Dax-Umfrage: Erste Anleger bekommen Höhenangst

Dax-Umfrage: Erste Anleger bekommen Höhenangst

, aktualisiert 07. März 2016, 16:17 Uhr
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Kletterer mit Helm an der einer Felswand: Nach den deutlichen Kursanstiegen in den vergangenen Tagen zweifeln nun erste Anleger, dass die Gewinne so weiter gehen.

Quelle:Handelsblatt Online

Für Teilnehmer an der Stimmungsumfrage kam die Rally in der vergangenen Woche nicht überraschend. Und sie begleiten den Anstieg mit Skepsis. Was das für die kommenden Handelstage bedeutet, zeigt eine exklusive Analyse.

Unter der Überschrift „Ich sehe Kaufkurse“ stellte Börsenexperte Stephan Heibel am Montag vergangener Woche eine konstruktive Entwicklung in der Anlegerstimmung fest und erklärte die Baissephase der vorhergehenden zwei Monate vorerst für beendet. Es war exaktes Timing: Bereits am vergangenen Dienstag (1.3.) stieg der deutsche Leitindex um mehr als 300 Punkte, in der abgelaufenen Woche konnte der Dax 3,3 Prozent auf 9.824 Punkte zulegen.

Basis für seine Dax-Prognosen ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2.300 Anlegern. Der Inhaber des Analysehauses Animusx betrachtet die Ergebnisse vor allem als Kontraindikatoren. Vereinfacht gesagt: Sind Anleger zu pessimistisch, ist das eher ein Indiz für bald steigende Kurse. Weil dann viele ihre Aktien bereits verkauft haben und neue Käufe schnell zu höheren Kursen führen.

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Doch wie geht es weiter? Welche Spuren hat die gute Dax-Performance in der Anlegerstimmung hinterlassen?

Kurzfristig ist die Stimmung mit den höheren Kursen natürlich gestiegen - ein üblicher Vorgang. Mit 39 Prozent sehen die meisten Anleger nun den Dax in einem Aufwärtsimpuls - ein Plus von 18 Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche. Das Lager derer, die noch immer an einen Abwärtsimpuls glauben, leert sich auf neun Prozent. Vor einer Woche waren es noch 18 Prozent. Auch die Bodenbildung halten 14 Prozent für abgeschlossen. Und nach wie vor sehen 29 Prozent den Dax in einer übergeordneten Seitwärtsbewegung.

Außerdem: Anleger sind selbstgefälliger geworden. Das ist an den Antworten auf die Frage ablesbar, ob die Kursentwicklung der vergangenen Woche den Erwartungen entsprach. „Ja eigentlich habe ich die Dax-Rally mehr oder weniger erwartet“, sagen die Umfrageteilnehmer. Was nicht weiter überraschen kann: Selbstverständlich sind steigende Kurse erwartet worden, denn kaum jemand hat sein Depot in der Baisse der vergangenen zwei Monate vollständig liquidiert.


Viele Anleger warten auf Einstiegskurse

Doch „voll und ganz“ hatten nur 15 Prozent die Rally der Vorwoche erwartet, mit 56 Prozent (plus sechs Prozentpunkte) geben die meisten an, dass ihre Erwartungen „zum größten Teil“ erfüllt wurden. Nur noch jeder Fünfte hat eine Seitwärtsbewegung vorhergesehen und knapp jeder Zehnte wurde auf dem falschen Fuß erwischt.

Nach einer solch fulminanten Rally bekommen die ersten Anleger bereits Höhenangst. Nur noch jeder Dritte glaubt an eine steigende Aktienbörse in drei Monaten. Jeder Zehnte erwartet dann bereits eine Topbildung, von der aus anschließend die Kurse wieder fallen. Unverändert erwarten 30 Prozent in drei Monaten eine Seitwärtsbewegung und immerhin wieder 18 Prozent gehen dann von fallenden Kursen aus.

Dennoch hält jeder dritte Anleger an seinem Kaufvorhaben in den kommenden Tagen fest. Die meisten Anleger (57 Prozent) wollen jedoch erst einmal abwarten und nur jeder Zehnte will schon wieder verkaufen.

„Auf dem aktuellen Kursniveau nach der fulminanten Dax-Rally seit Mitte Februar wollen viele Anleger noch einsteigen“, analysiert Heibel das Umfrageergebnis. Doch nicht zum aktuellen Kursniveau, sondern lieber im Rahmen eines Rücksetzers, denn die Zuversicht an einen nachhaltig steigenden Dax wird kleiner.

Laut den Ergebnissen der ausführlicheren Sentimentumfrage von Animusx ist die Marke von 9.300 Punkten beim Dax ein bevorzugtes Einstiegsniveau der Anleger. Doch ob der deutsche Leitindex noch auf ein solches Niveau fällt, ist schwer zu prognostizieren. Zumindest spricht die hohe Nachfrage bei einem niedrigeren Kursniveau dafür, dass die Baisse vorerst beendet ist.


Sechs Probleme haben den Markt belastet

„Es ist durchaus typisch für eine Rally, dass die Zuversicht nun deutlich abfällt“, erläutert der Börsenexperte. Noch Mitte Februar, als der deutsche Leitindex mit rund 8.700 Punkten sein Jahrestief markierte, war die Glaube deutlich stärker, dass drei Monate später die Kurse wieder steigen. Doch nun werden die großen Kurssprünge ungläubig zur Kenntnis genommen, denn die Probleme, die in den vergangenen Wochen die Gespräche dominiert haben, sind noch allzu präsent.

Doch die Realität sieht anders aus. Heibel hat in seinem Börsenbrief Anfang Januar eine Checkliste mit sechs Problemen erstellt, die erst einmal gelöst werden müssen, bevor ein Ende der Baisse in Sicht kommt. Immerhin drei der sechs Probleme sind gelöst, bei den anderen dreien zeigen sich erste Ansätze auf konstruktive Lösungen.

Erstens: Die US-Notenbank Fed hat Abstand genommen von einer Zinserhöhung im März, mehrere Notenbankmitglieder haben das signalisiert.

Zweitens: Der Ölpreis fällt nicht mehr. Allein schon die Tatsache, dass Russland und Saudi Arabien miteinander reden, hat für einen steigenden Ölpreis gesorgt. Schließlich handelt es sich um die beiden größten Ölförderländer, die sich zudem noch im Krieg in Syrien gegenüber stehen.

Drittens: Chinas Finanzmärkte haben sich stabilisiert. Selbst die schlechtesten Produktionszahlen seit sieben Jahren vermochten den Shanghai A-Index nicht ins Minus zu drücken.

Viertens: Im Syrien-Krieg gibt es nach dem resoluten Eingreifen Russlands nun eine Waffenruhe.

Fünftens: Die US-Dollarstärke ist bereits seit Anfang Februar beendet.

Sechstens: Bei der Anlegerstimmung gab es bereits extreme Ausschläge, die für einen Boden sorgen können. Auch wenn es bislang noch keine Panik gab, die oft den Weg für eine Trendwende bereitet.

Diese Probleme können nach Meinung von Heibel jederzeit erneut auf die Tagesordnung kommen. „Doch vorerst geht die Entwicklung in die richtige Richtung und entsprechend dürften wir den Boden der Baisse gesehen haben“.

Die Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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