„Der einzig echte Batman“ ist tot: US-Professoren fordern niedrige Zinsen

„Der einzig echte Batman“ ist tot: US-Professoren fordern niedrige Zinsen

, aktualisiert 11. Juni 2017, 10:39 Uhr
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Joseph Stiglitz: Er und 21 weitere namhafte US-Ökonomen verlangen, dass die Fed ihr Inflationsziel anhebt – was auf den Verzicht weiterer Zinsanhebungen hinausliefe.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Angesehene Wirtschaftsexperten kritisieren den Kurs der US-Notenbank: Sie befürchten, dass die Fed mit ihren Zinsanhebungen die Konjunktur abwürgt – die sich ohnehin schwächer entwickelt als erwartet.

New YorkEine Gruppe von 22 namhaften US-Ökonomen fordert die amerikanische Notenbank (Fed) auf, die Zinsen für längere Zeit niedrig zu halten. Genauer gesagt: Sie verlangen, dass die Fed ihr Inflationsziel anhebt. Aber in der heutigen Situation würde das auf den Verzicht weiterer Zinsanhebungen hinauslaufen.

Zu den Unterzeichnern eines Briefs an die Fed gehören der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Narayana Kocherlakota, der frühere Chef der Fed Minneapolis. Außerdem stehen weitere bekannte Namen wie Jason Furman, Jared Bernstein und Gene Sperling auf der Liste.

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In einer umfangreichen Diskussion per Twitter zu dem Thema hat auch Paul Krugman Sympathie für den Vorschlag gezeigt. Der Brief steht in Zusammenhang mit der Organisation „Fed Up“, in der sich Gegner einer harten Geldpolitik, darunter Gewerkschafter, zusammengeschlossen haben.

Die Fed hat die Märkte darauf vorbereitet, dass sie am Mittwoch eine weitere Zinserhöhung bekanntgeben wird, auf eine Spanne zwischen 1,0 und 1,25 Prozent. Außerdem haben Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen immer wieder davon gesprochen, dass noch einer dritter Zinsschritt im laufenden Jahr zu erwarten sei und auf mittlere Sicht ein Zinssatz von 3,0 Prozent.

Kritiker wie Kocherlakota monieren aber schon seit Monaten, dass die Wirtschaft nach wie vor recht langsam wächst und kein wirklicher Inflationsdruck besteht. Sollte die Fed ihr Inflations-Ziel von bisher zwei Prozent anheben, dann wären weitere Zinsschritte vorerst nicht mehr zu rechtfertigen.


Yellen: Von „Taube“ zum „Falken“

Die Ökonomen beziehen sich auf Aussagen von John Williams, dem Chef der Fed San Francisco, und auf Yellens Stellvertreter Stanley Fischer, die beide angeregt hatten, über das Inflationsziel nachzudenken. Yellens Vorgänger Ben Bernanke hat sich ebenfalls zu dem Thema geäußert, aber eher von einer Anhebung des Ziels abgeraten.

Die offizielle Linie der Fed ist, diese Überlegungen weit in die Zukunft zu verschieben. Ein Argument dafür lautet, dass es wenig Sinn hat, über neue Ziele zu sprechen, bevor das jetzige Ziel von 2,0 Prozent erreicht ist. Die Kern-Inflation der Verbraucherpreise, bei der Essen und Energie ausgeschlossen sind, liegt zurzeit noch deutlich unter dieser Marke.

Die Brief-Schreiber befürchten, dass die Fed mit ihren Zinsanhebungen die Konjunktur abwürgt, was früher schon häufiger passiert ist. Außerdem hätte eine höhere Inflation den Vorteil, dass die Fed auf längere Sicht mit höheren nominalen Zinsen arbeiten könnte, ohne dass die realen Zinsen, also nach Abzug der Inflation, die wirtschaftliche Entwicklung gefährden würden.

Sie hätte damit mehr Spielraum, bei einer Rezession die Zinsen zu senken und der Schwäche entgegen zu wirken.

Yellen galt lange Zeit als „Taube“, als Vertreterin einer weichen Geldpolitik. Jetzt wird sie zunehmend, ganz im Gegenteil, als Angehörige der „Falken“ wahrgenommen. Interessant ist, dass die Fed weiter die Zinsen erhöht, obwohl die US-Wirtschaft etwas langsamer läuft als erhofft, während die Europäischen Zentralbank (EZB) einen sehr vorsichtigen Kurs beibehält, obwohl die Wirtschaft in ihrem Bereich besser als erwartet läuft.

Der EZB schallt in Deutschland eher der Ruf entgegen, sich mit einem niedrigeren Inflationsziel als zwei Prozent zu begnügen. EZB-Chef Mario Draghi gilt als Taube und wird dafür hart kritisiert. Aber das Beispiel von Yellen zeigt, dass sich dieses Bild sehr schnell ändern kann, wenn die Notenbank in ihrem geldpolitischen Zyklus weiter kommt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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