Dax-Vorschau: Haben die Märkte ihr Pulver verschossen?

Dax-Vorschau: Haben die Märkte ihr Pulver verschossen?

, aktualisiert 23. April 2016, 11:05 Uhr
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Analysten sehen aktuell kein Potenzial mehr für den Dax.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Dax hat den Anlegern in den vergangenen Tagen kräftige Gewinne gebracht. Doch das Potential der Märkten scheint erschöpft – Analysten erwarten eher eine Korrektur nach unten als eine weitere Aufwärtsbewegung.

DüsseldorfDie Gewinne waren groß: Der Dax hat innerhalb von zehn Handelstagen rund 1000 Punkte zugelegt. „Nach der Kurserholung ist zwischenzeitlich wieder viel Optimismus eingepreist“, meint das Aktienanalyseteam der DZ Bank. Dieser Optimismus könnte jedoch trügerisch sein, fürchten die Experten. Sie liegen damit auf einer Linie mit den Helaba-Kollegen. Die vertreten die Auffassung, dass eine solche sehr steil verlaufende Bewegung grundsätzlich nicht nachhaltig sei und erwarten deswegen nachgebende Kurse. Charttechnisch betrachtet halten sie einen temporären Rutsch auf weniger als 10.300 Punkte möglich.

Ganz so schlimm kam es am Freitag noch nicht. Am Ende ging der Dax mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 10.373 Punkten aus dem Handel. Es hätte besser laufen können. Aber das verhinderte die leidige Diskussion über Abgaswerte deutscher Fahrzeuge und daraus resultierender zusätzlicher Aufwendungen für die Automobilkonzerne. Das Thema wird die Börsen auch in der kommenden Woche beschäftigen. Am Freitag bescherte es VW zeitweise Verluste von mehr als drei Prozent und Daimler wurde bis zu sieben Prozent heruntergeprügelt.

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Doch auch nach dem Rückschlag vom Freitag ist das Kursniveau nach Ansicht von Analysten immer noch recht hoch. Sie suchen nach Erklärungen, wodurch es hochgehalten wird. Ist es das billige Geld, für das die Europäische Zentralbank (EZB) sorgt, oder sind es die guten Konjunkturdaten? Die Diskussion darüber ist noch nicht zu Ende. Für das Analysehaus Feri sind „positive Veränderungen wichtiger Konjunkturindikatoren“ maßgeblich.

Drei Faktoren seien ausschlaggebend für den neuen Optimismus der Anleger, meint Feri: Die US-Notenbank Fed habe die Zinswende gestoppt, der Ölpreis habe sich oberhalb von 30 Dollar je Barrel (159 Liter) stabilisiert und aus China nehmen die Experten deutliche Signale wahr, harte Strukturreformen anzupacken.

Aber ein Hintertürchen lassen sich die Feri-Analysten bei ihrem Erklärungsansatz für steigende Kurse trotzdem offen: „Dennoch ist und bleibt die Geldpolitik für die Finanzmärkte das Zünglein an der Waage.“ Ihr Blick geht nach Japan, wo sich die Notenbanker nächste Woche treffen. Das Land lebt viel länger mit extrem niedrigen Zinsen wie Europa.

Dort könnte zuerst mit dem sogenannten „Helikoptergeld“ experimentiert werden, glauben die Feri-Experten. Gemeint sind damit direkte Geldzahlungen an die Bevölkerung. „Dass solche radikalen Maßnahmen nicht nur in Japan, sondern auch in Europa verstärkt diskutiert werden, zeigt, dass die Notenbanken mir ihrer expansiven Politik an ihre Grenzen gestoßen sind“, kommentiert Heinz-Werner Rapp, Chief Investment Officer der Feri-Gruppe, die Situation.


Schwache Hoffnung auf die Fed

Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank, sieht die EZB als „Ausputzer“ für Europas Politiker. Die nutzten den durch billiges Geld gewonnen Spielraum für Reformen nicht. Helikopter-Geld ist für den Ökonomen keine Initiative. „Nur ein schwacher Euro kann jetzt noch Wachstumsimpulse setzen, Inflation erzeugen und eine Verschärfung der Debatte um Negativzinsen vermeiden.“ Inwieweit eine Ausdehnung der Anleihekäufe auf Unternehmensanleihen hilfreich sein werde, werde sich zeigen.

Nächste Woche allein auf Japan zu schauen, wäre fahrlässig. Denn noch vor der Bank of Japan am Donnerstag fällt die US-Notenbank Fed am Mittwoch ihre Zinsentscheidung, die wahrscheinlich lauten wird: Die Zinsen bleiben wie sie sind. Deswegen geht die Commerzbank von höheren Renditen für US-Staatsanleihen aus. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat ein klein wenig Hoffnung, dass die Fed „vielleicht einen Wink“ gibt, ob es im Juni zu einer Zinserhöhung kommen könnte. Dass die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Hinweis gering ist, belegt die Commerzbank mit dem Hinweis auf das erwartete minimale Wachstum der US-Wirtschaft im ersten Quartal.

Die Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes werden in der nächsten Woche verkündet. Der robuste Arbeitsmarkt spreche allerdings gegen ein Ende des Aufschwungs. Bloß die Märkte nicht schockieren, dürfte eine Devise der Fed sein. „Aber irgendwann wiegt das Risiko eines weiteren Abwartens stärker als das Risiko kurzfristiger Marktturbulenzen“, resümiert Krämer.

Sollte sich die Fed wie von der Commerzbank erwartet verhalten, leitet das Institut daraus ab, dass der Dollar gegenüber dem Euro nur etwas schwächer wird. Doch auch eine leichte Tendenz in diese Richtung ist es eine Reaktion, die sich Targobank-Volkswirt Lang gewiss nicht wünscht, weil er so sehr auf die Wachstumsimpulse aus einem schwachen Euro hofft. Dahinter steht die einfache Gleichung: Aussicht auf Wachstum bedeutet Aussicht auf höhere Kurse.

Quelle:  Handelsblatt Online
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