Dax im Aufwärtstrend: Die Börse blüht auf

Dax im Aufwärtstrend: Die Börse blüht auf

, aktualisiert 20. April 2016, 07:09 Uhr
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Der Dax notiert nach den starken Verlusten am Jahresanfang wieder deutlich über 10.000 Punkten.

von Matthias Streit und Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Der Dax fährt in weniger als zwei Wochen mehr als 800 Punkte Gewinn ein. Da scheint der miserabelste Börsenstart in der Geschichte des Dax fast schon vergessen. Was dahinter steckt und wie es jetzt weiter geht.

Frankfurt/DüsseldorfDer Dax befindet sich mitten in einer Rally – und in was für einer. Von 9.530 Punkten am 7. April geht es seitdem fast kontinuierlich nach oben. Am Dienstag schloss er bei 10.349 Punkten. In weniger als zwei Wochen steht also ein Plus von mehr als 800 Punkten zu Buche. Doch was steckt dahinter?

Den ersten Schub erhielt der deutsche Leitindex in diesem Aufschwung von den Ölpreisen. Das erscheint auf den ersten Blick nicht unbedingt nachvollziehbar. Schließlich gehört Deutschland zu den Ölimporteuren und müsste von sinkenden statt steigenden Preisen profitieren.

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Erst auf den zweiten Blick ergibt die häufig nahezu parallele Entwicklung in den vergangenen Monaten Sinn: Aktuell steigt die Stimmung der Anleger mit dem Ölpreis offenbar, weil sie daraus positive Konjunkturerwartungen für die Weltkonjunktur ziehen, was wiederum den exportstarken deutschen Unternehmen helfen sollte. Als am Morgen des 9. April der Preis für ein Barrel (159 Liter) Brent-Öl über die Marke von 40 Dollar kletterte, folgte ihm der Dax nach oben.

Ein weiterer maßgeblicher Börsentreiber sind die Konjunkturdaten aus China, wie man es gut am 13. April ablesen kann. An diesem Tag wurde ein Bericht über die chinesischen Exporte vorgelegt. Der kommt zu dem Fazit: Erstmals seit Juni 2015 seien die Ausfuhren wieder gestiegen. „Für die internationalen Finanzmärkte ein willkommener Stimmungsaufheller“, urteilten damals die Analysten der NordLB. „Die Angst vor einer harten Landung Chinas scheint etwas in den Hintergrund zu rücken.“

Wie schnell diese Kursabhängigkeit jedoch zum Senkblei werden kann, wurde Anfang des Jahres klar. Schon am ersten Handelstag 2016 legte der Dax den schwächsten Jahresstart seiner Geschichte hin. Bis Mitte Februar folgte ein Einbruch um insgesamt 15 Prozent auf den Jahrestiefstand bei 8753 Punkten.

Die Entwicklung hing maßgeblich mit dem Chaos an den chinesischen Märkten zusammen. Kein Wunder, schließlich sind Deutschlands große Unternehmen – nicht zuletzt die Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW – Nutznießer, wenn es in der chinesischen Konjunktur gut läuft. Wenn es dann eben nicht läuft, geht es dementsprechend nach unten.

Für den Börsenexperten Stephan Heibel hat die heftige Korrektur zum Jahresauftakt viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Bis Mitte Februar wurden viele „schwache Hände“ aus dem Markt gedrängt. Seither klettere der Dax unter teils heftigen Schwankungen, wie wir auch in den vergangenen beiden Wochen erleben durften, immer weiter nach oben.


Weniger Kursschwankungen erwartet

Und der Aufwärtstrend könnte noch ein paar Tage anhalten. Denn am Dienstag stieg der deutsche Leitindex sogar über die so genannte 200-Tage-Linie, also den gleitenden Durchschnitt. Häufig kaufen in so einem Fall Anleger zu – gut möglich also, dass der positive Trend noch ein paar Tage anhält. „Die 200-Tage-Linie wird von vielen Experten benutzt, in der Hoffnung, den Dax oder andere Indizes zu schlagen“, sagt Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung bei der Sutor Bank in Hamburg. „Die Regel ist simpel: Durchbricht der Dax die 200-Tage-Linie – die aus dem Mittelwert der Schlusskurse der vergangenen 200 Tage gebildet wird – nach oben, ist dies ein Kaufsignal.“
Ein weiteres positives Signal gibt der Dax-Volatilitätsindex. Er misst die am Terminmarkt erwarteten Kursschwankungen. Der sogenannte „Angstindex“ fiel seit Mitte Februar von 32,6 Punkten bis zum 19. April auf unter 20 Punkte. Das sagt allein zwar nichts darüber aus, ob die Kurse steigen werden. Wohl aber lässt sich daran ablesen, dass die Anleger mit geringeren Kursschwankungen rechnen – sowohl nach oben als auch nach unten.

„Ernsthafte Sorgen über die künftige Kursentwicklung des Dax mache ich mir derzeit nicht, obwohl eine hohe positive Stimmung bei gleichzeitig zurückgehendem Grundvertrauen für die weitere Entwicklung eigentlich ein Warnsignal ist“, bewertet Börsenexperte Heibel erst zu Beginn der Woche die Ergebnisse der Handelsblatt-Dax-Umfrage. Die Positionierung der Anleger sei extrem defensiv. So setzt jeweils nur ein kleiner Teil auf steigende oder fallende Kurse.

Die meisten würden die heutige Entwicklung im Dax als Seitwärtsbewegung betrachten und gehen auch für die kommenden Monate von einer Seitwärtsbewegung aus. „Aus dieser hohen Neutralität entstammen selten heftige Kursausschläge“, meint der Animusx-Inhaber. Basis für Heibels Dax-Prognosen ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2.300 Anlegern.

Zudem gibt es im Moment etwa auf dem Anleihemarkt keine attraktiven Alternativen. Zuletzt blieb selbst bei Neunjährigen Bundesanleihen eine negative Rendite. Und die zehnjährige Bundesanleihe steht selbst mit einem Kurs von 0,16 Prozent nur knapp vor der Nullrendite. Das treibt nicht zuletzt Investoren stärker in Aktien.

Einen ähnlich guten Lauf wie zuletzt verzeichnete der Dax zuletzt Mitte Februar. Damals kämpfte sich der deutsche Leitindex binnen anderthalb Wochen von seinem Jahrestiefstand ebenfalls um 800 Punkte nach oben. Doch im Gegensatz zu damals überschritt der Dax damals nicht die 200-Tage-Linie.

Nicht nur diese nimmt Andreas Paciorek vom Online-Broker CMC Markets zum Anlass für einen positiven Ausblick. Auch von der Politik der Europäischen Zentralbank erhofft er sich in naher Zukunft Stabilität für die Börse. „Der Markt erwartet von der am Donnerstag stattfindenden EZB-Sitzung so gut wie keine Überraschungen oder zusätzliche Maßnahmen“, schreibt Paciorek in einem Kommentar. „Somit besteht von dieser Seite her kein Enttäuschungspotenzial.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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