Das globale NOx-Problem: Stickoxide – nicht nur ein Problem der Autobranche

Das globale NOx-Problem: Stickoxide – nicht nur ein Problem der Autobranche

, aktualisiert 30. Mai 2016, 13:29 Uhr
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Stickoxide sind der zentrale Konfliktstoff im Abgas-Skandal, der bei VW seinen Anfang nahm.

Quelle:Handelsblatt Online

Schädliche Stickoxide in die Luft zu blasen – das klingt vor allem nach der Diesel-Affäre. Doch der hohe Ausstoß der Gase treibt beileibe nicht nur die Autobauer um, auch andere Industriezweige produzieren fleißig NOx.

BerlinIn großen Mengen wirken sie als Atemgifte, in großen Industrien kommt man um ihre Entstehung aber nicht herum: Stickoxide sind der zentrale Konfliktstoff im Abgas-Skandal, der bei VW seinen Anfang nahm. Weit gefehlt allerdings, wer glaubt, das sei nur ein Problem der Autohersteller.

Die mit der Sammelformel NOx bezeichneten Gase fallen in Haushalten, jedoch auch in vielen Wirtschaftsbranchen an. Was tun etwa Energieerzeuger, Luft- und Schiffsverkehr, Chemie und Landwirtschaft im Kampf gegen die gefährlichen Substanzen?

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„Die Stickoxid-Emissionen aus Kraftwerken gehen zurück“, heißt es beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Weil die gesetzlichen Bestimmungen in den nächsten Jahren strikter würden, halte der Trend an. Der NOx-Gesamtausstoß Deutschlands sank zwischen 1990 und 2013 laut Umweltbundesamt (UBA) um 56,1 Prozent, die Behörde nennt auch den Einsatz emissionsärmerer Brennstoffe und eine bessere Energieeffizienz als Gründe dafür.

Die im Rahmen der Energiewende abnehmende Stromproduktion konventioneller Kohle- und Gaskraftwerke spiele ebenso eine Rolle, ergänzt der BDEW. Auch viele ältere Meiler nutzten Filtertechnik oder „Entstickungsanlagen“ für Rauchgase. Regelmäßige Kontrollen sollen die Einhaltung von Standards absichern. „Durch neue EU-Vorschriften, die im nächsten Jahr verabschiedet werden sollen, werden die Anforderungen an die Stickoxid-Emissionen der Kraftwerke zudem absehbar weiter verschärft werden.“

Neben Auto- und Energiekonzernen steht aber auch der Flugverkehr oft im Fokus der Abgas-Debatte. Der Branchenverband BDL erklärt: „Den größten Teil der Verbesserungen bei NOx-Emissionen muss und kann das Triebwerk liefern.“ Pro Passagier und 100 Kilometer hätten deutsche Airlines den Verbrauch seit 1990 um 42 Prozent gesenkt. Damit der NOx-Ausstoß weiter verringert werden könne, müssten die Unternehmen aber genügend Spielraum für Investitionen in die nötige Technik behalten.

Der verkehrspolitische Rahmen sei da: Auf den mit der EU-Kommission 2001 verabredeten Reduktionsplan „Vision 2020“ – er schreibt um 80 Prozent gesenkte NOx-Emissionen bei Neuflugzeugen verglichen mit dem Jahr 2000 vor – sei 2011 der „Flightpath 2050“ gefolgt. Dieser habe das Ziel auf minus 90 Prozent ausgeweitet. „Der Luftverkehrssektor arbeitet schon seit einigen Jahren intensiv an der Reduktion der NOx-Emissionen“, so der BDL - „unabhängig von der Automobilbranche.“


Schiffe schleudern jede Menge Stickoxide in die Luft

Auch Schiffe können große Mengen Stickoxide und Ruß in die Atmosphäre schleudern – jedenfalls, wenn sie alte Technik an Bord haben. „Alle Schiffe ab dem Baujahr 2011 dürfen nicht mehr als 14 Gramm pro Kilowattstunde Stickoxide ausstoßen – allein dieser Schritt sorgte bereits für einen Rückgang der NOx-Emissionen um 20 Prozent“, sagt Ralf Nagel aus dem Präsidium des Verbands Deutscher Reeder (VDR). Antriebe mit verflüssigtem Erdgas machten sogar ein NOx-Minus von 80 Prozent realistisch.

Immer wieder lenken aber auch Umweltschützer den Blick auf das Thema Abgase, zuletzt Anfang Mai beim Kreuzfahrt-Riesen „AIDAprima“. „In Wahrheit müssen Passagiere und Hafenanwohner weiter giftige Rußpartikel einatmen“, kritisierte Nabu-Experte Dietmar Oeliger nach eigenen Messungen.

Das Unternehmen verteidigte sich: „„AIDAprima“ verfügt über die modernste Umwelttechnologie weltweit, die derzeit technisch auf einem Passagierschiff machbar ist.“ Das Abgassystem werde erst erprobt, die Zulassung stehe noch aus.

Eine wichtige Industrie, in der NOx bei verschiedenen Reaktionen anfällt, ist auch die Chemie. „Die Firmen unternehmen vielfältige Anstrengungen, ihre Emissionen in Luft, Wasser und Boden stetig zu verringern“, sagt Gerd Romanowski vom Branchenverband VCI. Dies geschieht etwa mit Techniken, die auch in Autokatalysatoren genutzt werden: Ammoniak oder Harnstoff „reduzieren“ Stickoxide zu reinem Stickstoff und Wasser. Auch besondere Brenner können den NOx-Ausstoß drücken.

„Mit diesen Verfahren erreichen die Unternehmen bereits sehr gute Ergebnisse“, so Romanowski. Der Chemie-Anteil am deutschen Gesamtausstoß betrage 2,2 Prozent. „Nichtsdestotrotz nimmt die Branche die Verringerung ihrer NOx-Emissionen sehr ernst“, betont Romanowski – etwa durch Nachrüstungen und moderne Verbrennungstechnik. Mit der erhöhten Aufmerksamkeit wegen der VW-Affäre habe das nichts zu tun.

Auch in der Landwirtschaft entstehen Stickoxide, vor allem durch Düngeprozesse in Ackerböden. Von 1990 bis 2014 weisen UBA-Daten für die Agrarbranche einen von 5 auf 10 Prozent erhöhten Emissionsanteil auf. Dies liege jedoch daran, dass der absolut gesunkene Ausstoß (minus 12 Prozent) hier hinter das verringerte NOx-Gesamtvolumen der Bundesrepublik zurückfiel, betont der Bauernverband – und verweist auf die „rund viermal so hohen“ Emissionen des Verkehrssektors.

Die NOx-Konzentration sei in Städten und Ballungsräumen höher als auf dem Land. Ziel sei eine noch bessere Effizienz, um „eine möglichst hohe Ausnutzung des eingesetzten Stickstoffdüngers zu erreichen“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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