fehlende Identifikation mit der Kultur des Arbeitgebers ist für den Großteil der Fachkräfte ein entscheidender Grund für einen Jobwechsel: Mehr als jeder Zweite (56 Prozent) hat ein Unternehmen wegen einer unpassenden Kultur schon einmal verlassen. Die gleiche Anzahl der Befragten glaubt zudem, dass Unternehmen, die der Persönlichkeit der Bewerber eine große Bedeutung beimessen, insgesamt erfolgreicher sind.

Quelle:  Handelsblatt Online
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