Dax-Umfrage: Anleger halten Ausverkauf für einen Fehler

Dax-Umfrage: Anleger halten Ausverkauf für einen Fehler

, aktualisiert 11. April 2016, 14:11 Uhr
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Ein Bulle, Symbol für steigende Kurse, steht vor der Dax-Anzeigetafel in Frankfurt. Derzeit hängt für die Kurse am Aktienmarkt viel von der weiteren Entwicklung des Euro-Dollar-Verhältnisses ab.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Der deutsche Leitindex ist fair bewertet und auch die Konjunkturaussichten sind positiv. Dennoch ist der Dax in der vergangenen Handelswoche gefallen. Die weitere Entwicklung hängt von einem anderen Faktor ab.

Für deutsche Anleger war die vergangene Handelswoche schwer zu verstehen: Konjunkturell sieht es in Deutschland und Europa nicht schlecht aus, auch die Prognosen machen durchaus Mut auf steigende Kurse.

Zumal auch die fundamentale Bewertung an der Börse stimmt: Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von 12,47 ist das Niveau nicht zu hoch. Dennoch verkaufen vor allem internationale Anleger Dax-Aktien. Das deutsche Börsenbarometer fiel in der vergangenen Woche um 1,8 Prozent.

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Doch nicht nur die Kurse sind weiter eingebrochen, sondern auch die Anlegerstimmung ist wiederum gefallen. Das zeigt die aktuelle Auswertung des Handelsblatts-Dax-Sentiments, eine Umfrage unter mehr als 2300 Anlegern.

Die wöchentliche Erhebung analysiert der Sentimentexperte Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Daraus leitet er eine Prognose ab, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte.

Die kurzfristige Stimmung hat trotz des deutlichen Rückgangs aber noch kein extremes Niveau erreicht. Um 15 Prozentpunkte sind Anleger aus dem Lager der Neutralen, die eine Seitwärtsbewegung erkennen, nun ins Lager der Pessimisten gewechselt.

Mehr als jeder Dritte sieht aktuell einen Abwärtstrend. Weitere neun Prozentpunkte bei den Anlegern haben ihre gute Laune verloren und hoffen nun darauf, dass die aktuelle Bewegung bereits als Bodenbildung betrachtet werden kann.

Für einen großen Teil der Anleger kam der Dax-Rückgang in der Vorwoche überraschend. (plus 16 Prozentpunkte auf 25 Prozent). Weitere 35 Prozent sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt. Nur noch 40 Prozent sehen sich in ihren Erwartungen bestätigt – ein Rückgang von 20 Prozentpunkten. „Die Selbstgefälligkeit hat mit diesem Umfrageergebnis bereits ein extremes Niveau erreicht, wie wir es zuletzt Mitte Februar im Rahmen der heftigen Neujahrskorrektur gesehen haben“, meint Heibel.


Anleger sind stark verunsichert

Die Handelsblatt-Umfrageteilnehmer sind zwar stark verunsichert, halten den Ausverkauf jedoch für einen Fehler. Anders kann man das Umfrageergebnis zu den künftigen Erwartungen nicht interpretiert: In drei Monaten sehen nur noch 22 Prozent (minus vier Prozentpunkte) einen Abwärtsimpuls, während 29 Prozent einen Aufwärtsimpuls erwarten.

Die meisten gehen von einer Seitwärtsbewegung aus (unverändert 37 Prozent) und jeder Zehnte erwartet eine Bodenbildung. Diese Zuversicht ist aufgrund der geringeren Pessimisten leicht angestiegen.

Dementsprechend wollen denn auch mit 23 Prozent zwei Prozentpunkte mehr Anleger als in der Vorwoche in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, 17 Prozent wollen verkaufen. Mit 60 Prozent sind sich jedoch die allermeisten derzeit noch nicht sicher, wie sie sich in den kommenden zwei Wochen verhalten werden, warten also erst einmal ab.

„Bereits in den Vorwochen hatte ich aufgezeigt, dass die vielen kleinen Rücksetzer im Dax von Anlegern umgehend für Käufe genutzt wurden“, meint Heibel. Letztlich spreche vieles für steigende Kurse, insbesondere nach der heftigen Kurskorrektur in den ersten Wochen des neuen Jahres, die das Kursniveau deutlich zurückholte.

„Irgendwann waren nun alle Anleger investiert und entsprechend bullisch wurde die Stimmung“, erinnert sich der Sentimentexperte. Er hatte Ende des Monats Februar 2016, als der Dax bei 9400 Punkten stand, steigende Kurse prognostiziert.

In den vergangenen Wochen hat sich aber ein Faktor geändert. Die US-Notenbank verabschiedete sich von der erwarteten US-Zinswende und beendete damit die Dollarstärke. Die Folge: Der Euro stieg von 1,09 auf 1,14 US-Dollar an und bleibt auf diesem Niveau.


Währungskurse bestimmen den Aktienmarkt-Entwicklung

„Damit ist der Euro noch lange nicht zu teuer gegenüber dem US-Dollar“, meint der Experte. Die Kaufkraftparität pendele seit Jahren um 1,15 US-Dollar, doch viele internationale Anleger hatten aufgrund des billigeren Euros in der vergangenen Monaten in die deutschen Exportunternehmen investiert.

Diese internationalen Anleger würden nun ihre Engagements in den Dax verringern. Diesem Verkaufsdruck hätten die deutschen Anleger nichts mehr entgegen zu setzen, sie sind ja schon investiert.

Also hänge der weitere Verlauf des Dax eher vom Wechselkurs als von der Stimmung unter den deutschen Anlegern ab. Sollte der Verkaufsdruck abebben und sich das deutsche Börsenbarometer wieder in Richtung 10.000 Punkte erholen, dann würden diese internationalen Anleger erneut einen Blick auf Dax-Aktien werfen und möglicherweise die Rally weiter anheizen. Steige der Euro jedoch noch ein wenig weiter, dann könnten weitere Verkäufe nochmals für ein schnelles Abrutschen in Richtung 9.000 Punkte sorgen.

Und wie sieht die Prognose für den Euro aus? In der ausführlicheren Sentimentumfrage des Anlaysehauses Animusx gibt es Hinweise, dass die akute US-Dollarschwäche nun vorerst beendet sein sollte, der Euro dürfte wieder ein wenig schwächer werden. Das spricht für ein Ende der Korrektur und einen erneuten Anlauf in Richtung 10.000 Punkte. Und würde auch für die Prognose der Vorwoche sprechen, als Heibel eine Korrektur von kurzer Dauer prognostizierte.

Die Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist

Quelle:  Handelsblatt Online
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