Der moderne Mann: Im Clinch mit Daisy Duck

Der moderne Mann: Im Clinch mit Daisy Duck

, aktualisiert 24. Februar 2017, 15:17 Uhr
Bild vergrößern

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

von Herr K.Quelle:Handelsblatt Online

Herr K. widmet sich einem Frauen-Thema, dass auch den modernen Mann mittlerweile bewegt. Die kosmetische Chirurgie lässt ihn beim Blick in den Spiegel in Gedanken verfallen. Kritische Frage: Wer lässt sich was machen?

Die Innovationen der kosmetischen Chirurgie erreichen die Zielgruppe Mann. Herr K. merkt das beim morgendlichen Blick in den Badezimmerspiegel und der fast schon salopp dahingedachten Frage an sich selbst: „Soll ich mal was machen lassen?“

Die bisherigen Entwicklungsstadien dieses Teils der Menschheitsgeschichte sind schnell erklärt: Ganz früher starb man durch Mammut, Pest oder wenigstens eine zünftige Hungersnot, bevor Falten oder Haarausfall überhaupt ihre verheerende Kraft entfalten konnten. Dann machte moderne Medizin uns erst immer älter und schenkte uns dann auch Möglichkeiten, neben dem schieren Tod anderen unschönen Begleiterscheinungen wie Krähenfüßchen, Krampfadern oder Schlupflidern zu begegnen. Nicht immer erfolgreich.

Anzeige

Zum Beispiel Sabine (die seit ihrer Schulzeit von allen „Sabber“ genannt wird), eine Freundin von Herrn K.s Frau. Mittlerweile sieht sie aus wie Daisy Duck, die gerade frontal auf eine Panzerglasscheibe gerannt ist. „Sabber“ ist eine 40-Jährige, die sich bei dem Versuch, wie 30 auszusehen, in eine Frau verwandelt hat, die einer 50-Jährigen ähnelt, die gern wieder 40 wäre. Inzwischen trägt sie ihren Spitznamen zu Recht, weil „Sabbers“ Beauty-Projekte gewisse Begleiterscheinungen in puncto Gesichtslähmung mit sich brachten.

Das hält aber viele Männer nicht mehr davon ab, im Wettstreit der Geschlechter aufholen zu wollen: Der Fußballtrainer Jürgen Klopp hat sich bereits Haare implantieren lassen. Tränensäcke-Entfernen gibt’s wahrscheinlich schon beim Discounter „to go“. Berger aus dem Marketing hat sich neulich botoxen lassen. Ein Verb, das sicher demnächst im Duden steht wie snapchatten oder instagrammen. Und Fettabsaugen hat sich aus den Topetagen allmählich durch die Hierarchieebenen nach unten gefressen, so dass Herr K. nun im Badezimmer sein Spiegelbild betrachtet und mit beiden Händen beherzt in die Speckröllchen kneift.

Neulich hat er in der „Süddeutschen Zeitung“ das Interview mit einem Schönheitschirurgen aus dem Pott gelesen, der lachend erklärte, dass der ganze Fitnesszauber nur gelungene PR der Fitness-Industrie sei. Man könne noch so viel Sport treiben, davon gehe der Speck nicht weg. Vielleicht ist das wiederum gelungene PR der Fettabsauger-Branche? Herr K. ahnt jedenfalls, dass es mit dem Abnehmen auf dem Laufband weit länger dauert als in so einer Klinik.

Morgen wird er dort anrufen und sich informieren und dann einfach mal an einem freien Tag zwischen cremefarbenen Stahlrohrmöbeln fünf Kilo verschwinden sehen. Er kneift sich noch mal in die Seite. In diesem Moment donnert seine Frau ungeduldig an die Badezimmertür: „Komm endlich raus! Du bist schön genug!“

Herr K. lächelt. Sie ahnt gar nicht, dass sie der Haushaltskasse gerade ein paar Tausend Euro eingespart hat. Vorläufig.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Die besten Kolumnen vom modernen Mann sind im Gabal Verlag erschienen (14,90 Euro) – samt neuen Texten und allen Hintergründen rund um Herrn K. Hier können Sie das Buch zur Kolumne bestellen: kaufhaus.handelsblatt.com/herrk.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%