Dax-Umfrage: Anleger schwimmen auf der Euphoriewelle

Dax-Umfrage: Anleger schwimmen auf der Euphoriewelle

, aktualisiert 25. April 2016, 15:11 Uhr
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Ein Börsenspezialist lacht vor der Anzeigetafel der Wertpapierbörse in Frankfurt: Die vergangene Woche verlief für Anleger ebenfalls erfreulich.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Nach der Rally der Vorwoche hat der Leitindex mehr als 100 Punkte verloren. Ende der Kursgewinne oder nur Korrektur? Laut exklusiver Analyse könnten sich Chancen bieten, die sich Anleger nicht entgehen lassen sollten. 

DüsseldorfVergangene Woche war ein großer Teil der Anleger, die bei der Handelsblatt-Sentimentumfrage mitmachen, neutral eingestellt, erwarteten also keinen großen Kursverluste oder -gewinne.  Börsenexperte Stephan Heibel, der die wöchentliche Stimmungsumfrage unter mehr als 2300 Anlegern interpretiert, schloss daraus: Der nächste Ausbruch des deutschen Börsenbarometers erfolgt nach oben.

Seiner Einschätzung nach war es nur eine Frage der Zeit, bis die 10.100 Punkte nach oben übersprungen werden und dann eine Reihe von bislang neutral eingestellten Anlegern zum Kauf zwingt. „10.300 bis 10.400 Punkte sind dann schnell erreicht“, betonte er am vergangenen Montag. Mit dieser Meinung lag der Inhaber des Analysehauses Animusx konträr zu vielen anderen Stimmungsumfragen.

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Doch er beschrieb die vergangene Handelswoche exakt: Mit einem Wochenplus von 3,2 Prozent schoss der Index auf 10.374 Punkte, zwischenzeitlich kletterte der Börsenindex sogar bis auf 10.469 Punkte.

Zum Ende der vergangenen Woche korrigierte der Dax leicht. Geben die aktuellen Umfrageergebnisse einen Hinweis darauf, dass es sich nur um eine Korrektur handelt und der deutsche Leitindex seine Rally schon bald wieder fortsetzen wird?

„Das Barometer zur aktuellen Börsenstimmung ist deutlich nach oben geklettert, das ist schon Euphorie“, erläutert Heibel. Euphorische Anlegerstimmung an sich ist ein Indikator für bald fallende Kurse. Doch für seine Auswertung berücksichtigt der Sentimentexperte weitere Aspekte.    

Mittlerweile sehen 44 Prozent den Dax aktuell in einer Rally, 15 Prozentpunkte mehr als noch vor einer Woche. Gut jeder Fünfte sieht den Index in einer Topbildung, ein Plus von sieben Prozentpunkten.  Die verbleibenden Anleger halten sich an der Hoffnung fest, dass der Dax noch immer in einer übergeordneten  Seitwärtsbewegung verläuft (minus 13 Prozentpunkte auf 27 Prozent).


Börse ist nicht mehr so robust wie vor einer Woche

Auch die Selbstzufriedenheit ist deutlich angesprungen. Nachdem die Korrektur im Dax Anfang April umgehend Angst und Schrecken in die Gesichter der Anleger zauberte, führt die nun vollzogene Rally zu einem selbstzufriedenen Lächeln. 22 Prozent der Umfrageteilnehmer (plus neun Prozentpunkte) haben das voll und ganz erwartet, weitere 46 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) fühlen sich mehr oder weniger bestätigt. Nur noch jeder Zehnte wurde von der Rally völlig überrascht, und 22 Prozent sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt.

Doch gleichzeitig sinkt die Zuversicht, dass die Kurse auf Sicht von drei Monaten weiter steigen. So kann das nicht ewig gehen, haben sich zwei Prozentpunkte der Anleger gesagt und sind vom Lager der Optimisten direkt ins Lager der Pessimisten gewechselt. Nur noch gut jeder Fünfte erwartet für den Dax in drei Monaten weiter steigende Kurse, jeder Vierte hingegen stellt sich auf tiefere Kurse ein. Weiterhin bleibt die Mehrzahl vorsichtig neutral, 40 Prozent erwarten eine  Seitwärtsbewegung.

