Der moderne Mann: Führen lernen mit Trump

Der moderne Mann: Führen lernen mit Trump

, aktualisiert 03. Februar 2017, 14:42 Uhr
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Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

von Herr K.Quelle:Handelsblatt Online

Herr K. steht in gewisser Hinsicht unter Spannung – er entkommt einem Mann nicht, der mittlerweile täglich durch die Schlagzeilen geistert – Donald Trump. Herr K. wähnt in der Zukunft „Trumpisten“ und „Trumpi-Town“.

Der Nachrichtenstrom reißt neuerdings nicht mehr ab: Trump lässt Mauer zu Mexiko bauen +++ Trump steigt aus TPP aus +++ Trump hält grimmig schauend Akten in die Kamera +++ Und das ist nur die Morgenlage im Autoradio auf dem Weg zur Arbeit. Herr K. kann dem neuen US-Präsidenten nicht mehr entrinnen. Niemand kann das. Und es wird so weitergehen:

+++ Trump sitzt mit US-Konzernchefs am Tisch und verdonnert sie zu irgendwas +++ Trump verstaatlicht Disneyland, das künftig „Trumpi-Town“ heißt +++ Trump lässt überall Brücken bauen, weil das die Wirtschaft ankurbelt und er sich als Brückenbauer versteht +++ Wahrscheinlich wird dieser nie da gewesene Aktionismus im Weißen Haus auch neue Berufsbilder, ach: komplette Branchen, erschaffen. Als Erstes wird es sicher bald Journalisten geben, die nur noch mit Trump-Berichterstattung und –Interpretation ihr täglich Brot verdienen. Bachelor-Studiengänge werden die nötigen „Trumpisten“ ausbilden, denkt Herr K., als er mittags auf dem Weg in die Kantine noch die neuesten Online-Newsflashs auf dem Handy studiert:

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+++ Trump erklärt China den Krieg und gründet mit Wladimir Putin auf der Krim eine Reitschule +++ Trump geht zum Friseur und erwägt ein Dekret, dass alle Amerikaner zum Blondieren ihres Haupthaars verpflichtet +++ Trump kündigt weitere Mauer-Bauten an - zu Kanada, aber auch zu Kalifornien, wo sie ihn nicht mögen +++

„Ich mag ihn ja auch nicht. Aber Trump tut wenigstens was!“, sagt Herrn K.s Kollege Koslowski zwischen Blattsalat und Toast Hawaii (auf den Trump noch am gleichen Tag Urheberrechte und 30-prozentige Lizenzgebühren geltend machen wird). Frau Stibbenbrook aus der Rechtsabteilung schaut obligatorisch entsetzt: „Ihr Ernst? Der Mann ist irre!“ – „Schon“, windet sich Koslowski. „Aber ist all dieser lähmende Wir-können-auch-nix-ändern-Sachzwang-Kack in Berlin oder Brüssel besser?“

Herrn K. dämmert allmählich, was das bedeuten könnte, als er am Nachmittag die neuesten Depeschen aus Washington verfolgt: +++ Trump verbietet Straßenkriminalität, Steuerbetrug, Evolutionstheorie und Klimawandel +++ Trump lässt Meryl Streep ausbürgern +++ Trump annektiert den Mond und kündigt rasche Besiedelung an +++

Es geht vielen Leuten offenbar gar nicht mehr darum, WAS, sondern DASS jemand was macht, grübelt Herr K. Vielleicht würde das sein eigenes Standing als Führungskraft auch verbessern? Einfach mal machen! Herr K. fängt an zu fantasieren, wie auch er „trumpen“ könnte: +++ K. spendiert Obstkörbe for free in seiner Abteilung +++ K. reduziert die Zahl der Behindertenparkplätze, weil es gar keine Behinderten in seiner Firma gibt +++ K. führt Arbeitsuniformen und Morgenappelle ein +++

Sollte er da den Betriebsrat fragen? Fände Trump, dass Betriebsrat "was für Pussys" ist? Herr K. schaut raus auf den Parkplatz. Es regnet. Er muss noch üben. Trump wird man nicht an einem Tag.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Die besten Kolumnen vom modernen Mann sind im Gabal Verlag erschienen (14,90 Euro) – samt neuen Texten und allen Hintergründen rund um Herrn K. Hier können Sie das Buch zur Kolumne bestellen: kaufhaus.handelsblatt.com/herrk.

Quelle:  Handelsblatt Online
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