Dax-Umfrage: Die Angst schwindet

Dax-Umfrage: Die Angst schwindet

, aktualisiert 21. März 2016, 11:41 Uhr
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Ein Händler an der Frankfurt Börse vor der Dax-Anzeigentafel: Die Angst unter den Anlegern geht zurück, die Käufer kommen zurück.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Die Anlegerstimmung hat sich weiter aufgehellt, ist aber von einer gefährlichen Euphorie noch weit entfernt. Ganz anders die Situation in den USA. Was das für die Dax-Entwicklung bedeutet, zeigt eine exklusive Analyse.

DüsseldorfVom Ergebnis her war die vergangene Börsenwoche eine ruhige: Der Dax legte lediglich 0,9 Prozent auf 9924 Punkte zu, allerdings unter deutlichen Schwankungen. Am Donnerstag nach der Entscheidung der US-Notenbank Fed verlor der Dax schnell mehr als 200 Punkte und rutschte unter die Marke von 9800 Zählern, eher wieder die Aufholjagd begann.

Diese deutlichen Schwankungen hatte Börsenexperte Stephan Heibel am vergangenen Montag vorausgesagt. Unter der Überschrift „Das war nur ein Vorgeschmack“ gab er vergangene Woche die Empfehlung: „Es ist es sicherlich ratsam, erst einmal die ausstehenden Notenbankentscheidungen abzuwarten, bevor Sie sich für die eine oder andere Richtung im Dax positionieren.“

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Basis für seine Erwartungen zur Dax-Entwicklung ist das Handelsblatt-Sentiment, eine wöchentliche Umfrage unter mehr als 2300 Anlegern. Der Inhaber des Analysehauses Animusx betrachtet die Ergebnisse vor allem als Kontraindikatoren. Vereinfacht gesagt: Sind Anleger zu pessimistisch, ist das eher ein Indiz für bald steigende Kurse. Weil dann viele ihre Aktien bereits verkauft haben und neue Käufe schnell zu höheren Kursen führen.

Und was hat die Fed nun in der vergangenen Woche entschieden? Laut der aktualisierten Prognose der US-Notenbank über die Inflationsentwicklung ist im laufenden Jahr statt der bislang erwarteten vier nur noch mit zwei Zinsanhebungen zu rechnen.. Das somit niedrigere Zinsniveau der USA schwächte umgehend den US-Dollar. Der Greenback verlor wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Fed-Entscheidung gegenüber dem Euro 2,5 Prozent.

Hintergrund: Ein schwacher US-Dollar stützt die Exporte der USA, im Gegenzug belastet ein stärkerer Euro die deutschen Exportunternehmen. Entsprechend legte der Dow Jones binnen weniger Stunden um 2,7 Prozent zu, der Dax hingegen verlor 2,9 Prozent. „Vor diesem Hintergrund ist auch die Handelsblatt-Umfrage in dieser Woche differenziert zu betrachten“, meint der Sentimentexperte.


Anleger wollen verstärkt investieren

Die Stimmung unter den Handelsblatt-Lesern hat sich aktuell zwar weiter aufgehellt, ist jedoch von Euphorie wie in den USA noch weit entfernt. Denn der amerikanische Fear & Greed (Angst & Gier) Sentimentindex notiert wieder so hoch wie zuletzt im Frühjahr sowie im Herbst vergangenen Jahres. Wenngleich dieser hohe Sentiment-Stand nicht sofort zu fallenden Kursen führte, so waren vom damaligen Niveau aus kaum mehr Kurssteigerungen möglich.

Ganz anders die Situation beim Handelsblatt-Sentiment. Eine Abwärtsbewegung sieht nur noch jeder zehnte Umfrageteilnehmer – sieben Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Mit 44 Prozent (plus acht Prozentpunkte) hingegen sehen die meisten den Dax in einer Seitwärtsbewegung. Weitere 28 Prozent betrachten die aktuelle Dax-Bewegung als Aufwärtsimpuls.

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (56 Prozent, plus zehn Prozent gegenüber der Vorwoche ) sehen sich in ihrer Einschätzung der Dax-Entwicklung mehr oder weniger bestätigt, weitere zehn Prozent sogar voll bestätigt. Nur noch jeder Dritte wurde überrascht. „Die Selbstgefälligkeit ist damit im neutralen Bereich, denn es ist durchaus normal, dass Anleger steigende Kurse als Bestätigung für ihre Aktienpositionierung wahrnehmen“, interpretiert Heibel diese Zahlen. „Eine gefährliche Selbstüberschätzung kann ich noch nicht feststellen“.

Auch die Zuversicht ist noch nicht zu hoch – ablesbar an den Antworten, welche Situation an den Aktienmärkten in drei Monaten herrscht. Ein Drittel erwartet dann eine Seitwärtsbewegung im Dax, ein weiteres Drittel einen Aufwärtsimpuls und noch immer jeder Vierte fürchtet einen Abwärtsimpuls. Die anderen erwarten eine Top- oder eine Bodenbildung.

„Stimmung, Selbstgefälligkeit und Zuversicht notieren zwar im neutralen Bereich, die Angst, Verunsicherung und Pessimismus nehmen jedoch weiter ab“, analysiert der Sentimentexperte. Dadurch fühlen sich Anleger ermutigt, weitere Positionen aufzubauen. 29 Prozent der Teilnehmer (plus fünf Prozentpunkte gegenüber Vorwoche ) wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, nur 14 Prozent (minus ein Prozentpunkt) wollen verkaufen. Mit 57 Prozent warten die meisten Anleger jedoch vorerst noch weiter ab.


Ausländische Investoren interessieren sich für Deutschland

Für den Sentimentexperten hat sich die Stimmung unter deutschen Anlegern deutlich aufgehellt. „Doch es ist keine Euphorie zu erkennen, die Stimmungsaufhellung ist überwiegend auf schwindende Angst zurückzuführen“, erläutert er. Das sei verständlich, haben doch die Notenbankentscheidungen in Japan, Europa, den USA sowie England in den vergangenen Wochen klar gezeigt, dass etwaige weltweiter Konjunkturprobleme seitens der Geldpolitik aufgefangen werden sollen.

Für Heibel auffällig ist der Stimmungsunterschied zwischen den USA und Deutschland. Die Schwächung des US-Dollars führt in den USA bereits zu Jubelstimmung unter den Anlegern, erste US-Sentimentindikatoren zeigen bereits extreme Gier der Anleger an.

Entsprechend wird auch in den USA insbesondere Deutschland als attraktives Anlageziel hervorgehoben, während hierzulande die Stimmung doch nur neutral ist. Heibels Schlussfolgerung: „Weitere Kursgewinne, initiiert durch Käufe ausländischer Investoren, könnten in den kommenden Tagen einheimische Anleger unter Zugzwang setzen, so dass weiter steigende Kurse möglich sind“.

Was ebenfalls für weiter steigende Kurse spricht: Auf der anderen Seite gibt es inzwischen ein großes Grundvertrauen in die Märkte, dass das Schlimmste überstanden ist. Fallende Kurse würden von deutschen Anlegern ebenfalls für Käufe genutzt werden, da man einen deutlich einbrechenden Dax vorerst nicht mehr fürchtet.

„Alles in allem haben wir somit eine Stimmungslage, die durchaus für weiter steigende Kurse spricht“, meint der Animusx-Inhaber. Eine längst überfällige Konsolidierung dürfte hingegen nur zu kleinen Rückschlägen führen.

Die Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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