Der Werber-Rat: Diese verrückte Jugend

Der Werber-Rat: Diese verrückte Jugend

, aktualisiert 04. Mai 2016, 21:26 Uhr
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Jugendliche haben es nicht mehr so mit offener Rebellion – dafür aber mit einer modernen, weltoffenen Haltung.

von Torben Bo HansenQuelle:Handelsblatt Online

Die Jugend von heute will nicht mehr so wirklich rebellieren – und treibt damit die Alt-68er aus denen ihre Eltern wurden zur Weißglut. Torben Bo Hansen findet bei der neuen Generation trotzdem eine ganze Menge Haltung.

Woodstock, freie Liebe, Flower-Power, Anti-AKW, Anti-Nato-Doppelbeschluss, Anti-Establishment. „Das waren noch Zeiten“, hört man schon die ersten Leser angesichts der aktuellen Sinus-Jugendstudie stöhnen. Früher war alles besser, sogar die Zukunft – so die aus deren Sicht paradoxe, aber treffende Einordnung.

Zugegeben, jene, die in den Sechzigern den „Muff von 1000 Jahren“ unter den Talaren lüften wollten, waren damals ein paar Jahre älter als die jetzt befragten 14-17-Jährigen. Und dennoch könnte man denken, auch in dieser Alterskohorte müsste ein bisschen Rebellion schon angelegt sein. Pustekuchen. Heutige Jugendliche wollen - zum großen Teil - Mainstream sein und geben sich überaus anpassungswillig.

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Aber vielleicht ist gerade diese - von der Studie als Neo-Konventionalismus bezeichnete - Strömung einfach eine besonders subversive Form der Auflehnung? Widerstand durch Assimilation? Jedenfalls bringen sie damit die Alt-68er genauso in Rage, wie diese es einst bei ihren Altvorderen mit Sponti-Verhalten schafften.

Dabei haben Jugendliche es heute nicht leicht. Ihre Vorgänger haben schon so viele Freiheiten erfochten, dass man vor lauter Liberalismus kaum noch irgendwo anecken kann. Und doch gelingt diesen Jugendlichen ein Zeichen: Integration von Migranten, religiöse Toleranz sowie ein entspanntes Verhältnis zur eigenen Nation setzen sie zumindest von so manchen Parteitagsgängern älterer Baujahre deutlich ab.

Womöglich steckt in der Jugend doch mehr Potenzial als manch einer meint - geben wir ihr ein paar Jahre, um sich zu entfalten. Und bis dahin können wir ja Markenkonzepte, die allzu sehr auf Rebellion und jugendliche Abgrenzung setzen, einer Überprüfung unterziehen: vielleicht ein bisschen weniger Woodstock, ein bisschen mehr Spotify-Playlist.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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