Dax-Ausblick: Liefert die EZB oder nicht?

Dax-Ausblick: Liefert die EZB oder nicht?

, aktualisiert 05. März 2016, 15:04 Uhr
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Börsianer gehen davon aus, dass der EZB-Präsident am Donnerstag eine weitere Lockerung der Gelpolitik verkündet.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Börsianer gehen davon aus, dass EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag eine weitere Lockerung der Geldpolitik verkündet. Die Erwartungen sind hoch, entsprechend hoch ist die Gefahr, dass sie nicht erfüllt werden.

DüsseldorfSuper-Mario alias Mario Draghi soll es mal wieder richten. In der kommenden Woche dürfte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) über das Auf und Ab der Aktienmärkte entscheiden. „Die Notenbank hat für die März-Sitzung eine Neubewertung der geldpolitischen Ausrichtung angekündigt“, sagt Ulrike Kastens, Volkswirtin bei Sal. Oppenheim. „Dementsprechend hoch sind die Erwartungen der Marktteilnehmer.“

Unter Börsianern gilt als sicher, dass die EZB ihre Geldpolitik weiter lockert, um die Konjunktur anzukurbeln. Enttäuscht Draghi die Märkte, drohen weitere Turbulenzen. Vielleicht kommt es sogar zu einem Kurssturz wie nach der EZB-Sitzung im Dezember.

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Die Anspannung ist groß. „Daher werden sich die Anleger vorher sicher zurückhalten, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden“, sagt Heinz-Gerd Sonnenschein, Aktienstratege der Postbank. In der abgelaufenen Woche hat die Hoffnung der Anleger auf eine kräftige Geldspritze der EZB für gute Stimmung an den Märkten gesorgt. Der Dax kletterte um gut drei Prozent auf mehr als 9800 Punkte. Damit summiert sich das Plus seit Mitte Februar auf etwa zwölf Prozent. Das Minus im laufenden Jahr ist damit auf gut neun Prozent zusammengeschmolzen.

Wie es weiter geht, hängt nun einmal mehr von der EZB ab. Kastens erwartet, dass die EZB ihre Erwartungen an das Wachstum, vor allem aber an die Inflation reduzieren wird. Hauptgründe seien die anhaltende Schwäche in den Entwicklungsländern sowie der Ölpreisverfall. Auch für das Jahr 2018 dürften die EZB-Volkswirte eine Verfehlung der Inflationsziels prognostizieren, ist die Volkswirtin überzeugt.

Frank Engels, leitender Fondsmanager der Union Investment, erwartet deshalb eine „Draghi-Trilogie der Lockerungsmaßnahmen“. Er setzt auf einen Dreiklang aus Zinssenkung, Ausweitung der Wertpapierkäufe und neuen Billigkrediten für die Geschäftsbanken. Dabei dienten die beiden letzteren Schritte dazu, die Belastungen durch die erstere Maßnahme abzufedern.

Wenn die EZB den Zins für Einlagen bei der Notenbank wie von Experten erwartet um 0,2 Prozentpunkte auf minus 0,5 Prozent senkt, müssen die Geldhäuser höhere Gebühren zahlen, um überschüssiges Geld bei der EZB zu parken. Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert kann sich auch einen gestaffelten Einlagezins vorstellen. Dabei müssten Geschäftsbanken bis zu einem bestimmten Betrag eine geringere oder gar keine Strafgebühr zahlen.


Nach der Notenbank-Sitzung ist vor der Notenbank-Sitzung

Zu einer „salomonischen Lösung“ dürfte es laut Schubert auch bei der innerhalb der EZB besonders umstrittenen Aufstockung der monatlichen Anleihekäufe kommen. „Wir können uns gut vorstellen, dass sich der Rat als Kompromiss für eine vorrübergehenden Anhebung des Kaufvolumens entscheidet – zum Beispiel um monatlich 20 Milliarden Euro für sechs Monate“, sagt er.

Bislang pumpt die EZB Monat für Monat 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, um die drohende Deflation, also eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abzuwenden.

„Die EZB wird ihre geldpolitischen Maßnahmen entsprechend ihrem Weltbild ausgestalten“, sagt Kastens. Je größer und umfangreicher das Maßnahmenpaket ausfalle, desto pessimistischer sei sie für die weitere Entwicklung. „Dies wäre ein schlechtes Signal“, so die Sal.-Oppenheim-Experting. „Da sich die Frage nach dem zusätzlichen Nutzen weiterer geldpolitischer Lockerungen stellt, gilt für uns: Weniger ist mehr.“

Die anstehenden Entscheidungen der Notenbanker werden wohl alle anstehenden Konjunkturdaten, aber auch Unternehmenszahlen zur Randnotiz degradieren. Am Montag stehen beispielsweise die Auftragseingänge der deutschen Industrie auf dem Terminplan. Am Tag darauf folgt die zweite Schätzung zum Wirtschaftswachstum der Euro-Zone im vierten Quartal. Enttäuschende Zahlen könnten allerdings denjenigen, die für zusätzliche Konjunkturhilfen der EZB plädieren, neue Argumente liefern.

Aktienstratege Sonnenschein erwartet allerdings auch nach der EZB-Entscheidung am Donnerstag keine längerfristige Belebung des Handels an den Aktienbörsen. „Nach der Notenbank-Sitzung ist vor der Notenbank-Sitzung“, sagt er. Am 15. und 16. März berät die amerikanische Notenbank, ob sie die US-Zinsen weiter anheben.

Am Donnerstag veröffentlicht China Inflationsdaten. Auch von der dortigen Notenbank erhoffen sich Börsianer neue Geldspritzen zur Ankurbelung der Konjunktur.

Auf Unternehmensseite stehen unter anderem Jahreszahlen von RWE (Dienstag), der Deutschen Post, Eon und Drägerwerk (Mittwoch), der Commerzbank, K+S, Ströer und Hugo Boss (Donnerstag) sowie von Porsche (Freitag) an.

Mit Material von Reuters.

Quellle:  Handelsblatt Online
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