Debitkarte von Mastercard: Das Comeback der „EC-Karte“

Debitkarte von Mastercard: Das Comeback der „EC-Karte“

, aktualisiert 24. Juli 2017, 14:05 Uhr
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Das US-Unternehmen wirbt offensiv für sein neues Kartenprodukt.

von Andreas NeuhausQuelle:Handelsblatt Online

Vor zehn Jahren wurde die als „EC-Karte“ bekannt gewordene Kontokarte in „Girocard“ umbenannt. Doch jetzt soll die „EC-Karte“ ein Comeback feiern. Ein Kreditkartenanbieter will aus dem Markennamen Kapital schlagen.

FrankfurtEs war die höchste Schadensersatzforderung in der Geschichte Großbritanniens, die über dem Kreditkartenanbieter Mastercard schwebte. Kläger hatten dem US-Unternehmen vorgeworfen, jahrelang durch überhöhte Gebühren die Preise für Verbraucher in die Höhe getrieben zu haben. Doch ein Gericht in Großbritannien lehnte die Schadensersatzklage über umgerechnet 16 Milliarden Euro ab. Mastercard hat also ausreichend Luft für andere Projekte – etwa den Ausbau seines Marktanteils in Deutschland.

Derzeit wirbt das Unternehmen offensiv im Fernsehen und Netz für sein neues Kartenprodukt namens Debit Mastercard. Die Bezahlkarte kann international genutzt werden und ermöglicht kontaktloses Bezahlen. Im Gegensatz zur Kreditkarte werden die Umsätze direkt vom Konto abgebucht. „Wir erhoffen uns hier eine Möglichkeit, neben dem Kreditkartenbereich zusätzlich im Debitbereich erfolgreich zu sein“, erklärt Unternehmenssprecherin Juliane Wolff.

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Dabei wirbt Mastercard mit dem Slogan „Die EC-Karte unserer Zeit“. Das darf das US-Unternehmen, weil es im Zuge der Übernahmen der Bankenorganisation Europay International seit vielen Jahren die Rechte an dem klassischen Namen „EC-Karte“ und am Logo besitzt. Deswegen benannten die Banken ihre Karten bereits 2007 in Girocard um – doch der Name und das Logo mit dem blauen „e“ und dem roten „c“ haben sich in den Köpfen der Deutschen festgesetzt. Deswegen bewirbt Mastercard sein weltweit einheitlich als „Debit Mastercard“ bekanntes Produkt auch nur hierzulande als neue EC-Karte.

Die Bekanntheit des Namens nutzt Mastercard, um seine neue Karte als direkten Konkurrenten des EC-Karten-Nachfolgers zu positionieren. „Das Debitkarten-Segment ist in Deutschland deutlich größer als das für Kreditkarten. Aus Sicht von Mastercard ist es daher durchaus klug, dieses Segment mit einer neuen Strategie zu adressieren – zumal man in den deutschen Debitmarkt in der Vergangenheit keinen richtigen Fuß in die Tür bekommen hat“, sagt Oliver Hommel, Zahlungsverkehrsexperte bei der Unternehmensberatung Accenture.

Die Karte besitzt im Gegensatz zur Girokarte auch eine 16-stellige Nummer und kann dadurch onlineeingesetzt werden. „Aus Konsumentensicht ist dies ein deutlicher und spürbarer Unterschied: Ich werde im E-Commerce weltweit soforthandlungsfähig, ohne die gefühlten Nachteile einer Kreditkarte in Kauf nehmen zu müssen“, sagt Hommel.


Lieber bar als mit Karte

Bislang hatten es Kreditkartenunternehmen in Deutschland schwer. Zum einen, weil in Deutschland die Girokarte bereits einen Kreditrahmen gewährt – ein Unterschied zu vielen anderen Ländern. Zum andern lieben die Deutschen das Bargeld: 77,9 Prozent aller Einkäufe im Einzelhandel zahlen sie mit Scheinen und Münzen, wie Zahlen des Forschungshauses EHI Retail Institute zeigen. Besonders bei kleinen Beträgen ist Bargeld beliebt.

Auch gemessen am Umsatz wird über die Hälfte in bar beglichen. Und wenn die Deutschen mal nicht mit Cash zahlen, greifen sie zur Girokarte. Zwar akzeptieren seit der Gebührenregulierung durch die EU Ende 2015 immer mehr Einzelhändler Kreditkarten, der Umsatzanteil liegt aber nur bei 6,1 Prozent. „In Kreditkarte steckt das Wort Kredit schon drin. Deutsche Konsumenten assoziieren damit oft: Verlust der Ausgabenkontrolle, Schulden und Überschuldung“, sagt Hommel.

Dadurch dass Mastercard seine Debit- als EC-Karte bewirbt, bietet sich dem Unternehmen jetzt die Chance, näher an die deutschen Kunden heranzurücken. Denn noch vor zwei Jahren wussten einer Umfrage der Meinungsforscher GfK zufolge nur 20 Prozent der Deutschen von der Namensänderung hin zur Girocard.

Für den Kunden kann sich die Debit Mastercard lohnen. Sie hat dieselben Funktionen wie eine Kreditkarte und ist günstiger. Bei der Commerzbank ist sie in Verbindung mit einem Aktivkonto kostenlos, eine Mastercard Classic kostet im Jahr dagegen 39,99 Euro. Bei der Deutschen Bank firmiert sie unter dem Namen Deutsche Bank Card Plus und ist im ersten Jahr kostenfrei, im zweiten Jahr kostet sie 18 Euro. Für die Mastercard Standard müssen die Kunden dagegen einen Jahresbeitrag von 39 Euro bezahlen.

Allerdings kann die Debit Mastercard nur dort eingesetzt werden, wo Mastercard als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Eine Maestro-Akzeptanz reicht nicht aus. Wer Wert darauf legt, wirklich alle Bezahlvorgänge mit der Karte zu erledigen, ist aktuell noch mit der Girocard besser bedient. Schließlich akzeptieren in Deutschland insbesondere viele kleine und mittlere Händler neben Bargeld ausschließlich Girocard oder Maestro/VPay als Zahlungsmittel.

Zwar berichtet Mastercard von gutem Feedback der Banken und Kunden, wie hoch die Nachfrage genau ist, verrät das Unternehmen jedoch nicht. Neben der Commerzbank sowie der Deutschen Bank bieten laut der Mastercard-Webseite lediglich die Direktbanken Fidor Bank, MLP, N26 und Norisbank die Karte an. Auch bei O2-Banking ist sie erhältlich. „Wir reden damit von einem überschaubaren Marktanteil im Retail Banking“, sagt Zahlungsexperte Hommel. „Aber Sparkassen und Genossenschaften werden sich die Entwicklung im Markt sicher interessiert anschauen, und gegebenenfalls reagieren.“ Schließlich gehen die Marktanteile, die Mastercard mit seinem neuen Produkt gewinnt, auf ihre Kosten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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