Dax-Umfrage: Schlecht, aber nicht schlecht genug

Dax-Umfrage: Schlecht, aber nicht schlecht genug

, aktualisiert 23. Mai 2016, 15:34 Uhr
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Der Dax pendelt um die Marke von 10.000 Punkten.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Der Dax pendelt seit Wochen seitwärts, die Stimmung der Anleger ist entsprechend mies. Steigende Kurse erwarten die wenigsten. Trotzdem ist ein Ausbruch nach oben wahrscheinlicher als nach unten.

DüsseldorfEin Schritt vor, ein Schritt zurück, der Dax kommt seit Wochen nicht vom Fleck und pendelt zwischen 9.800 und 10.200 Punkten. Doch Experten können dieser Seitwärtsbewegung einiges abgewinnen. „Je länger diese Zottelbörse anhält, desto stärker dürfte der Ausbruch sein, der irgendwann erfolgen wird“, sagt Stephan Heibel vom Analysehaus AnimusX.

Einen Ausbruch nach unten hingegen hält er für unwahrscheinlich. Denn die wöchentliche Stimmungslage ist – auch nach dem heftigen Ausverkauf zum Jahresbeginn – weiter schlecht. Das zeigt die wöchentliche Dax-Umfrage, die Heibel regelmäßig für das Handelsblatt analysiert. Demnach stehen für ihn die Zeichen klar auf Erholung. „Es bräuchte dafür schon einen Anlass, wie beispielsweise einen sich abzeichnenden Brexit“, sagt der Experte. „Andernfalls sollten Dax-Kurse unter 9.800 schon schnell Kaufinteresse erzeugen.“

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Bisher halten sich Anleger aber eher zurück. Nach dem Ende der Bilanzsaison suchen die Börsen weiterhin nach klaren Richtungsvorgaben. Doch früher oder später dürften diejenigen Anleger, die sich bislang mit Engagements zurückgehalten hätten, wieder in den Markt zurückkehren, glaubt auch Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. „Fondsmanager müssen ihre hohen Barbestände einsetzen, um Geld zu verdienen. Die Frage ist nur, ob das auf dem aktuellen Kursniveau oder erst weitaus tiefer geschehen wird.“

Vorerst dürfte der Dax aber weiter seitwärts schwanken. „Für einen Ausbruch nach oben ist die Stimmung noch nicht schlecht genug“, sagt Heibel. Im Vergleich zur Vorwoche ist sie sogar leicht angestiegen, bleibt aber grundsätzlich negativ. Jeder Dritte (minus vier Prozent) sieht den Dax in einem Abwärtssog, 54 Prozent (plus sechs Prozent) der Befragten erkennen allerdings einen Seitwärtstrend. „So langsam arrangieren sich Anleger mit der neuen Handelsspanne zwischen 9.800 und 10.200 Punkten und lichten am oberen Ende ihre Positionen aus“, so Heibel.


Anleger bleiben in Deckung - noch

Diese Schwankungen zehren jedoch zunehmend an den Nerven der Anleger, wie die Umfrage zeigt. Nur noch jeder Vierte erwartet in drei Monaten steigende Kurse, 28 Prozent der Börsianer (plus zwei Prozent) gehen von fallenden Kursen aus. Allerdings bleibt auch ein Drittel der Anleger neutral und glaubt, dass der Dax sich weiter seitwärts bewegt. „Wer die grundsätzlich optimistische Grundeinstellung der Börsianer kennt, der weiß, dass dies im historischen Vergleich schon eine ziemlich negative Erwartungshaltung ist“, sagt Heibel.

Der Experte für Anlegerstimmung – im Börsendeutsch Sentiment genannt – geht davon aus, dass Investoren, die ihr Kapital bereits in Aktien angelegt haben, meist positiv gestimmt sind, jedoch als Käufer für den Markt wegfallen. Sie sind schließlich bereits investiert. Insgesamt sackt die Investitionsbereitschaft derzeit weiter ab. Nur 17 Prozent (minus ein Prozent) wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, 18 Prozent wollen verkaufen. Die meisten bleiben auch bei dieser Frage in Deckung, zwei von drei Anlegern wissen derzeit noch nicht, wie sie sich verhalten werden.

„Gemäß der Sentiment-Theorie wird eine negative Stimmung benötigt, um steigende Kurse zu erzeugen“, sagt Heibel. „Der Stimmungswandel von negativer Erwartung zu positiver erzeugt neue Käufer, die mit ihren Aktienkäufen die Kurse nach oben treiben.“

Ohne Ereignisse, die für einen Stimmungsschwenk verantwortlich sind, dürfte die „Zottelbörse“ also noch eine Weile so weitergehen. Gegebenenfalls würde ein Abrutschen unter 9.800 Punkte die erforderliche Panik erzeugen, die für ein anschließendes Überspringen der 10.200 Punkte erforderlich sei, so Heibel. „Die derzeit vorherrschende negative bis neutrale Stimmung stützt nach unten ab, reicht aber nicht für einen Ausbruch nach oben.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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