Der Medien-Kommissar: Österreich ist einfach zu klein

Der Medien-Kommissar: Österreich ist einfach zu klein

, aktualisiert 05. September 2016, 11:02 Uhr
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Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

von Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Der österreichische Fernsehmarkt kommt angesichts seiner Größe und der Übermacht des ORF um eine Marktbereinigung nicht herum. Der Medienunternehmer Herbert Kloiber macht den Anfang.

Der frühere RTL-Chef Gerhard Zeiler liebt sein Heimatland Österreich. Über viele Jahre steuerte der charismatische Medienmanager in Köln und Luxemburg das größte Fernsehimperium in Europa. Als wir uns vor über zehn Jahren über den österreichischen Fernsehmarkt unterhielten, und ich Zeiler fragte, warum RTL keinen eigenen Sender in Österreich aufmacht, winkte er sofort ab. Dafür sei der ORF einfach zu übermächtig und der Markt schlicht zu klein. Ohnehin sind alle RTL-Sender mit eigenen österreichischen Werbefenstern zu empfangen. Zeiler verbrannte sich als TV-Manager nicht die Finger in der geliebten Heimat. Eine kluge Entscheidung.

Einer, der den Sprung in den österreichischen Fernsehmarkt hingegen wagte, ist der gebürtige Wiener Herbert Kloiber. Mit ATV betreibt der seit Jahrzehnten von München aus agierende Fernseh- und Filmunternehmer einen Privatsender in Wien. Doch Kloiber hat nun die Hoffnung aufgegeben, das österreichische TV-Unternehmen doch noch in eine glückliche Zukunft führen zu können. „ATV war mein größter Fehler“, sagte der 68-jährige Chef der Tele-München-Gruppe bei einem Treffen im Augustiner-Chorherrenstift in St. Florian unweit bei Linz.

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„Zu meinem 70. Geburtstag am 6. Dezember 2017 will ich die Geschäftsführung der Tele-München-Gruppe an meinen Sohn übergeben, der vermutlich andere Akzente setzen wird. Deshalb werde ich mich bis zur Übergabe auch um eine Bereinigung unseres Portfolios kümmern“, erläuterte Kloiber, der einst seine Karriere bei Leo Kirch begonnen hat.

Doch die Bereinigung des Portfolios für seinen ehrgeizigen Sohn Herbert Leopold Kloiber wird alles andere als einfach. Denn ein Sender, der seinem Eigentümer bislang schon Verluste in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe beschert hatte, ist nicht gerade ein begehrtes Asset bei Investoren.

Die beiden großen TV-Konzerne RTL und Pro Sieben Sat 1 kommen dafür nicht in Frage. Die alte Zeiler-Doktrin, von einem österreichischen TV-Sender die Finger zu lassen, gilt in Köln und Luxemburg noch immer. Und der Dax-Konzern Pro Sieben ist in Österreich bereits mit seinem Ableger Puls 4 vertreten. Wo ATV am Ende landen wird, ist offen. Vermutlich wird es eine österreichische Lösung für den Verlustbringer in Wien geben.


Auch Mateschitz ordnet Sparkurs an

Der angekündigte Rückzug Kloibers führt die Malaise des österreichischen Fernsehmarktes vor. Der Staatssender ORF, den der Sozialdemokrat Alexander Wrabetz für eine weitere, dritte Amtsperiode führen wird, ist der unbestrittene Marktführer im Fernsehen, Radio und bei den Nachrichtenportalen. Die Dominanz des ORF ist auch viele Jahre nach der Privatisierung des Rundfunks nicht zu brechen. Hinzu kommt die Größe des österreichischen Marktes. Um die Tatsache, dass das Alpenland nur rund halb so groß ist, wie Nordrhein-Westfalen, kommt kein Medienunternehmer herum.

Einer, der neben Kloiber noch sehr viel höhere zweistellige Verluste mit seinem eigenen Fernsehsender in der Heimat einfährt, ist der Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. Doch auch der Milliardär aus der Steiermark verliert langsam die Lust auf Servus TV. Den Spaß verdarben dem Dosen-Unternehmer neben den schlechten Zahlen zuletzt auch noch die eigenen Mitarbeiter. Als die Angestellten im vergangenen Mai versuchten, einen Betriebsrat zu gründen, reagierte Mateschitz prompt und hart. Er feuerte kurzerhand die Belegschaft und verkündete die Einstellung des Programms.

Nach einem öffentlichen Kniefall der Belegschaft und dem Versprechen, keine Arbeitnehmervertretung gründen zu wollen, ließ der Milliardär Gnade walten. Über 200 Mitarbeiter unterschrieben folgenden Satz: „Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat.“ Ob das am Ende hilft? Mateschitz setzt Servus TV auf Sparkurs. Ende 2016 stellt der in Salzburg ansässige Sender seinen Betrieb in Deutschland und der Schweiz ein. Geld zum Fenster hinaus zu werfen ist dem Milliardär doch zu teuer – auch ohne Betriebsrat.

Der Fernsehmarkt in Österreich kommt früher oder später eben um eine schmerzliche Marktbereinigung nicht herum. Kloiber macht den Anfang.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

Quelle:  Handelsblatt Online
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