Dax-Umfrage nach dem China-Crash: Die Stimmung kippt

Dax-Umfrage nach dem China-Crash: Die Stimmung kippt

, aktualisiert 11. Januar 2016, 17:15 Uhr
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Die Stimmung an der Börse ist schlecht, doch das muss kein schlechtes Zeichen sein.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

So schlecht war die Stimmung der Anleger noch nie. Die gute Laune und der Optimismus der Börsianer sind völlig verflogen, zeigt die aktuelle Dax-Umfrage. Doch wie geht es weiter? Nachhaltige Baisse oder Bodenbildung?

DüsseldorfDer Jahresauftakt an den Märkten ist mehr als ernüchternd ausgefallen – und ist Börsianern damit mächtig aufs Gemüt geschlagen. Das Börsenbeben in China schickte seine Schockwellen rund um den Globus. Auch die deutschen Standardwerte rissen sie in die Tiefe. Der Dax verlor in der ersten Handelswoche des Jahres 8,3 Prozent. Es war eine der schlechtesten Börsenwochen seit langem.

Der deutsche Leitindex legte am vergangenen Montag mit einem Minus von mehr als vier Prozent sogar den schlechtesten Jahresauftakt seiner Geschichte hin. Die meisten Anleger wurden davon vollständig überrascht, wie die wöchentliche Dax-Umfrage des Handelsblatts zeigt.

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Kein Wunder also, dass die Stimmung der Anleger, die noch vor ein oder zwei Wochen gar nicht so schlecht war, komplett gekippt ist. Immerhin 73 Prozent der Anleger sehen in der aktuellen Bewegung des Dax einen Abwärtsimpuls, das entspricht einem Plus von 61 Prozent gegenüber der Vorwoche. „Das sind die schlechtesten Stimmungswerte, die wir jemals gemessen haben“, sagt Stephan Heibel vom Analysehaus Animusx, der die Umfrage regelmäßig auswertet.

Immerhin 41 Prozent dieser Pessimisten waren zuvor noch im Lager derjenigen, die eine Aufwärtsbewegung sahen, 17 Prozent sahen den Dax zuvor in einer Seitwärtsbewegung. „Die gute Stimmung, die wir noch Ende des abgelaufenen Jahres verzeichneten, ist vollständig verfolgen“, so Heibel. Zu groß ist die Angst, dass der China-Virus ansteckend ist.

Chinas Wirtschaft wächst deutlich langsamer als noch vor ein paar Jahren und die Sorge ist groß, dass das auch auf die Weltwirtschaft abfärbt. Hinzu kommen die Turbulenzen an Chinas Aktienmärkten. Der Chefvolkswirt der italienischen Großbank Unicredit, Erik Nielsen, hält die Sorgen aber für übertrieben. So sei der chinesische Aktienmarkt im Vergleich zur Gesamtwirtschaft sehr klein und die Konjunkturentwicklung gebe zumindest kurzfristig keinen besonderen Grund zur Sorge, schrieb der Experte in einem Kommentar.


Schlechte Stimmung ist gut für die Börse

Im Grunde sehen das die Teilnehmer der Handelsblatt-Umfrage wohl ähnlich. „Nach dem Ausverkauf der vergangenen Woche glauben nur wenige an den Weltuntergang beziehungsweise eine nachhaltige Baisse“, sagt Heibel. Im Gegenteil: Jeder Dritte – und damit sechs Prozent mehr als in der Vorwoche – glaubt, dass der Dax in den kommenden drei Monaten steigen wird. Weitere 31 Prozent gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Einen anhaltenden Abwärtstrend fürchten hingegen nur noch 16 Prozent, und damit acht Prozent weniger als in der Vorwoche. „Den größten Zulauf hat das Lager derer erhalten, die das Ganze als Bodenbildung sehen“, so der Animusx-Experte. „Damit steigt die Zuversicht zwar an, ist aber in einem neutralen Bereich.“

Dass der Dax trotz eines neuerlichen Kursrutsches in China zum Wochenbeginn steigt, überrascht Heibel nicht. Aus seiner Sicht ist das nur logisch. „Das ist sicherlich ein Resultat der Niedergeschlagenheit unter den deutschen Anlegern, die größer nicht mehr sein kann“, sagt er. Die aktuelle, ganz kurzfristige Marktmeinung der Marktteilnehmer deuten Sentiment-Experten nämlich antizyklisch – schlechte Stimmung ist ein gutes Zeichen, sehr gute oder sogar euphorische Stimmung ist ein Warnsignal. „Das Ende der Welt haben wir an der Börse in der vergangenen Woche erlebt“, so Heibel. „Wenn es nun in China weiter bergab geht, dann gibt es hierzulande kaum noch jemanden, der dadurch nochmals verschreckt wird und zu Verkäufen getrieben wird.“ Und deshalb habe der Dax am Montag eine kleine Gegenbewegung gestartet.

Wie nachhaltig die sein wird, muss sich zeigen. „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung“, sagt Heibel. „Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“ Doch solange neue schlechte Nachrichten von dort ausbleiben, dürfte sich die Lage entspannen, Käufe den Dax stützen. Die zuletzt anhaltend schlechten Daten aus China dürften weitgehend eingepreist sein.

Quellle:  Handelsblatt Online
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