Daimler, VW, Mitsubishi: Auto-Aktien auf Crash-Kurs

Daimler, VW, Mitsubishi: Auto-Aktien auf Crash-Kurs

, aktualisiert 22. April 2016, 12:29 Uhr
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Anleger müssen sich mit Kurverlusten der Autowerte abfinden.

Quelle:Handelsblatt Online

An der Börse trennen sich die Anleger von Daimler-Aktien – vorsorglich, denn bewiesen sind mögliche Abgas-Manipulationen noch nicht. Der Mercedes-Bauer ist nicht der einzige Autokonzern, der unter die Räder kommt.

DüsseldorfEine neue Skandalwelle unter den Automobilbauern erschüttert die Börsen: Am Mittwoch machte Mitsubishi Motors den Auftakt. Sein Konzern habe sich nicht an die Gesetze gehalten, gab der Chef des japanischen Automobilbauers, Tetsuro Aikawa, vor versammelter Presse zu. Mitarbeiter des Unternehmens haben offenbar Reifendruckwerte manipuliert, um den Benzinverbrauch geringer erscheinen zu lassen.

Am Freitag kamen dann die deutschen Autobauer an die Reihe. Die amerikanischen Justizbehörden haben nach mehreren Zivilklagen eine Überprüfung der Abgasmessungen bei Daimler angeordnet. Der Konzern kündigte daraufhin an, interne Untersuchungen zu beginnen. Vielen Anlegern stellt sich nun die bange Frage: Gibt es auch beim Mercedes-Bauer bald einen Abgasskandal wie bei VW?

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Übrigens: Aus dem Hause Volkswagen kamen am Freitag auch Neuigkeiten – wenn auch nicht offiziell. Das Unternehmen stelle wegen des Abgasskandals in seiner Bilanz für das abgelaufene Jahr offenbar eine Summe zwischen 16 und 17 Milliarden Euro zurück – wie das Handelsblatt in der Nacht auf Freitag aus informierten Kreisen erfuhr. Bereits im dritten Quartal 2015 hat der Konzern 6,7 Milliarden Euro für die Lasten durch die Abgasmanipulation zur Seite gelegt, zu denen kommen nun offenbar weitere zehn Milliarden dazu. Erst am Donnerstag hat sich der deutsche Autobauer mit US-Behörden über die Grundzüge eines Entschädigungsplans geeinigt. Am heutigen Freitag berät der VW-Aufsichtsrat über die vorläufigen Kennzahlen des abgelaufenen Jahres und gibt voraussichtlich bekannt, wie hoch die Belastungen durch „Dieselgate” ausfallen.

Für die Anleger enthalten diese Entwicklungen vor allem eine Nachricht: Finger weg von Auto-Aktien. Das spiegelt sich auch an ihren Kursen wieder, die allesamt auf Talfahrt gehen. Der Automobil-Index „Europe 600 Automobiles & Parts”, in dem 16 europäische Autowerte gelistet sind, verlor rund am Freitag 3,6 Prozent gegenüber dem Vortag. Deutlich weiter runter ging es bei den Einzelwerten.

Bei Daimler verkaufen die Anleger auch ohne dingfeste Beweise für mögliche Manipulationen – quasi vorsorglich. Für den Mercedes-Hersteller ging es zeitweise fast sieben Prozent nach unten. Angesichts der Abgas-Empörung gingen die Bilanzzahlen, die Daimler veröffentlichte, beinahe unter. Dabei sind sie durchaus einen Blick wert. Das Konzernergebnis mit 1,35 Milliarden US-Dollar ging im ersten Jahresquartal zwar um rund ein Drittel zurück. Doch beim Umsatz konnte sich Daimler behaupten. In seiner wichtigsten Sparte, Mercedes-Benz Cars, stieg dieser um rund acht Prozent. In China konnte die PKW-Sparte seinen Umsatz sogar um 24 Prozent steigern – was zeigt, dass die Marke Daimler relativ konstant durch Chinas schwache Konjunktur-Phase kommt.


Daimler hat weiterhin den Rückhalt der Analysten

„Grundsätzlich betrachten wir die Daimler-Aktie als eine der derzeit interessantesten Automobil-Aktien”, kommentiert NordLB-Analyst Frank Schwope die aktuellen Zahlen. Doch: „Die Abgasuntersuchungen in den USA irritieren allerdings, zumal der Vorstand angesichts des Volkswagen-Dieselskandals in der Vergangenheit betonte, bei Abgaswerten nicht zu manipulieren.” Die Bank hat den Zielkurs für die Aktie deshalb auf 75 Euro gesenkt, empfiehlt sie jedoch weiterhin zum Kauf.

Auch die Werte anderer Autobauer mussten an der Börse Federn lassen. Mit einem Minus von 4,4 Prozent war die Volkswagen-Aktie zweitschwächster Wert im Dax. Anders als bei Daimler rät hier kaum noch ein Analyst zum Kauf. Zur Zahlenvorlage des Autobauers, die auf den 31. Mai verschobenen wurde, sollte wegen des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte neben der operativen Entwicklung der Dividendenvorschlag im Fokus stehen, schrieb Analyst Holger Schmidt in einer Studie vom Donnerstag.

Optimistischer gibt sich Analyst Michael Raab von Kepler Chevreux: Die laut Presseberichten kurz vor dem Abschluss stehende außergerichtliche Einigung bezüglich der Zivilklagen in der Dieselgate-Affäre würde das größte Risiko aus dem Skandal deutlich besser kalkulierbar machen, so das Fazit seiner Studie.

Den wohl übelsten Aktien-Kurssturz mussten jedoch japanische Anleger verkraften. Nach Aikawas Geständnis verlor die Mitsuibishi-Aktie rund 15 Prozent. Am Donnerstag musste die Aktie vom Handel ausgesetzt werden, mit einem Verlust von 13 Prozent. Nun dürfen die Papiere wieder gehandelt werden, es ging abermals 14 Prozent bergab. Es sieht so aus als hätten die Auto-Werte noch einen holprigen Börsen-Weg vor sich.

Quelle:  Handelsblatt Online
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