Dax-Umfrage: Anleger machen einen Freudensprung

Dax-Umfrage: Anleger machen einen Freudensprung

, aktualisiert 18. April 2016, 16:23 Uhr
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Händler vor der Dax-Anzeigetafel: Die Rally der vergangenen Woche hat die Anlegerstimmung deutlich aufgehellt.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Nach der Börsenrally der Vorwoche hat sich die Stimmung deutlich aufgehellt. Und ein Ende der Kursgewinne ist nicht in Sicht. Eine exklusive Analyse zeigt, bei welchen Dax-Ständen die besten Kaufkurse erreicht werden.

DüsseldorfVor einer Woche hatte Börsenexperte Stephan Heibel eine schnelle Eroberung der 10.000er-Marke beim Dax in Aussicht gestellt. Tatsächlich ist der deutsche Leitindex in der vergangenen Woche um 4,5 Prozent auf 10.052 Punkte angesprungen. Es war der zweitgrößte Wochengewinn des laufenden Jahres.

Auslöser für die Rally waren überraschend gute Im- und Exportzahlen aus China. Doch die Intensität der Kursgewinne war nur aufgrund der vorhergehenden Korrektur Anfang April möglich. Vor zwei Wochen laute das Motto: „Wer hoch springen möchte, der muss zuvor tief in die Knie gehen“ – und genau das hat der Dax nun getan. So lautet noch am 4. April Heibels Prognose: „Eine mögliche Korrektur dürfte überschaubar bleiben“. Im Anschluss sei es möglich, dass der Dax deutlich über die Marke von 10.000 Punkten steigt – deutlicher als in den Vorwochen. Im März lag das deutsche Börsenbarometer noch bei 10.115 Zählern, ehe im April die Zwischenkorrektur startete.

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Basis für Heibels Dax-Prognosen ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2.300 Anlegern. Der Inhaber des Analysehauses Animusx betrachtet die Ergebnisse vor allem als Kontraindikatoren. Sehr vereinfacht gesagt: Sind Anleger zu pessimistisch, ist das eher ein Indiz für bald steigende Kurse. Der Grund: Viele haben dann ihre Aktien bereits verkauft, und neue Käufe führen schnell zu höheren Kursen. Allerdings werden bei der letztendlichen Prognose weitere Indikatoren berücksichtigt.

Laut der aktuellen Umfrage haben die jüngsten Kursgewinne die Stimmung unter den Anlegern kräftig aufgehellt. Aus Niedergeschlagenheit (Abwärtsimpuls minus 26 Prozentpunkte auf elf Prozent) wurden bei einem Viertel der Umfrageteilnehmer binnen Wochenfrist Glücksgefühle. So erkennt nur noch gut jeder Zehnte einen Abwärtsimpuls – ein Minus um 26 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche. Und 30 Prozent sehen in der aktuellen Entwicklung einen Aufwärtsimpuls – ein Plus von 23 Prozentpunkten.

Diejenigen, für die die jüngste Korrektur im Rahmen einer übergeordneten Seitwärtsbewegung lag, erkennen nun auch die Wochenrally als Bestandteil der Seitwärtsbewegung (minus zwei Prozentpunkte auf 40 Prozent). Eine Bodenbildung ist nach Meinung der Anleger abgeschlossen (minus acht Prozentpunkte auf fünf Prozent). Jetzt sehen die ersten schon wieder eine Topbildung (plus 13 Prozentpunkte auf 14 Prozent). „Das kurzfristige Sentiment hat einen Freudensprung vollzogen, befindet sich jedoch noch nicht in Extrembereichen“, meint Heibel.


Zuversicht der Anleger sinkt

Insbesondere der Selbstzufriedenheit der Anleger hat die Dax-Rally gut getan: Jeder Zweite fühlt sich in seiner Erwartung zum größten Teil bestätigt. Weitere 13 Prozent haben genau auf dieses Szenario gesetzt. Nur noch jeder Vierte sieht seine Erwartungen als kaum erfüllt und weitere elf Prozent wurden von dem heftigen Anstieg völlig überrascht. Damit ist die Selbstzufriedenheit aus der vorhergehenden völligen Verunsicherung in einen neutralen Bereich angestiegen.

