Dax-Umfrage: Rally oder Crash – die Entscheidung naht

Dax-Umfrage: Rally oder Crash – die Entscheidung naht

, aktualisiert 17. Mai 2016, 13:47 Uhr
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Bulle und Bär, Symbol für steigende und fallende Kurse an der Börse, ringen um die Vorherrschaft auf dem Parkett.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Es ist ein zäher Kampf um die Marke von 10.000 Punkten im Dax, den sich Bullen und Bären seit Tagen liefern. Wer gewinnt? Optimisten oder Pessimisten? Antworten gibt eine exklusive Umfrage.

DüsseldorfEigentlich ist er ein zäher Kämpfer - doch seit Mitte April kommt der deutsche Leitindex Dax kaum noch vom Fleck und pendelt zwischen 9.800 und 10.200 Punkten. Das zähe Ringen um die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten geht auch nach Pfingsten in eine neue Runde. Da sich bislang weder Optimisten noch Pessimisten – also weder „Bullen“ noch „Bären“ – durchgesetzt haben, kann das Kurspendel Experten zufolge in beide Richtungen ausschlagen. Dabei diene der verpatzte Jahresauftakt des deutschen Aktienmarktes beiden Lagern als Argumentationshilfe, sagt Commerzbank-Volkswirt Andreas Hürkamp. Seit Jahresbeginn hat der Dax gut sieben Prozent verloren. Das rufe bei Investoren Erinnerungen an andere Börsenjahre mit ähnlich verpatzten Starts wach, so Hürkamp. „Während die Pessimisten ein negatives Szenario wie 2008 erwarten, setzen die Optimisten auf einen positiven Ausgang wie im Jahr 1995“, ergänzt er.

Doch wie geht es weiter? Antworten gibt die wöchentliche Dax-Umfrage des Handelsblatts unter Börsianern. Sie misst die Stimmung – im Börsendeutsch Sentiment genannt – und gibt Indikatoren für das weitere Geschehen auf dem Parkett. Doch glasklar ist auch hier das Ergebnis nicht. „Aus Sicht der Sentimenttheorie ist derzeit ein Ausbruch in beide Richtungen möglich“, sagt Stephan Heibel vom Analysehaus AnimusX, der die Dax-Umfrage Woche für Woche auswertet und interpretiert. „Rutscht der Dax unter 9.800 Punkte, dann fehlt das Grundvertrauen, um durch Käufe ein weiteres Abrutschen zu verhindern. Für ein schnelles Überspringen der 10.200 Punkte ist die Investitionsbereitschaft hingegen zu gering.“

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In den vergangenen Wochen haben Anleger eine ziemliche Achterbahnfahrt an den Märkten erlebt, wenn auch innerhalb einer relativ überschaubaren Handelsspanne. Vor gut einer Woche war sogar zeitweise Angst und Panik ausgebrochen, doch wie so oft folgte die schnelle Gegenbewegung und der Dax übersprang die 10.000er-Marke. „Doch für eine weitere Aufwärtsdynamik fehlte die Nachfrage, weshalb der Dax die gesamte Woche seitwärts pendelte“, sagt Heibel. Erst zum Ende der Woche erfolgte ein weiterer Ausverkauf und der Dax rauschte erneut auf 9.800 Punkte. Am heutigen Dienstagmorgen ging es dann wieder ordentlich aufwärts, bevor dem Dax – zumindest zwischenzeitlich – die Puste ausging. „Diese Achterbahn fahrt ist sicherlich alles andere als nervenschonend für die Anleger“, so Heibel.

Kein Wunder, dass die heftigen Schwankungen den Börsianern auf die Stimmung schlagen. Nach dem die Marke von 9.800 Punkten jetzt mehrfach gehalten hat, sehen nur noch 36 Prozent der Anleger den Dax in einer Abwärtsbewegung – ein Minus von zehn Prozent. Fast jeder Zweite sieht den Index nun in einer Seitwärtsbewegung.


Ein Ausbruch nach oben ist wahrscheinlicher

„Aber die Schwankungen haben Spuren bei der Selbstzufriedenheit der Anleger hinterlassen“, sagt Heibel. Mehr als jeder Dritte sieht Erwartungen an die Dax-Entwicklung kaum erfüllt, jeder Fünfte wurde völlig überrascht. Nur acht Prozent sehen sich in ihren Erwartungen voll und ganz bestätigt, weitere 35 Prozent fühlen sich zum größten Teil bestätigt. „Die Verunsicherung unter den Anlegern ist zwar im Vergleich zur Vorwoche ein wenig zurückgegangen, notiert aber noch immer auf extrem niedrigem Niveau“, sagt der AnimusX-Experte.

Auch die Erwartung für die künftige Dax-Entwicklung hat sich eingetrübt, nur noch 27 Prozent (minus drei Prozent) erwarten in drei Monaten steigende Kurse. Immerhin 26 Prozent fürchten einen Abwärtsimpuls, weitere 33 Prozent gehen vorerst von einer Seitwärtsbewegung aus. „Damit ist das Grundvertrauen der Anleger weiterhin extrem niedrig“, sagt Heibel.

Und auch mit der Investitionsbereitschaft es nicht weit her, sie ist nochmals zurückgegangen. Nur noch 18 Prozent wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, 17 Prozent wollen verkaufen. Die meisten wollen vorerst abwarten.

Doch ganz so trübe, wie sie auf den ersten Blick erscheint, ist die Lage nicht. „Wenn ich das Verhalten der Anleger aus den vorangegangenen Wochen in unsere Betrachtung einbeziehe, komme ich zu dem Schluss, dass ein Ausbruch nach oben wahrscheinlicher ist, denn schon seit Wochen halten sich Anleger mit Käufen zurück“, gibt sich Heibel zuversichtlich. „Sollte der Dax nochmals abrutschen, gibt es kaum Positionen, die von Anlegern in Angst und Panik aufgelöst werden müssten.“ Auf der anderen Seite führe die niedrige Investitionsquote dazu, dass steigende Kurse frühzeitig den Kaufdruck auf Anleger erzeugen würde, um eine startende Rally nicht zu verpassen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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