Der Werber-Rat: Ein frohes neues Jahr?

Der Werber-Rat: Ein frohes neues Jahr?

, aktualisiert 14. Januar 2016, 21:23 Uhr
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Die Vorfälle der Kölner Silvesternacht und ihre Folgen machen Kolumnistin Britta Poetzsch wütend.

von Britta PoetzschQuelle:Handelsblatt Online

Britta Poetzsch ist in diesem neuen Jahr bisher nicht sehr froh zumute – stattdessen ist sie wütend. Auf Übergriffige in Köln, auf miese Politik und auf rechtes Gedankengut. Und auf schlechte Kommunikation in den Medien.

Das Jahr ist noch jung. Es gibt Kollegen, die mir immer noch ein „frohes, neues Jahr“ wünschen. Dabei zeigen sie lächelnd ihre Skibräune, die sie im Kunstschnee erworben haben.

Aber was macht das Jahr zu einem frohen Jahr? Privat kann das jeder nur für sich selber beantworten. Bis jetzt fühlt sich hier gar nichts froh an. Das Jahr beginnt mit Wut. Wut auf diejenigen, die in der Kölner Silvesternacht übergriffig waren, und auf die, die sich das für ihre rechte Gesinnung zunutze machen. Wut auf die, die das kleinreden. Wut auf die politisch Überkorrekten, die Tatsachen nicht wahrhaben wollen. Wut über die Hilflosigkeit derer, die uns beschützen sollen. Wut über die miese, unklare und vertuschende Kommunikation. Wut auf Medien, die Titelseiten gestalten, die wie Brandbeschleuniger wirken. Oder die Worte erfinden wie „Sex-Mob“.

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Die Wut zeigt sich vor allem in den sozialen Medien. Jeder ist ein Sender. Was früher in der gemütlichen Muffigkeit am Stammtisch geäußert wurde, war nach drei Bier und fünf Korn schon wieder im Alkohol ertränkt. Jetzt schreien wir uns am Facebook-Stammtisch öffentlich an. Aufgeregt. Aggressiv. Und immer mit dem Anspruch, ganz allein und ausschließlich recht zu haben. Schriftlich im Netz verewigt. Noch nie habe ich so viele unreflektiert auf Facebook geteilte Inhalte von Menschen gelesen, die ich bis dahin für besonnen und gebildet hielt. Ohne die Quellen zu hinterfragen.

Wir haben ein Flüchtlingsproblem. Wir haben ein Polizeiproblem. Wir haben ein Integrationsproblem. Wir haben auch ein Kommunikationsproblem. Das wird kein Kommunikationsfachexperte lösen können. Das Ergebnis dieser Wut sind gewaltbereite Mobs. Selbsternannte Gesetzeshüter. Ich wünsche mir weniger Wut und mehr Verstand. Weniger Aufgeregtheit und mehr Ehrlichkeit. Mehr als eine Armlänge davon.

Quellle:  Handelsblatt Online
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