Dax-Umfrage: „Ich sehe Kaufkurse“

Dax-Umfrage: „Ich sehe Kaufkurse“

, aktualisiert 29. Februar 2016, 16:37 Uhr
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Ein kleiner Bulle - Symbol für steigende Kurse - aus Plastik steht in Frankfurt am Main im Handelssaal der Börse vor der großen Anzeigetafel. Es mehren sich die Zeichen, dass es an den Aktienmärkten bald wieder aufwärts geht.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Ein Blick auf die aktuelle Börsenstimmung zeigt: Selbst ein weiterer Ausverkauf an den Aktienmärkten dürfte nur noch gering ausfallen. Was Anlegern in den nächsten Handelstagen bevorsteht, zeigt eine exklusive Analyse.

DüsseldorfNoch vor einer Woche gab es für den Börsenexperten Stephan Heibel keinen Grund, überstürzt Aktien zu kaufen. „Doch an schwachen Tagen können Sie meines Erachtens ruhig Aktien einsammeln, denn ein Kollabieren des Dax unter das bisherige Tief bei rund 8700 Punkten ist aufgrund der konstruktiven Entwicklungen nun weniger wahrscheinlich geworden“, riet er. So schwankte der Dax in der vergangenen Wochen deutlich: Das deutsche Börsenbarometer notierte in den vergangenen Handelstagen zwischen 9.578 Zählern auf der Ober- und 9.137 auf der Unterseite.

Doch insgesamt hat sich in der vergangenen Woche die fulminante Dax-Rally seit Mitte Februar bestätigt, der Leitindex ist um weitere 1,3 Prozent gestiegen. Entsprechend haben auch Anleger ihre Niedergeschlagenheit endgültig abgeschüttelt und verhalten sich nun neutral, hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung besteht sogar eine hoffnungsvolle Erwartungshaltung.

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Nur noch 18 Prozent sehen den Dax inzwischen noch immer in einer Abwärtsbewegung – ein Minus von zwölf Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche. Um sechs Prozentpunkte ist das Lager derjenigen gestiegen, die nun eine Seitwärtsbewegungen erkennen. Mit fast jedem dritten Umfrageteilnehmer ist diese Gruppe am größten.

Weiterhin betrachten 27 Prozent die aktuelle Marktsituation als Bodenbildung, von der aus die Kurse wieder steigen werden. Gut jeder Fünfte meint bereits, die nächste Aufwärtsbewegung sei gestartet.

Die Zahlen stammen aus der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 2300 Anlegern. Aus den Ergebnissen leitet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, Prognosen ab, wie sich der Dax in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte. Die Qualität seiner Prognosen ist sehr gut. (Siehe Vergleich Dax-Prognose und Indexentwicklung.)


Steigende Zuversicht bei den Anlegern

In dieser Woche hat sich aber etwas deutlich geändert. Statt stolz zu behaupten, man habe diesen leichten Anstieg im Dax ja so erwartet, gibt die Hälfte der Umfrageteilnehmer lediglich zu, darauf gehofft zu haben. Jeder Vierte sieht seine Erwartung hingegen kaum erfüllt und jeder Zehnte wurde völlig überrascht.

„Für diese doch recht große Verunsicherung trotz des Wochenplus im Dax ist wohl die starke Schwankung verantwortlich“, erläutert Heibel. Der Sentimentexperte bewertet die Entwicklung der sogenannten Selbstgefälligkeit unter den Anlegern „als besonders konstruktiv“.

Die Zuversicht, dass in drei Monaten der Dax weiter steigt, ist größer geworden. Mittlerweile glauben 38 Prozent der Teilnehmer und damit zwei Prozentpunkte mehr gegenüber der Vorwoche daran. Auch die Erwartung einer längeren Seitwärtsbewegung gewinnt mit sechs Prozentpunkten Zulauf und liegt bei 31 Prozent. Entsprechend fürchten nur noch 15 Prozent einen weiteren Abwärtsimpuls, sechs Prozent sehen die Bodenbildung beim Index als abgeschlossen an.

