Dax & Co.: „Die Zeit für Kaufen-und-Halten ist vorbei“

Dax & Co.: „Die Zeit für Kaufen-und-Halten ist vorbei“

, aktualisiert 27. Januar 2016, 17:27 Uhr
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Droht jetzt bei Dax & Co. ein Crash?

Quelle:Handelsblatt Online

Alle drei Handelsblatt-Musterportfolios schlagen seit Auflegung den Aktienmarkt – und werden nun auf Turbulenzen ausgerichtet. Die Depotbetreuer erhöhen ihre Cash-Quote und fahren auf Sicht.

FrankfurtKeine andere Frage beschäftigt Anleger derzeit mehr: Lohnt es sich nach dem schwachen Jahresauftakt, am Aktienmarkt zu investieren – oder drohen nun erst recht weitere Verluste? Die Betreuer der Handelsblatt-Musterdepots rechnen zwar auch in den kommenden Monaten mit Ertragschancen – aber nur für Investoren, die permanent handlungsbereit sind und kurzfristig zunächst auf Sicht fahren.

Ihre Portfolios – die sich alle drei besser schlagen als die Aktienmärkte – richten sie dabei weiterhin unterschiedlich aus. „Sollte eine richtige Verkaufspanik ausbrechen, könnte es schnell zu den Verlusten führen, die mit denen von 2008 bis 2009 vergleichbar wären“, warnt Alexander Kovalenko vom Vermögensverwalter Bayerische Vermögen, der das „Social-Trading“-Depot steuert.

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Hintergrund: Bereits im Januar hat etwa der Dax nicht nur seinen knapp zehnprozentigen Wertzuwachs aus 2015 vollständig eingebüßt, sondern auch das komplette Plus des Vorjahres. Bis auf 9 314 Punkte ist der deutsche Leitindex zwischenzeitlich eingebrochen – rund ein Viertel unter sein bisheriges Allzeithoch bei 12 391 Zählern vom vergangenen Frühjahr.

„Grundsätzlich betrachten wir das aktuelle makroökonomische Umfeld zwar positiv für Dividendenpapiere. Aber: Die Unternehmensgewinne werden spürbar durch die konjunkturellen Probleme der Schwellenländer – und vor allem Chinas – sowie durch den Ölpreisverfall ausgebremst“, sagt Kovalenko.

Darüber hinaus hebelten die Börsenpsychologie und das Herdenverhalten der Investoren die existierenden Risikofaktoren und somit das Absturzpotenzial an den Aktienmärkten.


Zweistellige Wertzuwächse mit allen drei Musterdepots

Nur noch verhalten optimistisch beurteilt die derzeitige Lage auch Daniel Hupfer von M.M. Warburg, der das Privatbankdepot verantwortet: „Im Moment stellen wir unser leicht positives Szenario für die Aktienmärkte noch nicht infrage, da die Mehrzahl der konjunkturellen Indikatoren weiterhin positiv ist.

Allerdings hat sich die Zahl der Risiken erhöht.“ Gute Nerven seien wegen der hohen Volatilität gefragt, um keine Fehlentscheidungen zu treffen.

Dass sich mit den richtigen Anlagekonzepten auch in schwierigen Börsenphasen attraktive Renditen erzielen lassen, demonstrieren die Musterdepots: Während Dax & Co. seit zwei Jahren unter dem Strich kaum noch von der Stelle kommen, haben alle drei Portfolios einen zweistelligen Wertzuwachs erwirtschaftet.

Nicht einmal ein Prozent Plus hat Europas Messlatte Stoxx 50 seit Auflegung der Portfolios Ende Januar 2014 geschafft, knapp vier der deutsche Leitindex. Die Performance der Musterdepots liegt dagegen mit Werten zwischen knapp 13 und über 14,5 Prozent jeweils um ein Vielfaches höher.

Ziel der Musterdepots: Privatanlegern sollen aussichtsreiche Ansätze vorgestellt werden, mit denen sie ihre Renditeziele erreichen. Im Vordergrund dabei steht nicht ein Wettbewerb zwischen den drei Portfolios, sondern Nachvollziehbarkeit und Transparenz ihres Anlageverhaltens.

