Dax-Ausblick: Brexit und Panama dämpfen Frühlingserwachen

Dax-Ausblick: Brexit und Panama dämpfen Frühlingserwachen

, aktualisiert 09. April 2016, 14:13 Uhr
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Wohl kaum. Die Märkte müssen derzeit eine Menge schlechter Nachrichten verkraften.

von Peter KöhlerQuelle:Handelsblatt Online

Nach den vergangenen Verlusttagen suchen Börsianer Zerstreuung. Doch die Politik macht ihnen mit Brexit-Angst und Skandalenthüllungen einen Strich durch die Rechnung. Gut, dass die US-Bilanzsaison vor der Tür steht.

FrankfurtAbwechslung tut Not – die Geldpolitik und die Zinsen sind nach den wochenlangen Diskussionen einmal nicht das beherrschende Thema. Die anstehende US-Bilanzsaison und der Blick auf die Dividenden könnten für ein Frühlingserwachen an den Aktienmärkten sorgen. Einige Börsianer erhoffen sich vom Zahlenreigen positive Impulse für den Aktienmarkt, auch die anstehenden chinesischen Konjunkturdaten könnten neuen Schub geben. Die vergangene Woche endete am Freitag schon mal ermutigend – bis zum Handelsende gewann der deutsche Leitindex Dax 0,96 Prozent auf 9622,26 Punkte.

Obwohl der Dax die vergangene Woche teils mit heftigen Kursverlusten zu kämpfen hatte, gibt es durchaus handfeste Gründe für eine tiefgreifende Erholung. Die Analysten der Helaba meinen, dass die relative Bewertung von deutschen Standardwerten momentan ausgesprochen attraktiv sei. Während Bundesanleihen erst ab einer Laufzeit von zehn Jahren überhaupt noch eine positive Verzinsung aufwiesen, warte der Dax mit einer Dividendenrendite von mehr als drei Prozent auf. „Ähnlich günstig waren Aktien auf Basis des Renditeabstands zu Renten zuletzt 2008/09 beziehungsweise 2011/12 bewertet. Damals war dies der Startschuss für markante Kurszuwächse“, heißt es im Wochenausblick der Landesbank. Die bald Fahrt aufnehmende Dividendensaison biete deshalb Kaufgelegenheiten.

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Störfeuer für die europäischen Aktienmärkte könnte aber von politischer Seite kommen. Der langsam näher rückende Termin der Brexit-Abstimmung am 23. Juni sorgt zunehmend für Nervosität. In einer jüngst erhobenen Bloomberg-Umfrage stimmten 39 Prozent für einen Verbleib Großbritanniens in der EU, 38 Prozent dagegen und 23 Prozent waren unentschlossen. Das zeigt, wie wenig prognostizierbar der Ausgang des Referendums ist. „Diese Ungewissheit schürt Verunsicherung, die in den nächsten Wochen sicherlich nicht kleiner werden dürfte angesichts der unsicheren Prognosen“, heißt es in einer Analyse der WGZ Bank. „Das Nein der Holländer in der Abstimmung über das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine führt sicherlich nicht zu einer Zunahme der Zuversicht.“

Auch die US-Wahl Anfang November sowie die Wahlen in Frankreich in einem Jahr und auch die zum deutschen Bundestag in 18 Monaten bergen erhebliches Potenzial für anhaltende Unsicherheit. Deshalb meinen die Analysten der WGZ Bank, dass sie ihre „kurzfristig skeptische Haltung“ zu den Aktienmärkten bestehen bleibt. Im Juli sehen sie den Dax bei 9500 Punkten, in einem Jahr aber wieder bei 10.800 Punkten.


Kann die Berichtssaison die Börsen stabilisieren?

Abzuwarten bleibt, ob die in Kürze startende Berichtssaison zum ersten Quartal den Börsen wirklich neue Impulse verleihen kann. „Die an den Analystenschätzungen gemessenen Gewinnerwartungstrends für 2016 für Europa haben sich zuletzt stabilisiert. Da sie zuvor – vor allem auch für das erste Quartal – gesunken sind, sind sie nun in der bevorstehenden Quartalssaison insbesondere in der Eurozone leichter erfüllbar“, kommentiert Chefstratege Robert Greil von der Privatbank Merck Finck.

In den USA legen bereits einige Großbanken ihre Quartalsabschlüsse vor, was Rückkopplungen auf die Titel der Deutschen Bank und Commerzbank bringen könnte. Für die Experten der Weberbank lohnt es sich angesichts der politischen Spannungen in Europa, wieder stärker den US-Markt im Portfolio zu gewichten. In Stressphasen hätten sich die US-Börsen historisch gesehen häufig besser entwickelt als ihre europäischen Pendants.

An den Devisenmärkten rückt kommende Woche immer mehr das britische Pfund in den Fokus. Warum? Weil die Enthüllungen um dubiose Finanzgeschäfte im Kontext der sogenannten „Panama Papers“ nun mehr und mehr auch auf diese Märkte ausstrahlen, erläutert Analyst Jens Kramer von der NordLB. Der britische Ministerpräsident David Cameron habe eingestehen müssen, dass er bis unmittelbar vor Beginn seiner Amtszeit Vermögenspositionen in einem Offshore-Trust seines Vaters in Panama gehalten hatte. Die Kommunikation des Politikers, der stets akribisch darum bemüht sei, als „Saubermann“ wahrgenommen zu werden, könne ohne Umschweife als unglücklich bezeichnet werden, meint Kramer.

Das Herumlavieren von Cameron kommt zur Unzeit, weil das Referendum am 23. Juni über den Verbleib oder den Austritt des Landes aus der Europäischen Union mit seinen schwerwiegenden Konsequenzen ohnehin schon auf dem Pfund Sterling lastet. So hat der Euro zum Pfund seit Jahresbeginn um 9,5 Prozent zugelegt.
Der Ausgang des Referendums stehe auf des Messers Schneide – es wäre verhängnisvoll, wenn nun ausgerechnet der unglückliche Auftritt Camerons den Ausschlag für den „Brexit“ gäbe, meint der Währungsexperte der NordLB.

Quelle:  Handelsblatt Online
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