Dax & Co.: Absichern gegen den Euro-Absturz

Dax & Co.: Absichern gegen den Euro-Absturz

, aktualisiert 21. März 2016, 07:06 Uhr
von Georgios KokologiannisQuelle:Handelsblatt Online

Mit Fremdwährungen im Depot können sich Anleger gegen den weltweiten Abwertungswettlauf der Notenbanken wappnen. Welche Devisen von Experten jetzt empfohlen werden - und wieso auch Gold ein Comeback in den Portfolios erleben dürfte.

Bild vergrößern

Experte raten auch vorsichtigen Anlegern, ihrem Depot Fremdwährungen und Edelmetalle beizumischen.

Frankfurt am Main„Wir sind gar nicht im Krieg“, bemühte sich Mario Draghi nach der jüngsten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt seine Zuhörer zu überzeugen. Zuvor hatte die EZB eine künftig noch expansivere Geldpolitik bekanntgegeben. Worauf sich der Notenbank-Chef bezog: Vorwürfe von Kritikern, die Notenbanker ignorierten mit ihren neuen Maßnahmen das Risiko eines sogenannten „Währungskrieges“. Also eines weltweit ausgetragenen Kampfes um die günstigste heimische Währung – und damit um Wettbewerbsvorteile auf Kosten anderer Volkswirtschaften und zum Nachteil vieler Anleger.

„Die Gefahr, dass die Zentralbanken durch ihre unkonventionellen geldpolitschen Maßnahmen einen Abwertungswettlauf in Gang setzen, ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt etwa Bernhard Falk, Portfoliomanager bei Deutsche Asset Management, der Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank.

Anzeige

Die Europäische Zentralbank senkte vor anderthalb Wochen all ihre Zinssätze und weitete ihr monatliches Anleihenkaufprogramm um ein Drittel aus, um eine drohende Deflation im Euroraum abzuwenden. Die Anleihenkäufe werden ab April auf monatlich 80 Milliarden Euro erhöht, auch Unternehmensbonds können nun gekauft werden.

Die Folge: Der Euro verbilligte sich zeitweise um mehr als einen US-Cent auf 1,084 Dollar. Und: Nachdem sich der Wechselkurs einige Tage lang von diesem Tiefschlag erholen konnte, hat die EZB jetzt erneut nachgelegt – vorerst nur verbal: So hat die EZB nach Ansicht ihres Chefvolkswirts Peter Praet trotz der jüngsten Leitzinssenkung noch Spielraum für eine weitere geldpolitische Lockerung: "Wie man bei anderen Notenbanken sieht, haben wir rein technisch noch nicht das untere Ende erreicht", wurde der Belgier Ende vergangener Woche von der italienischen Zeitung „La Repubblica“ zitiert.


Warum Anleger in Fremdwährungen investiert sein sollten

Allein seit Anfang vergangenen Jahres haben von den USA bis Japan, von der Schweiz bis nach Schweden mehr als 20 Industrieländer ihre Zinsen gesenkt oder sonstige Maßnahmen zur geldpolitischen Lockerung ergriffen. Ihr Ziel: Die Maßnahmen sollen die Kreditvergabe und Inflation ankurbeln – und dadurch die Konjunktur in Schwung bringen. Gelingt es beispielsweise der EZB, den Wechselkurs des Euro zu verbilligen, dann verbessern sich Exportchancen der hiesigen Unternehmen, gleichzeitig verteuern sich importierte Waren.

Doch welche Folgen hat eine Euro-Abwertung auf das Depotvermögen der Investoren hierzulande? Kurzfristig änderte sich für deutsche Anleger zwar nichts, sagt Falk. Die meisten Anleger seien überwiegend in Euro und traditionell konservativ investiert. Daher sollten deren Anlagen von einer Währungsabwertung nicht direkt betroffen sein. Allerdings: „Sollte eine Währung längerfristig deutlich an Wert verlieren, kann dies zu deutlichen Verlusten führen“, warnt der Fachmann. Die Anlagen würden dann über den niedrigen Zins und Inflation doppelt entwertet.

Daher sollten auch jene Anleger in Fremdwährungen investiert sein, deren übergeordnetes Ziel der reale Vermögenserhalt ist. Um von einer Euro-Abwertung zu profitieren biete sich etwa der US-Dollar an. „Die Zinsdifferenz spricht in diesem Falle klar für die USA“, so der Fachmann. Auf Sicht von zwölf Monaten werde ein Euro nur noch einen Dollar kosten.