Die Entwicklung der Erwartungen macht jedoch nachdenklich: Fast jeder Vierte erwartet für den Dax in drei Monaten eine Rally, weitere neun Prozent gehen zu diesem Zeitpunkt von einer Topbildung aus. Gleichfalls jeder Vierte fürchtet einen Abwärtsimpuls. Die meisten jedoch gehen von einer übergeordnetes Seitwärtsbewegung aus (39 Prozent). Damit ist die Zuversicht vor dem Hintergrund der Rally der abgelaufenen Woche leicht zurückgekommen. Entsprechend möchte nun jeder Fünfte in den kommenden zwei Wochen Aktienpositionen verkleinern, jeder Vierte möchte zukaufen. Mit 57 Prozent warten die meisten vorerst ab.

„Ernsthafte Sorgen über die künftige Kursentwicklung des Dax mache ich mir derzeit nicht, obwohl eine hohe positive Stimmung bei gleichzeitig zurückgehendem Grundvertrauen für die weitere Entwicklung eigentlich ein Warnsignal ist“, bewertet der Börsenexperte die Umfrageergebnisse. Aber die Positionierung der Anleger sei extrem defensiv, jeweils nur ein kleiner Teil setzt auf steigende oder fallende Kurse. Die meisten würden die heutige Entwicklung im Dax als Seitwärtsbewegung betrachten und gehen auch für die kommenden Monate von einer Seitwärtsbewegung aus. „Aus dieser hohen Neutralität entstammen selten heftige Kursausschläge“, meint der Animusx-Inhaber.

Seine Meinung steht im Gegensatz zu denen anderer Experten. So hält das Unternehmen Sentix, das ebenfalls eine entsprechende Umfrage durchführt, die verbesserte Stimmung für ein Warnzeichen. „Der Sprung über die 10.000-er-Marke hat zu einer Sentimentverbesserung um rund 40 Prozentpunkte geführt“, schreiben die Analysten ihn ihrer aktuellen Kommentierung. „Ein solche Verbesserung innerhalb einer Woche war in der Vergangenheit selten ein positives Omen für den Markt“.


Korrektur hat viele auf dem falschen Fuß erwischt

Für Heibel hingegen hat die heftige Korrektur zum Jahresauftakt viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Bis Mitte Februar wurden viele „schwache Hände“ aus dem Markt gedrängt. Seither klettere der Dax unter teils heftigen Schwankungen, wie wir auch in den vergangenen beiden Wochen erleben durften, immer weiter nach oben. „Die Tiefs sind immer höher, die Hochs scheitern fortlaufend an 10.100 Punkten.“, beschreibt der Sentimentexperte die Kursentwicklung.

Seiner meiner Einschätzung nach sei es nur eine Frage der Zeit, bis die 10.100 Punkte nach oben übersprungen werden und sodann eine Reihe von bislang neutral eingestellten Anlegern zum Kauf zwingt. „10.300 bis 10.400 Punkte sind dann schnell erreicht“, betont er.

Der heutige Rückschlag durch die gescheiterten Verhandlungen der Ölförderländer in Doha dürfte seiner Meinung nach schnell vorüber gehen, denn wirklich überraschend sei das Scheitern nicht. Geichzeitig haben sich Angebot und Nachfrage am Ölmarkt in den vergangenen Wochen vorteilhaft entwickelt, so dass eine Rückkehr zu einem Ölpreis unter 30 US-Dollar pro Fass WTI-Öl vorerst unwahrscheinlich bleibe.

Auch der US-Dollar habe seine Kursschwäche beendet, das Wechselkurspaar pendelt sich nun auf einem fairen Niveau zwischen 1,10 und 1,15 Euro ein, was für beide Volkswirtschaften der USA und Europas vorteilhaft sei. Trotz teils verheerend schlechter Quartalszahlen in der abgelaufenen Woche steigen Kurse an den Aktienmärkten deutlich.

„Wenn ich all diese Entwicklungen zusammen nehme, geht für mich daraus hervor, dass der nächste Ausbruch des Dax nach oben erfolgen wird und nicht nach unten.“ Die heutige Konsolidierung zur heutigen Börseneröffnung und eventuell weiterhin schwache Kurse bis 9.800 Punkte im weiteren Wochenverlauf seien für ihn daher Kaufkurse.

Quelle:  Handelsblatt Online
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