Dax-Ausblick: Neuer Nebel für die Anleger

Dax-Ausblick: Neuer Nebel für die Anleger

, aktualisiert 19. März 2016, 13:19 Uhr
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Die Konjunkturdaten der kommenden Woche dürfte die Stimmung an den Märkten eintrüben.

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Der Dax hat eine recht ordentliche Woche hinter sich. Anstehende Konjunkturdaten könnten das Bild aber wieder eintrüben. Warum sich Anleger auf eine Verschnaufpause einstellen sollten.

FrankfurtVerlieren die Notenbanken ihre Strahlkraft? Diese Frage treibt Investoren um. So verfielen die Märkte erst einen Tag nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Euphorie – und lange hielt sie nicht. Bereits am vergangenen Dienstag ging es für den Dax wieder leicht nach unten, obwohl die EZB ein wahres Feuerwerk gezündet hat: Die Leitzinsen für kurzfristige Ausleihungen wurden auf null gesenkt, Banken bekommen neue sehr günstige Langfristkredite, müssen aber für Übernachteinlagen bei der EZB einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Zudem stockt die EZB ihr Anleihekaufprogramm ab April um 20 Milliarden auf 80 Milliarden Euro auf und will zudem ab Ende des zweiten Quartals Unternehmensanleihen kaufen.

Unter dem Strich verbuchte Deutschlands Börsenbarometer Nummer 1 zwar ein Wochenplus von immerhin 1,2 Prozent und legte dabei an drei von fünf Handelstagen zu. Die Marke von 10.000 Punkten übersprang der Dax aber nur kurz und schloss am Freitag mit 9.951 Zählern. „Die Märkte lassen sich nur noch sehr kurzfristig von den Notenbanken beeindrucken“. meinen dazu die Experten der DZ Bank. Denn auch der „Fed-Effekt“ verpuffte rasch.

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Die US-Notenbank Fed hatte am Mittwoch die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen, aber auch die internen Prognosen für weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr auf zwei von vier gesenkt. Nach dem verbalen Rückzug der Fed wertete der Euro zum Dollar ordentlich auf – das belastete die Aktien der exportlastigen Unternehmen in Deutschland und ganz Europa.

Ein „Luftholen des Marktes“ ist nach Ansicht der DZ Bank vor diesen Hintergründen in den nächsten Tagen nicht auszuschließen – das heißt, der Dax könnte kurzfristig noch etwas fallen. Ralf Zimmermann, Aktienstratege beim Bankhaus Lampe sieht das ähnlich. Auch wenn der Dax inzwischen wieder knapp 14 Prozent über seinem Jahrestief von Mitte Februar notiert, sei der Blick in die Aktienzukunft „noch nicht wieder ungetrübt“.

Skepsis ist für Zimmermann vor allem mit Blick auf die „nach wie vor fragile Konjunktur“ angebracht. Vor diesem Hintergrund dürften Anleger in dieser Woche anstehenden Konjunkturdaten besonders aufmerksam beobachten – zumal dort einige mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex, dem ZEW- Konjunkturumfrage und den Einkaufsmanagerindizes des Informationsdienstes Markit wichtige Frühindikatoren anstehen.


Rückenwind vom Devisenmarkt lässt nach

Doch positive Impulse erhoffen sich Ökonomen von den Daten nicht. Eher im Gegenteil: Der am Dienstag anstehende Ifo-Geschäftsklimaindex ist zuletzt bereits drei Monate in Folge gefallen. Ralf Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank, geht davon aus, dass der Index weiter gesunken ist. Wie in den Vormonaten dürfte sich dabei vor allem die Stimmung in der Export orientierten Industrie verschlechtert haben – unter anderem deshalb, weil der Rückenwind vom Devisenmarkt – sprich dem fallenden Euro – nachgelassen habe.

Beim am Donnerstag anstehenden Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone ist die Lage ähnlich. Lediglich beim ZEW-Index, der Konjunkturumfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung unter Analysten und Investoren, rechnen Ökonomen mit einem Anstieg. In den USA stehen als wichtigstes Konjunkturdatum die Auftragseingänge für langlebige Güter an, doch auch hier droht ein Rückgang nach dem 4,7-prozentigen Plus vom Januar. „Für die starken Schwankungen sind dabei vor allem die Bestellungen von Flugzeugen verantwortlich“, meint Solveen. Und Boeing habe im vergangenen Monat nur Aufträge für zwei Flugzeuge erhalten – im Januar waren es noch 67.

Geschäftszahlen der Unternehmen werden dabei langsam Mangelware, die Bilanzsaison läuft aus. In den USA legen am Dienstag mit Nike und Exxon Mobile noch zwei Großkonzerne Zahlen vor, in Deutschland kommen nur noch Ergebnisse von Unternehmen aus der zweiten und dritten Börsenreihe. Dazu gehören EnBW und Talanx am Montag, Fuchs Petrolub und Kuka am Dienstag, Cewe, Jungheinrich, Leoni Norma, Pfeiffer Vaccuum, SGL Carbon und Stada am Freitag und CTS, Eventim, Drillisch oder Xing am Gründonnerstag.

Bei aller Skepsis über die kurzfristig nachlassende Magie der Notenbanken, glauben Experten aber doch daran, dass die Geldflut den Aktienmärkten mittelfristig gut tun wird. „Wichtigster positiver Faktor für Aktien bleibt die weltweit ultralockere Geldpolitik“, ist Manfred Bucher, Aktienstratege bei der BayernLB, überzeugt. Dazu erwartet er eine „Fortsetzung des moderaten Wachstumspfads der Weltwirtschaft“ und rechnet deshalb auf Sicht von zwölf Monaten mit einer „per saldo positiven Aktienmarkttendenz“.

Die WGZ Bank meint ebenfalls, dass für die Aktienmärkte die Politik der Zentralbanken „grundsätzlich positiv“ zu werten ist. Mit der Ausweitung der EZB-Ankäufe auf Unternehmensanleihen reduzierten sich für die Firmen die Renditen und damit die Refinanzierungskosten. Auch Zimmermann vom Bankhaus Lampe sieht für die Aktienmärkte – gemessen am Basisszenario, dass es zu keiner Rezession kommt – weiteres Potenzial. An seinem Dax-Ziel von 10.800 Punkten hält er dabei trotz seiner kurzfristigen Skepsis fest.

Quelle:  Handelsblatt Online
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