Der Medien-Kommissar: Ein Denkmal für das „Sacher“

Der Medien-Kommissar: Ein Denkmal für das „Sacher“

, aktualisiert 16. Januar 2017, 15:24 Uhr
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Der österreichische Regisseur Robert Dornhelm zieht alle Register zwischen Kitsch und Historie, um aus dem Stoff einen unterhaltsamen Fernsehabend zu machen.

von Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Das ZDF widmet dem legendären Hotel „Sacher“ einen großen Zweiteiler. Der Film porträtiert eine mutige Unternehmerin in schwieriger Zeit. Noch heute wird die Wiener Hotelikone als Familienunternehmen geführt.

In Sachen Reklame kennt die Filmbranche keine falsche Bescheidenheit. Geht es um eine neue Produktion, werden alle Register der PR-Kunst gezogen, die dann in der medialen Berichterstattung ihren Niederschlag finden.

Im Fall des historischen Zweiteilers „Das Sacher. In bester Gesellschaft“ macht die Nachrichtenagentur dpa das legendäre Luxushotel gar zum „Wahrzeichen Wiens“. Das ist natürlich übertrieben. Die Ikonen der Donaumetropole sind immer noch immer die Hofburg und der Stephansdom. Doch das „Sacher“ ist zweifellos eine Institution, die eine große Faszination ausübt – bis zum heutigen Tag. Das ist auch einer der Gründe, weshalb der österreichische ORF mit der Ausstrahlung des acht Millionen Euro teuren Zweiteilers bereits kurz nach Weihnachten Traumquoten von 36 und 40 Prozent eingefahren hat.

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So viele werden es beim ZDF, das den Zweiteiler am Montag und Mittwoch jeweils um 20.15 Uhr ausstrahlt, natürlich nicht werden. Dafür ist der deutsche Fernsehmarkt zu hart umkämpft. Allerdings stellt die deutsch-österreichische Produktion mit Schauspielstars wie Peter Simonischek, Joachim Król, Robert Palfrader oder Dietmar Bär auch in Deutschland einen sicheren Quotengaranten dar.

Der österreichische Regisseur Robert Dornhelm („Krieg und Frieden“, „Tosca“) zieht alle Register zwischen Kitsch und Historie, um aus dem „Sacher“-Stoff einen unterhaltsamen Fernsehabend zu machen. Trotz jeder Menge Fiktion, die dramaturgisch durchaus Sinn macht, entsteht ein politisches und gesellschaftliches Sittengemälde des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Der Zweiteiler bindet dem legendären Familienunternehmen „Sacher“ einen Lorbeerkranz. Anna Sacher, die „Königin von Wien“, war es schließlich, die mit ihrem unternehmerischen Mut, ihrer Toleranz und Weltoffenheit, ihren Durchsetzungsvermögen und ihrer Kreativität es in der damaligen Männergesellschaft geschafft hat, das Haus gegenüber der Wiener Staatsoper zum Dreh- und Angelpunkt der untergehenden österreichischen Monarchie zu machen.


Willkommene Reklame für das Familienunternehmen

Noch heute ist das „Sacher“ in Familienbesitz. Alexandra und Matthias Gürtler lenken die Geschicke der Luxusherberge, zu der auch das „Sacher“ in Salzburg und das „Bristol“ in Wien gehören. Matthias Winkler ist seit 2014 Geschäftsführer der Sacher-Betriebe. Der 47-jährige Manager ist der Ehemann der 41-jährigen Alexandra Winkler, der 50 Prozent am „Sacher“ gehören. Die restlichen Anteile sind im Besitz von Privatstiftungen und von Matthias Winkler.

Der ZDF-Zweiteiler ist eine willkommene Reklame für das „Sacher“, die Gold wert ist. Als ich Matthias Winkler nach dem Werbewert des Zweiteilers für sein Fünf-Sterne-Haus frage, nennt er keine Zahl. Der Unternehmer sagt nur zufrieden: „Das ist ein großer, großer Wert.“

Die Werbung durch die Fernsehproduktion kann das Haus, das von Touristen und Wiener gleichermaßen geschätzt wird, gut gebrachen. Denn immerhin buhlen mittlerweile fast zwei dutzend Fünf-Sterne-Hotels um die Gunst der Gäste in der österreichischen Hauptstadt. Und das ist noch nicht das Ende des Luxusbooms. Große Hotelkonzerne halten nach weiteren Standorten längst Ausschau, wie Insider in Wien berichten.

Das 1876 eröffnete Hotel Sacher kann dennoch optimistisch in die Zukunft blicken. 2015 hat es das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte geschrieben. Einer der Gründe: in einer globalisierten Welt schätzen weit gereiste Gäste den persönlichen Service eines Familien geführten Luxushotels.

Die Treue nicht nur der Kunden, sondern auch der Mitarbeiter ist legendär. In dem Familienunternehmen werden immer wieder 40- und 45-jährige Dienstjubiläen gefeiert – eine große Ausnahme in der schnelllebig gewordenen Hotelwelt. Von ihrem winzigen, nur zehn Quadratmeter großen Büro im Hotel Sacher leiten Alexandra und Matthias Winkler die Institution, der nun mit dem Zweiteiler ein liebenswertes filmisches Denkmal gesetzt wurde.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

Quelle:  Handelsblatt Online
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