Dagegen empfehlen andere Experten konservativen Investoren sich bei Deviseninvestitionen eher zurückzuhalten: „Wir raten grundsätzlich ab von Fremdwährungsengagements in aufwertenden Währungen, da die spekulativen Elemente hier einen deutlich größeren Raum einnehmen und damit einer konservativen Vermögensverwaltungsstrategie des realen Vermögenserhalts wiedersprechen“, sagt David Kohl, Chefvolkswirt Deutschland des Schweizer Bank Julius Bär.

Hinzu komme etwa, dass die Aufwertung einer Währung nach einer bestimmten Zeit die Ertragsaussichten der ausländischen Unternehmen belaste. Daher nehme man Fremdwährungsengagements in der Vermögensverwaltung nur sehr selektiv war.

„Neben den positiven Ausblick für die Auslandsaktie oder Anleihe gehört dazu eine zu Unrecht abgestrafte Währung und gerade nicht die Währungen, die schon über ihre Fundamentaldaten hinaus zugelegt hat“, so der Ökonom. Ein Beispiel seien derzeit solide Aktieninvestments in Norwegischen Kronen. „Diese Währung hat mit dem starken Einbruch der Ölpreis stark nachgegeben. Im Gegensatz zu vielen Schwellenländerwährungen, die diese Schicksal teilen sind die Fundamentaldaten in Norwegen in Ordnung“, sagt Kohl.


Norwegische Kronen auf der Empfehlungsliste

Investitionen in die Norwegische Krone stehen auch beim Deutsche Asset-Mann Bernhard Falk auf der Empfehlungsliste. „Im Jahresverlauf erwarten wir eine Erholung an den Rohstoffmärkten. Insofern bieten sich auch hier Möglichkeiten sich in günstigen Währungen zu engagieren.“ Auch der Neuseeländische Dollar sei derzeit günstig bewertet.

Als Direktanlage böten sich festverzinsliche Wertpapiere guter Emittenten im mittleren Laufzeitenbereich an, die nach wie vor aussichtsreich seien – aber auch Rentenfonds, die Währungen als zusätzliche Ertragsquelle nutzen und Anlagezertifikate auf die genannten Devisen. Insgesamt sei im derzeitigen Umfeld für einen konservativen Anleger ein Währungsengagement von zwanzig Prozent sinnvoll.

Auch nach Auffassung von Burkhard Wagner, Vorstand bei der Partners Vermögensmanagement aus München sollte der Fremdwährungsanteil eines defensiven Investors, überschaubar sein: „So lange der Lebensmittelpunkt eines Privatanlegers in Deutschland ist, sollte die Quote nicht mehr als ein Fünftel betragen“, so der Geldprofi. Dabei spiele der US-Dollar als unangefochtene Weltleitwährung eine alternative Anlage-Rolle für strategische Investoren. Entweder in Form von US-Aktienwerten international tätiger Firmen oder Anleihen mit mittlerer Laufzeit.

Neben den Währungen rohstoffreicher Länder hält auch Sönke Niefünd von der Schröder Bank US-Engagements für aussichtsreich. „Attraktiv sind etwa Dollar-Anleihen von namhaften und bonitätsstarken Unternehmen, wie zum Beispiel Berkshire Hathaway, Apple und Coca Cola“, sagt der für die Vermögensverwaltung der Hamburger Privatbank verantwortliche Experte.

Zudem fokussiere man sich auf europäische Unternehmen, die sich in Fremdwährungen refinanzieren. Interessant sei auch Gold: „Eine gute Form sind sogenannte Gold-ETCs (Exchange-Traded Commodities) oder börsengehandelte Rohstoff-Fonds (ETFs). Dabei solle darauf geachtet werden, dass die Anlagevehikel psychisch unterlegt – aber ohne Währungsabsicherung ausgestattet seien.


Mit Gold gegen den Währungskrieg wappnen

Gold & Co. empfiehlt auch Rolf Ehlhardt, Portfoliomanager bei der I.CM Vermögenvermwaltung. „Um eine Sicherheit im Falle eskalierender Kapitalmarktprobleme im Depot zu haben, empfehle ich einen zehn- bis zwanzigprozentigen Anteil Edelmetalle“, so der Fachmann. Da diese Assetgruppe allerdings in US-Dollar fakturiert werde, sei damit der Währungsanteil bereits weitgehend ausgeschöpft.

