Der Medien-Kommissar: Mal schnell Europa retten

Der Medien-Kommissar: Mal schnell Europa retten

, aktualisiert 22. August 2016, 18:12 Uhr
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Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

von Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Die Bertelsmann Stiftung ist das Lieblingsspielzeug von Matriarchin Liz Mohn. Nun geben die Gütersloher zusammen mit einem österreichischen Ex-Regierungschef Bundeskanzlerin Merkel und ihren Kollegen gute Ratschläge.

Eine schönere Kulisse, um Europa zu retten, gibt es an einem sonnigen Sommerwochenende kaum. Im Mozarteum am malerischen Mirabellgarten mitten in Salzburg lädt die Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn zusammen mit dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zum sogenannten Salzburger Trilog ein. Das intime Treffen mit 30 Politikern, Vorstandschefs und Wissenschaftlern ist ein unausgesprochenes Weltrettungskommando. Denn im pittoresken Rahmen der fein herausgeputzten Festspielstadt an der Salzach stand in diesem Jahr das Thema „Dealing with Neighbors: Fighting a Ring of Fire oder Building a Ring of Friends“. Der Titel der eintägigen Tagung lieferte sozusagen die Antwort gleich mit.

Wolfgang Schüssel, der einst international Karriere durch seine Koalition mit der rechtspopulistischen Haider-Partei FPÖ gemacht hatte, steht bei Liz Mohn seit Jahren hoch im Kurs. Der frühere Bundeskanzler ist im Gegensatz zu seiner Heimat in Gütersloh sehr beliebt.

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Der Politiker, der als Kanzler das „Mascherl“, sprich Fliege, zu seinem Erkennungszeichen machte, ist der Milliardärin aus Ostwestfalen eng verbunden. „Wolfl“ nennt Liz Mohn den früheren konservativen Regierungschef aus Wien vertrauensselig. Schüssel war es auch, der den Diskurs in Salzburg auch in diesem Jahr wieder moderierte. Seit 2004 finanziert die Bertelsmann-Stiftung die von Schüssel gegründete Konferenz.

Am Tisch im Mozarteum war eine illustre Runde versammelt. Dazu zählten RWE-Chef Peter Terium, Pascal Lamy, früher Chef der Welthandelsorganisation WTO und EU-Kommissar, die ehemalige luxemburgische EU-Kommissarin Viviane Reding und Sung-Joo Kim, Chefin des Handtaschenherstellers MCM. Eine handverlesene Journalistenschar von der „Neuen Westfälischen“ aus Bielefeld bis zur „Tiroler Landeszeitung“ aus Innsbruck wurde für die Berichterstattung aus dem Mozarteum ausgewählt. „Wir werden nicht nur alle unsere grauen Zellen, sondern genauso unsere Sinne und Emotionen brauchen, um die Komplexität heutiger Fragestellung zu erfassen“, mahnte der ehemalige ÖVP-Chef Schüssel bereits im Vorfeld.


Handlungsempfehlungen in 14 Punkten

Wie die Bertelsmann Stiftung auf Anfrage bestätigte, werden die Ergebnisse mit Vorschlägen dem Kanzleramt und allen EU-Regierungen, aber auch anderen Entscheidern der Europäischen Union wie der Brüsseler Kommission und dem Europäischen Rat übermittelt. Alles darf aus der Runde freilich nicht ungefragt nach außen dringen – auf keinen Fall die exakten Absender. Nach dem „Chatham-House-Regeln“, die für den Salzburger Trilog gelten, dürfen nur die Ideen und Aussagen verbreitet werden. Mit dieser Voraussetzung führt Schüssel auch politische Hintergrundgespräche mit Prominenten in Wien.

Nach Angaben der „Tiroler Landeszeitung“ wären die Teilnehmer in Anwesenheit von Liz Mohn zu einem „katastrophalen Befund“ gekommen, nämlich das die Nachbarschaftspolitik der EU gescheitert sei. Statt von einem „Ring von Freunden“ sei Europa von einem „Ring aus Feuer“ umgeben. Das sei bereits in den Tagungsunterlagen mitgeteilt worden.

Zu den Empfehlungen gehörten unter anderen Empfehlungen wie eine effizientere Sicherung der EU-Außengrenzen durch Frontex, den Ausbau der Zusammenarbeit mit NGOs zur Unterstützung der Freiheit des Handels und der Meinungen oder die gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen Terrorismus zu intensivieren. Insgesamt umfasst die Liste der Handlungsempfehlungen an die Regierenden in Europa 14 Einzelpunkte. „Das Ziel der EU, von einem Ring von Freunden umgeben zu sein, wurde nicht erreicht“, fasste eine Trilog-Sprecherin die Analyse der versammelten Experten zusammen. Hier gebe es ein Defizit.

Doch das weiß vielleicht auch die Bundeskanzlerin schon längst? Ob sie die Ratschläge aus Salzburg zur Kenntnis nimmt oder gar praktische Politik umsetzt, erfährt Liz Mohn bei ihrem nächsten Treffen mit der mächtigsten Frau Europas höchstpersönlich.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

Quelle:  Handelsblatt Online
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