Dax-Umfrage: Heftiger Stimmungseinbruch

Dax-Umfrage: Heftiger Stimmungseinbruch

, aktualisiert 04. April 2016, 15:22 Uhr
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Ein Börsenhändler schaut auf den Bildschirm im Handelsaal. Die Kursverluste der vergangenen Woche haben für eine schlechtere Stimmung unter den Anlegern geführt.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Die Kursverluste an den Märkten vergangene Woche haben deutliche Spuren bei den Investoren hinterlassen. „Endlich“, meint Sentimentexperte Stephan Heibel und erläutert in einer exklusiven Analyse die Auswirkungen.

„Anleger haben ihr Pulver verschossen“, lautete die Schlagzeile zur aktuellen Börsenstimmung in der vergangenen Woche. So prognostizierte Sentimentexperte Stephan Heibel am vergangenen Montag, dass es derzeit wenig Kaufinteresse der Anleger gab, um ein nachhaltiges Überspringen der 10.000 Punkte zu ermöglichen. Schließlich seien zu viele Anleger bereits seit Mitte März eingestiegen. „Sackt der Index nach dem Osterwochenende unter die 9.800 Punkte, ist mit keiner Kauffreude zu rechnen, die Schlimmeres verhindern würde“, meinte Heibel damals.

So kam es dann auch: In der nun abgelaufenen Woche gab der Ölpreis nach und riss zum Ende den Dax mit in den Keller. Binnen zwei Tagen brach der deutsche Leitindex um vier Prozent auf von 10.089 auf 9.686 Punkte ein.

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Für seine Prognosen wertet Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern aus. Dabei sind die Ergebnisse in vielen Fällen als Kontraindikator zu sehen. Ist beispielsweise die aktuelle Stimmung zu optimistisch, ist dies ein Indiz für fallende Kurse, weil viele Anleger bereits investiert sind und als Käufer ausfallen, sollten die Kurse nachgeben.

Und wie ist die aktuelle Stimmung? Der Kurseinbruch der vergangenen Woche hat zu einer heftigen Reaktion. Die Stimmung hat sich deutlich eingetrübt. „Endlich“, ergänzt Heibel.

Denn einen Aufwärtsimpuls sehen nur noch elf Prozent der Ableger. Das sind 14 Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Stattdessen betrachten mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer die derzeitige Börsenlage als Seitwärtsbewegung. Jeder Fünfte erkennt bereits einen neuen Abwärtsimpuls – plus acht Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche.

Da die meisten Anleger eine Seitwärtsbewegung sehen, ist auch die Selbstgefälligkeit unklar. Ablesbar an den Antworten auf die Frage, ob Anleger die Entwicklung an den Börsen rückblickend so erwartet hatten. „Als klare Meinung wird in der Regel die Erwartung steigender oder aber fallender Kurse gesehen, eine Seitwärtsbewegung ist häufig der Ausdruck von Neutralität“, erläutert der Animusx-Inhaber.


Belastet ein fallender Ölpreis die Aktienkurse weiter?

Entsprechend wurden nur sehr wenige Anleger in ihrer Erwartung völlig überrascht (plus vier Prozentpunkte auf neun Prozent) oder auch ganz und gar bestätigt (plus vier Prozent auf elf Prozent). Die Hälfte hat die Entwicklung im Dax so mehr oder weniger erwartet, gut jeder Dritte sieht seine Erwartungen als kaum erfüllt an.

Auch die Zuversicht der Anleger – ihre Erwartungen zur Kursentwicklung in der drei Monaten - bleibt neutral. Unverändert gehen 29 Prozent in drei Monaten von steigende Kursen aus. Jeder Vierte erwartet fallende Kurse und 36 Prozent prognostiziert eine Dax-Seitwärtsbewegung.

Entsprechend wissen 62 Prozent noch nicht, ob sie in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, oder aber Positionen verkleinern werden. Lediglich 22 Prozent wollen kaufen, 16 Prozent wollen verkaufen.

Für Heibel könnte dieser Stimmungseinbruch eine Wende an den Aktienmärkten bringen. Denn noch vor einer Woche war das Sentiment nicht geeignet, neues und nachhaltiges Kaufinteresse für den Dax zu erzeugen. Die meisten Anleger waren bereits vor einer Woche investiert. Doch nachdem der Dax Ende März in Richtung 10.100 Punkte stieg, nahmen viele Anleger bei diesen Kursen erst einmal Gewinne mit. In die aufkommenden Sorgen um den fallenden Ölpreis herum wurden dann noch weitere spekulative Positionen aufgelöst, was den Ausverkauf beschleunigte.

Nach Ansicht von Heibel fällt in den kommenden Tagen eine wichtige Entscheidung: Reißt der rückläufige Ölpreis die Aktienbörsen erneut mit sich in den Abgrund, wie es zum Jahresbeginn bei einem Ölpreis von 27 US-Dollar pro Fass bei der US-Sorte WTI der Fall war? Oder sind die negativen Auswirkungen eines so tiefen Ölpreises inzwischen bekannt und vielleicht sogar bereits eingepreist?

„Ich gehe von letzterem aus, denn sämtliche Großbanken haben ihr Engagement an energiepreisabhängigen Finanzierungen inzwischen offengelegt und entsprechende Rücklagen gebildet“, meint der Sentimentexperte. Der Ölpreis fällt zwar in Richtung 30 US-Dollar, da Saudi Arabien vor wenigen Tagen bekräftigt hat, weiterhin ohne Einschränkungen Öl zu fördern. „Doch die nächste Berichtssaison steht bevor und und Unternehmen werden aufgrund der lockeren Geldpolitik wieder optimistischere Prognosen ausgeben.“


"Mögliche Korrektur dürfte überschaubar bleiben"

Eine Rückkehr zum bisherigen Jahrestief bei 8700 Punkten, das der Dax im Monat Februar markierte, erwartet Heibel nicht. Auch die Handelsblatt-Sentimentumfrage lasse einen solchen Rückschlag nicht befürchten, dazu war der Stimmungseinbruch in der abgelaufenen Woche zu heftig. „Für fallende Aktienkurse brauchen wir in der Regel eine überschwängliche Stimmung, weil nur dann Anleger falsch positioniert wären und anschließend panisch verkaufen würden. Diese Konstellation ist derzeit nicht zu sehen“, erläutert er.

Heibels Prognose für die kommenden Tage: Eine mögliche Korrektur dürfte überschaubar bleiben. Im Anschluss sei es möglich, dass der Dax deutlich über die Marke von 10.000 Punkte zu steigt – deutlicher als in den Vorwochen.

Die Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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