Ehlhardts Überzeugung nach ist ein Währungskrieg kein denkbares Szenario – sondern bereits Realität. Politiker und Notenbänker führten den Wettlauf mit Gelddrucken und Niedrigzinsen weiter. „Das bedeutet, dass wir mittelfristig keine Zinsen für traditionelle Anlageformen wie Sparbuch, Fest- oder Tagesgeld, Bundesanleihen oder Lebensversicherungen erhalten werden“, sagt der Geldprofi. Wer an diesen Anlagegruppen festhalte werde Kaufkraft verlieren – und im Extremfall mit Minuszinsen sogar fürs Sparen bestraft werden.

Diese Einschätzung teilt Jürgen Mehrbrei, Geschäftsführer der Unikat Vermögensverwaltung aus Mannheim: Der Währungskrieg sei bereits seit Langem in vollem Gange. „Zahlreiche Länder versuchen im Rahmen des Vertretbarem ihre Heimatwährung schwach zu reden oder durch geldpolitische Maßnahmen zu schwächen. Hier hat sich die EZB aber auch die Bank of Japan mit ihren Maßnahmen sicher in die vorderen Plätze eingereiht.“ Klar sei aber auch: Wenn alle dasselbe machten dann verpuffe dieser Effekt.

Sein Anlagevorschläge: „Essentiel ist eine ausreichende, weltweite Streuung in gute Qualität – sowohl im Aktien- als auch im Rentensegment. Hierbei sollten auch die diversen Branchen, Länder vertreten sein. Bei Aktien wird es somit - und gab es auch in der Vergangenheit - immer wieder Phasen geben, in denen unter dem Strich Währungsgewinne oder aber auch Währungsverluste anfielen – dies ist einfach der internationalen Streuung geschuldet.“ Trotzdem empfiehlt Mehrbrei, dies auch weiter so zu praktizieren. Im Rentensegment rät er je nach Risikoempfinden des Anlegers eher zu einem währungsgesicherten Vorgehen.


Experten sind uneins über die weitere Euro-Entwicklung

Da Mehrbrei davon ausgeht, dass ein Währungsraum nicht dauerhaft einen Abwertungsvorsprung aufrechterhalten kann, hält er einen deutlich höheren Fremdwährungsanteil als seine Kollegen für angemessen: „In Abhängigkeit von der Erfahrung und Risikobereitschaft des Anlegers kann bezogen auf den Aktienbereich die internationale Streuung sicher mehr als 50 Prozent ausmachen – dies ist aber ein Wert, der auch schon in der Vergangenheit seine Richtigkeit hatte und nicht der aktuellen Situation geschuldet ist.“

Uwe Eilers, Vorstand der Geneon Vermögensmanagement AG, macht darauf aufmerksam, dass die Währungsverschiebungen der vergangenen 24 Monate bereits deutliche Veränderungen gebracht hätten: Die Europäischen Unternehmen erreichten damit innerhalb kurzer Zeit ein Preisvorteil von rund 25 Prozent gegenüber Wettbewerbern aus dem US-Dollar-Raum. „Dieser Vorteil führt schon zu deutlichen Vorteilen der europäischen, insbesondere der deutschen Unternehmen“, erklärt der Fachmann.

US-Unternehmen wie beispielsweise Boeing oder GE spüren dies negativ in den Auftragseingängen. Eilers sieht daher die weitere Entwicklung des Euro optimistischer als die zahlreichen Dollarbefürworter: Die verstärkte Nachfrage nach Gütern aus Europa werde die Nachfrage nach dem Euro deutlich erhöhen, da die Waren ja in Euro zu bezahlen seien. „Dieser Effekt wird auf Dauer den Euro stärken und zu einem Anstieg gegenüber dem US-Dollar führen“, zeigt sich der Investmentprofi überzeugt.

„Da der Euro bereits einen großen Teil der erwarteten Zinssenkungen gegenüber den anderen Hauptwährungen vorweggenommen hat, ist nicht unbedingt anzuraten, sich Fremdwährungsanleihen ins Depot zu legen“, sagt Eilers. Spekulativ kämen Währungen in Frage, die in letzter Zeit erhebliche Verluste erleiden mussten. „Dazu zählen russische Rubel, brasilianische Real oder auch der Südafrikanische Rand.“ Anlagen in den US-Dollar, Schweizer Franken oder Dänischen Kronen, seien dagegen eher mit Vorsicht zu genießen. Wenn überhaupt solle man darin nicht mehr als zehn Prozent seines Vermögens investieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%