Doch auf dem aktuellen Kursniveau werden wieder weniger Wetten eingegangen. Mit 58 Prozent bleiben die meisten Anleger weiterhin an der Seitenlinie und wartet ab. Jeder Dritte will in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, lediglich jeder Zehnte will auf diesem Niveau noch verkaufen.

Wochenlang hat Stephan Heibel auf Panik unter den Anleger gewartet. Denn Panik ist oft ein Zeichen für eine Trendwende, weil dann viele kurzfristig orientierte Anleger aussteigen. Das sind die „zittrigen Hände“, wie Börsenaltmeister André Kostolany diese Investoren nannte. Danach gibt es nur noch wenige Verkäufer im Markt, einige wenige Käufe reichen bereits, um die Kurse steigen zu lassen.

Doch von der Panik ist bislang keine Spur. „Die Stimmung in den vergangenen Wochen war zwar niedergeschlagen, aber von Panik, die auch die Zuversicht mit nach unten reißt, war nichts zu sehen“, erläutert Heibel. Doch jetzt zeigt sich ein anderes Bild. In der vergangenen Woche hat sich die Selbstgefälligkeit wieder zurückentwickelt, deutlich weniger hatten die Indexentwicklung so erwartet - obwohl der Dax gestiegen ist.


Es fehlt noch ein Katalysator

„In der Regel steigt die Selbstgefälligkeit an, wenn der Dax steigt“, erläutert der Animusx-Inhaber . Steigende Kurse werden von Anlegern mit dem Ausruf „hab ich’s doch gewusst“ begrüßt. Der Rückgang in der Selbstgefälligkeit sei als Resignation zu werten, dass man die kurzfristige Entwicklung an den Aktienmärkten einfach nicht vorhersehen könne. Es werde nun weniger auf den absoluten Tiefpunkt der Baisse spekuliert, sondern stattdessen der Blick auf die nächsten Monate gelenkt und entschieden, ob dies langfristig im Dax bereits Kaufkurse seien.

„Ich sehe Kaufkurse bei vielen Aktien“, sagt Heibel, der in seinem Börsenbrief Heibel-Ticker eine ganze Reihe von Kaufkandidaten aufgezeigt hat, die besser laufen dürften als der breite Markt.

Für ihn sendet die Börsenstimmung zwar noch kein grünes Licht aus. „Das werden wir erst sehen, wenn der Dax weitere 15 Prozent höher steht“, so Heibel. In der nächsten Zeit werden die Kurse weiter deutlich schwanken. Doch es mehren sich die Signale, das selbst ein weiterer Ausverkauf, so es noch einen geben sollte, auf den bisherigen Tiefpunkten enden wird. Tiefpunkt hieße ein Dax bei rund 8700 Zählern.

Diese Sichtweise deckt sich mit der Meinung von anderen Experten. Bereits Ende des dritten Quartals soll der Dax wieder bei 10.000 Punkten stehen, erklären die Analysten der DZ Bank in ihrem aktuellen Research-Bericht. Ende 2016 liegt die Prognose sogar bei 10.300 Punkten. „Die Stimmung ist derzeit von extremem Pessimismus geprägt, was üblicherweise ein Zeichen für eine bevorstehende Wende ist“, erklären die Geldexperten.

Nun bedürfe es eines Katalysators, um die negative Stimmung in eine neue Kauflaune umzuwandeln. „Dieser könnte in einer Stabilisierung der volkswirtschaftlichen Indikatoren oder des Rohölpreises bestehen“, erklären die Analysten. Auch Dividenden könnten locken. Mit mehr als 38 Milliarden Euro zahlen die deutschen Unternehmen so viel wie nie zuvor. Die Dividendenrendite im Dax liegt mit 3,8 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt.

Doch diese wöchentliche Umfrage wendet sich eher an kurzfristig orientierte Anleger. Heibels Ermahnung: „Anlageentscheidungen sind immer eine Chance/Risiko-Abwägung – auch wenn dieses Verhältnis positiv derzeit ist“. Sollte sich das Bild wieder grundlegend ändern, erfahren Leser das bei einer der nächsten Auswertungen der Sentimentumfrage.

Die Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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