Diese neutrale Haltung spiegelt sich auch in der Investitionsbereitschaft wider. Nur gut jeder Vierte will in den kommenden zwei Wochen Aktienpositionen ausbauen, 18 Prozent wollen verkaufen. Hingegen sind 59 Prozent unentschlossen, wie sie sich in den kommenden Tagen verhalten werden.

Für Heibel ist die Verfassung der Börse zwar nicht mehr so robust wie noch vor einer Woche, aber wirkliche Gefahr droht auch nicht. Immerhin sind seiner Ansicht nach Anleger in der Lage, gute von schlechten Quartalszahlen zu unterscheiden und stürmen nicht panisch zum Ausgang, wenn eine schwache Zahl veröffentlicht wird.

Vor zwei Wochen hatten viele Banken schlechte Quartalszahlen veröffentlicht, die Kurse der  Banken waren im Anschluss dennoch gestiegen. „Dies war für mich ebenfalls ein Indiz für die gute Börsenverfassung“, meint der Börsenexperte. In der nun abgelaufenen Woche haben eine Reihe von Tech-Unternehmen schwache Zahlen veröffentlicht, deren jeweiliger Aktienkurs ist im Anschluss kräftig eingebrochen (Google, Microsoft, Netflix). Doch der Ausverkauf blieb auf die jeweiligen Unternehmen beschränkt, die Branche wurde nicht in Sippenhaft genommen.


„Rückschläge sind Kaufgelegenheiten“

„Diese Euphorie unter den Anlegern, die wir diese Woche erstmals in diesem Jahr messen, sollte uns zwar zur Vorsicht mahnen, doch Euphorie allein ist kein hinreichendes Signal für einen anstehenden Ausverkauf“, erläutert der Sentimentexperte. Solch eine Stimmung kann durchaus das Gegenteil bedeuten. Denn  Euphorie in Folge von steigenden Kursen sei eine rationale Reaktion der Anleger. So dauerte beispielsweise Anfang 2015 eine euphorische Anlegerstimmung mehrere Monate, während die Rally sich immer weiter fortsetzte.

Damals war auch das Grundvertrauen in die Börse nach den ersten Kursgewinnen sehr schnell eingebrochen: Das war’s, glaubten unsere Umfrageteilnehmer bereits nach 20 Prozent Kursgewinn im Dax Ende Januar 2015, es folgten aber weitere 25 Prozent bis zum Frühjahr 2015. „Der schönste Teil der Rally könnte uns also erst noch bevorstehen“, meint der Animusx-Inhaber.

Doch auf der Gegenseite nimmt die Brexit-Diskussion Fahrt auf und dürfte in den kommenden Wochen zunehmend zu einer Belastung werden. Gleichzeitig kristallisiert sich Hillary Clinton immer mehr als Favoritin für die kommende Präsidentschaftswahl in den USA heraus, eine Präsidentin, die für Stabilität stünde und von Börsianern begrüßt würde. Konjunkturell läuft es weltweit besser, oder anders formuliert: nicht ganz so schlecht wie befürchtet. Entsprechend führen zyklische Aktien und Rohstoffe derzeit die Börsenrally an.

 „Für mich stehen die Zeichen daher weiterhin auf steigende Kurse“, meint Heibel.  Allerdings sei  aufgrund der Euphorie sowie der nun langsam aktuell werdenden Brexit-Diskussion jederzeit ein Rückschlag möglich. „Rückschläge bleiben daher für mich Kaufgelegenheiten, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten“, lautet sein Rat.

Einen erneuten Besuch des Dax bei 10.100 Punkte, seinem Ausbruchsniveau der Vorwoche,  würde er als Verschnaufpause bezeichnen. Einen Rückschlag bis auf 9.900 Punkte als Korrektur im Rahmen des intakten Aufwärtstrends. Erst wenn der Dax tiefer fallen sollte, sei eine neue Einschätzung notwendig. Heibel Prognose: „Nach oben ist auf Wochensicht nun Platz bis 10.800 Punkte.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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