Dax Ausblick: Im Fegefeuer der Zentralbanken

Dax Ausblick: Im Fegefeuer der Zentralbanken

, aktualisiert 12. März 2016, 13:47 Uhr
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Die Geldschwemme der Notenbanken beflügelt die Märkte. Wie lange noch?

von Jens HagenQuelle:Handelsblatt Online

Die Notenbanken werden auch in der neuen Woche den Takt vorgeben. Geldprofis befürchten aber, dass sie ihr Pulver schon verschossen hätten. Womit Anleger rechnen müssen.

DüsseldorfNach der spektakulären Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) spielen die Börsenprofis die Szenarien durch: Da wäre zunächst das so genannte „All in“. Der Begriff stammt eigentlich aus dem Poker und bedeutet: Der Spieler setzt alles was er hat auf sein aktuelles Blatt. „Die EZB hat mit der Verkündung ihrer Maßnahmen massiv überrascht und im Prinzip alles auf den Markt geworfen was sie kann“, erklärt Jan Holthusen, Leiter Zins- und Anleihenresearch bei der DZ Bank.

Am Kartentisch ist ein „All in“ natürlich mit beträchtlichen Risiken verbunden. Zumindest, wenn der Spieler sich nicht sicher ist, das er ein wirklich gutes Blatt hat. Und wenn die anderen Spieler einen möglichen Bluff durchschauen und gegenhalten. „Die EZB geht technische und politische Risiken ein“, erklärt Holthusen.

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Die technischen Risiken lägen in einer ausreichenden Verfügbarkeit von Staatsanleihen auf dem Markt. Politische Risiken sind der direkte Eingriff der Notenbanker in das Wirtschaftsgeschehen, etwa mit dem Kauf von Unternehmensanleihen. „Die EZB nimmt in Kauf, Marktblasen zu erzeugen, wenn die Liquidität in der blutleeren konjunkturellen Entwicklung nicht in die Realwirtschaft findet“, folgert Holthusen.

Ein anderes Szenario, das derzeit unter Geldmanagern die Runde macht, trägt den Namen „End Game“. Dieser Begriff erinnert an ein gleichnamiges Drama von Samuel Beckett. Der Meister des absurden Theaters möchte damit wohl die Aussichtslosigkeit menschlichen Hoffens und Strebens darstellen. Auf die EZB gemünzt bedeutet das „End Game“: Die Notenbanken handeln zwar, haben ihr Pulver aber längst verschossen.

Welche Optionen haben die Zentralbanken noch, falls die Weltwirtschaft nicht anspringt? Das fragt sich etwa Heinz-Werner Rapp, Vorstand beim Analysehaus Feri. „Zentralbanken könnten im Kampf gegen deflationäre Kräfte noch extremere Maßnahmen einsetzen, etwa ein konkretes Inflationsziel ankündigen und durch unlimitierte Geldschöpfung tatsächlich realisieren“, sagt Rapp. Oder als Ultima Ratio sogar eine großvolumige Finanzierung von Staatsschulden starten.

Die Folgen solchen vielleicht sinnlosen Handelns könnten aber prekäre Auswirkungen haben. „Es wäre mit Sicherheit gefährlich für die Nullzins-geprägten Rentenmärkte und viele Währungen, letztlich also ein Todesstoß für das bisherige Finanz- und Währungssystem“, resümiert Rapp.


Banges Warten auf die Fed

Bis solche trüben Prognosen eintreffen, können Anleger allerdings noch ein wenig Geld verdienen. Zumindest wenn sie auf Aktien setzen. Am Freitag legte der Dax mehr als drei Prozent zu, schloss auf 9831 Punkten. Damit notierte er etwa auf dem Niveau der Vorwoche, die er mit 9824 Punkten abschloss.

In der nächsten Woche könnte es weiter aufwärts gehen. Wenn die Termine der Woche den Erwartungen der Marktteilnehmer entsprechen.

Da wäre etwa die Zinsentscheidung der mächtigsten Notenbank der Welt, der amerikanischen Federal Reserve, die am Mittwoch stattfindet. Im Dezember hatte Fed-Chefin Janet Yellen erstmals seit etwa zehn Jahren die Zinsen wieder angehoben. Eine weitere Erhöhung des Leitzinses am Mittwoch wäre eine faustdicke Überraschung. Die Kurse an den Terminmärkten signalisieren bereits jedoch seit Wochen, dass Investoren die Wahrscheinlichkeit dafür bei etwa null Prozent sehen.

Auch danach wird die Fed die Zügel wohl nur sehr langsam straffen. Anleger wetten darauf, dass der US-Leitzins frühestens 2022 wieder bei einem Prozent liegen wird. Aktuell liegt er in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Bis die Bank von England, die am Donnerstag über ihre Geldpolitik berät, so weit sein wird, könnte sogar noch ein Jahrzehnt vergehen.

Die geballten Notenbank-Sitzungen drängen die Konjunkturdaten in der neuen Woche in den Hintergrund. Die US-Verbraucherpreise, die wenige Stunden vor dem Fed-Entscheid veröffentlicht werden, könnten aber für Kursausschläge sorgen. Denn die Inflation ist ein wichtiger Faktor für die Geldpolitik der Notenbank.

Daneben stehen in den USA Zahlen zum Immobilienmarkt (Mittwoch) und zu den Einzelhandelsumsätzen (Dienstag) auf dem Terminplan. Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz sagt einen anhaltenden Aufschwung der weltgrößten Volkswirtschaft voraus. „Neben dem Konsum bleibt der Wohnungsbau ein wichtiger Wachstumstreiber.“

In Europa werden am Donnerstag die endgültigen Inflationszahlen für Februar bekanntgegeben. Die Kernrate, bei der die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, könne auf 0,8 von 0,7 Prozent korrigiert werden, prognostiziert Commerzbank-Experte Balz. Damit liegt sie aber immer noch weit unter dem EZB-Inflationsziel von knapp zwei Prozent.

Am Freitag, dem sogenannten Hexensabbat, verfallen dann Index-Futures sowie Optionen auf Indizes und einzelne Aktien. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise der Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Zum Abschluss der neuen Woche erscheint zudem Senvion wohl erstmals auf den Kurszetteln. Der Windradbauer war unter dem Namen Repower schon einmal börsennotiert, wurde vor einigen Jahren vom indischen Konkurrenten Suzlon aufgekauft und dann an die Finanzinvestoren Centerbridge und Arpwood weitergereicht.

Mit Material von Reuters.

Quelle:  Handelsblatt Online
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