Alle drei Portfolios haben sich auch im vergangenen Jahr besser entwickelt als ihr Vergleichsindex (siehe Grafik): Top-Performer war das „Social-Trading“-Depot: „Im Jahr 2015 wurde eine Wertsteigerung von mehr als 14 Prozent erreicht. Die Outperformance gegenüber dem Stoxx 50 Index beträgt mehr als zehn Prozent.

Warum die Liquiditätsquote jetzt drastisch erhöht wird

Das Social-Trading-Depot kombiniert ein langfristig orientiertes Kernportfolio mit sogenanntem Social Trading“, sagt Depotmanager Kovalenko. Beim Social Trading folgen Investoren öffentlichen Anlagekonzepten anderer Teilnehmer. „Ziel des Musterdepots ist es, ein Beispiel eines langfristig orientierten transaktionsarmen Aktiendepots für Privatanleger darzustellen. Dabei setze man auf unterbewertete europäische Märkte und Einzeltitel. „Doch vergangene Woche hat unser hausinternes Wertsicherungssystem ein Alarmsignal generiert. Als unmittelbare Reaktion haben wir die Liquiditätsquote auf rund 45 Prozent erhöht“, erklärt der Geldprofi die jüngsten Transaktionen.

Solch ein Verkaufssignal erfolge sehr selten und erst dann, wenn der Zustand der Aktienmärkte aus historischer Erfahrung richtig bedrohlich werde und längere Verlustperioden möglich seien, die mit denen von 2008 bis 2009 oder 2000 bis 2002 vergleichbar wären.
Beim Privatbank-Depot wurde der Liquiditätsbestand bereits in den vergangenen Wochen deutlich ausgebaut. Die Aktienquote liegt nur noch bei etwa 60 Prozent. „Unser Portfolio hat sich 2015 gut entwickelt. Mit einem Zuwachs von rund neun Prozent sind wir trotz der hohen Volatilität und einer zum Teil sehr negativen Nachrichtenlage zufrieden“, sagt M.M-Warburg-Mann Daniel-Hupfer Der sehr schwache Start ins Börsenjahr 2016 habe allerdings einen großen Teil der vorangegangenen Wertentwicklung wieder aufgezehrt. Die Strategie des Privatbank-Depots ist grundsätzlich offensiv ausgerichtet, der Fokus liegt auf Aktien und Aktienfonds. Daneben wird selektiv in Anleihen investiert. Aktives Portfoliomanagement sei derzeit die wichtigste Aufgabe, um erfolgreich zu sein, so Hupfer.


Redaktionsdepot: Weniger Verlust - gehebelter Gewinn

Diese Einschätzung teilt Georgios Kokologiannis, der das Redaktions-Depot führt: „Die Zeit des mühelosen Geldverdienens durch simples Kaufen-und-Halten ist im aktuellen Börsenzyklus endgültig vorbei“, ist sich der Finanzredakteur sicher.

Im Jahr 2015 hat das Handelsblatt-Portfolio mehr als neun Prozent Ertrag generiert. Gleichzeitig schwankte der Depotwert weniger als der Gesamtmarkt. „Die übergeordneten Ziele wurden übertroffen: Eine jährliche Rendite von sechs bis acht Prozent – und eine möglichst nervenschonende Gesamtentwicklung.“

Wegen des hohen Anteils an speziellen Anlagezertifikaten, die sich asymmetrisch zum Aktienmarkt entwickelten, lasse sich das Risikoprofil derzeit wie folgt skizzieren: „Rutschen die Börsenkurse weiter ab, partizipiert das Portfolio nur zu rund 75 Prozent an diesen Verlusten“, sagt Kokologiannis. „Legen die Notierungen dagegen um bis zu einem Zehntel zu, liegt die Beteiligung daran deutlich höher – bei mehr als 160 Prozent.“ Im Gegenzug sei der Maximalgewinn begrenzt.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Quellle:  Handelsblatt Online
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