Der Werber-Rat: Der kugelige Gartengrill als Therapeut

Der Werber-Rat: Der kugelige Gartengrill als Therapeut

, aktualisiert 09. März 2016, 18:11 Uhr
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Torben Bo Hansen vermisst die warme Jahreszeit.

Quelle:Handelsblatt Online

Bo Hansen testet Kommunikation per Katalog im Selbstversuch – die Sehnsucht nach Sommer und Sonne macht dabei selbst Gartenduschen attraktiv. Von Grills ganz zu schweigen. Wenn Kaufen zur Therapie wird.

Mir fällt nichts ein, worüber ich schreiben will. Die Winterdepressionen sind auf dem Höhepunkt, das Wetter ist mies, Karneval ist vorbei und Ostern und Frühling sind noch nicht wirklich vor der Tür. Und die Lage der Welt ist so trostlos wie das Wetter. Über Donald Trump mag ich heute auch nicht schreiben.

Zum Glück gibt es Manufactum. Deren Gartenkatalog trudelte vor einigen Tagen bei mir zu Hause ein und er zeigt mir seitdem täglich, wie Kommunikation - auch in Zeiten größter Lustlosigkeit - konstruktiv mit Sehnsüchten spielen kann. Von A wie Abdeckgaze bis Z wie Zwetschge findet sich darin alles, was die kommenden Monate auf dem Balkon und im Garten verschönern wird. Obstpflanzen, Gemüsesaaten, Blumenzwiebeln ebenso wie Hängematte, Feuerkorb oder Sonnenschirm. Grills natürlich auch. Wer will, kann gleich eine ganze Outdoorküche bestellen.

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Nicht akuter Bedarf lässt dabei die Sachen so attraktiv wirken, dass ich schon kurz davor war, ein Big Green Egg (quasi den Rolls-Royce unter den Grills), einen Langbogen oder die Gartendusche zu kaufen. Es ist ein Defizitgefühl: der Mangel an Sonnenschein und Vitamin D, an Aktivität im Freien, an entspannten Unterhaltungen mit Freunden in lauer Sommernacht. Kaufentscheidungen sind zum großen Teil Therapie, die erworbenen Gegenstände Therapeutika, mit denen wir Mangelgefühle behandeln, die uns im Moment des faktischen Kaufs gar nicht bewusst sind.

Das ist auch der Grund, warum erfolgreiche Kommunikation immer auf zwei Ebenen spielt. Auf der funktionalen, wo mein Katalog die Gartendusche ganz nüchtern beschreibt. Und der emotionalen, wo er dafür sorgt, dass ich mir den Sommer im Garten bei 30 Grad vorstelle – trotz Nieselregens. Bleibt noch die Frage, gegen welche Art von Defizit Trump wohl die Medizin ist. Möglicherweise gegen dauerhafte Lustlosigkeit.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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